Bei einer Frau wird ein Coronaabstrich in der Nase gemacht. © picture alliance Foto: Daniel Bockwoldt

Corona-Studie: Die Suche nach der richtigen Teststrategie

Stand: 16.11.2020 18:02 Uhr

Wie kann das Coronavirus noch weiter eingedämmt werden? Sind die jetzigen Schutzmaßnahmen sinnvoll oder gibt es noch mehr, was getan werden kann? Das will die Elisa-Studie in Lübeck aufdecken.

von Linda Ebener

Mit der Elisa-Studie wollen Infektiologen und Studierende der Universität Lübeck die Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung untersuchen. Seit April wurden dafür mehr als 3.000 Probandinnen und Probanden in unterschiedlichen Zeitabschnitten viermal auf Corona getestet. Jetzt - sieben Monate später - sind die Forschenden einen Schritt weiter. Sie suchen die richtige Teststrategie und wollen herausfinden, wie gezielter getestet werden kann, was Erfolg bringt und wie Ressourcen gespart werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die Forscherinnen und Forscher teilweise bis zu 16 Stunden am Tag.

Wer soll vorrangig getestet werden?

Der Mediziner Jan Rupp vom UKSH in Lübeck
Der Mediziner Jan Rupp vom UKSH in Lübeck ist einer der wissenschaftlichen Leiter der Elisa-Studie.

An verschiedenen Standorten bundesweit wird derzeit verglichen, ob zum Beispiel die Risikogruppen vermehrt getestet werden sollten oder ob es andere Personengruppen gibt, die gezielter untersucht werden sollten. Anfang 2021 sollen diese Ergebnisse zusammengetragen und ausgewertet werden, sagt Prof. Dr. Jan Rupp, Infektiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, er ist einer der drei wissenschaftlichen Leiter der Elisa-Studie.

Der erste Lockdown hat viele Erkenntnisse gebracht

Während der ersten Testphase von April bis August waren die Infektionszahlen in Schleswig-Holstein gering. Das Ergebnis: Weniger als 20 von den 3.000 Probandinnen und Probanden hatten Antikörper gegen Covid-19 entwickelt. Wie lange die Antikörper vorhanden sind, ist noch nicht klar. Dazu fehlen bisher noch Langzeitergebnisse. Doch eines ist sicher, sagt Rupp - es sei nach wie vor wichtig, Abstand einzuhalten, Maske zu tragen und regelmäßig Hände zu waschen. Die Nichteinhaltung der vorgegebenen Regeln in den vergangenen Monaten habe zu einer zweiten Welle der Infektionen geführt. Rupp betont: "Es hätte eigentlich im Oktober, September schon ein  bisschen besser klappen können. Wir wussten, das wir nicht so nah beieinander sein sollen. Wir wussten auch, das man auch vielleicht bei größeren Familienfeiern ein bisschen mehr Abstand hält - oder das einfach mal unterlässt. Das haben wir nicht so richtig gut gemacht - aus meiner Sicht". Was das Forscherteam - gerade im Bereich Schule - aus der ersten Testphase gelernt hat, ist, dass Schulen weiterhin geöffnet bleiben könnten. Nur die Maßnahmen könnten möglicherweise nachgebessert werden. So schlägt der Infektiologe zum Beispiel vor, die Klassenstärken zu reduzieren, also nicht im ganzen Klassenverband zu unterrichten, sondern die Klassen in zwei Hälften zu teilen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Geänderte Teststrategie

Ein medizinischer Mitarbeiter im Schutzanzug hält einen Backenabstrich in der Hand.  Foto: Hauke von Hallern
Die Lübecker Forscher wollen aus Testdaten lernen, wie sich die zweite Welle der Pandemie im Detail entwickelt.

Ab Montag sollen bei der Elisa-Studie in Lübeck wieder unterschiedliche Bevölkerungsgruppen getestet werden, um weiter zu analysieren und aktive oder unbemerkte Infektionen aufzuspüren. Durch die zweite Welle und die gestiegenen Infektionszahlen in Schleswig-Holstein und ganz Deutschland sei es besonders spannend zu sehen, wie sich die strengen Corona-Maßnahmen im November auf das Infektionsgeschehen auswirken, sagt Rupp. Die neue Teststrategie dieses Mal - das Elisa-Team testet nicht nur auf Coronaviren, sondern auch auf Grippe- und Erkältungsviren, da sich die Symptome sehr ähneln. Sie wollen die Unterschiede besser herausfiltern, betont Rupp. Die Forscherinnen und Forscher wollen außerdem speziell Geflüchtete testen, die in unterschiedlichen Lübecker und Travemünder Einrichtungen leben. Im Februar nächsten Jahres sollen dann noch mal 1.000 Menschen aus Lübeck und Umgebung dazukommen, die sich bis jetzt noch nicht haben testen lassen. Die Studie wird im kommenden Jahr also noch ausgeweitet. Bereits jetzt melden sich dazu immer mehr neue Probandinnen und Probanden an und wollen an der Elisa-Studie teilnehmen.

Bundesministerium unterstützt die Lübecker Studie

Die Lübecker Forscherinnen und Forscher haben auch eine finanzielle Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bekommen - in Höhe von fast einer Million Euro. Jan Rupp hofft, dass die Ergebnisse der Elisa-Studie der Landesregierung helfen, die richtigen Corona-Schutzmaßnahmen zu treffen. So könnten weiter steigende Infektionszahlen und schärfere Beschränkungen vermieden werden.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.11.2020 | 19:30 Uhr