Nordseereport

Ebbe und Flut

Sonntag, 06. Mai 2018, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 07. Mai 2018, 02:45 bis 03:30 Uhr

Das Ebbe-und-Flut-Restaurant von Peter Homilius besteht aus blauen Containern, die er immer ab Frühjahr aufstellt.

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Im Frühjahr ist der Winterschlaf vorbei und Peter Homilius erweckt sein Restaurant-to-go zu neuem Leben. Sechs Monate lang standen die Bar, die Tische, der Zapfhahn fein säuberlich in sieben Container verpackt im Garten des Wirtes. Doch nun wird wieder aufgebaut: Per Lastwagen bringt Homilius seine Utensilien über den Deich nach Spieka-Neufeld. Dort baut er, fast wie ein riesiges Lego, sein Restaurant Stück für Stück wieder zusammen. Der Grund für diesen Aufwand: Die heftigen Herbst- und Winterstürme mit ihren Sturmfluten könnten das Gebäude beschädigen. Doch im Frühjahr können die Gäste die Gezeiten in Homilius' "Ebbe-und-Flut-Restaurant" wieder hautnah erleben. Die Gezeiten bestimmen den Rhythmus - hier und überall an der See. Der Nordseereport widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe „Ebbe und Flut“ diesem Phänomen.

"Nicht weit bis zum Paradies"

Nach einem Tag sind die Container an Ort und Stelle - jetzt folgt die Feinarbeit in Spieka-Neufeld. Zehn Tage lang wird repariert, justiert und dekoriert, bis alles genau dort ist, wo Homilius und Ehefrau Marina es auch haben wollen. Die Saison kann kommen und die ersten einheimischen Gäste lassen dann auch nicht lange auf sich warten. Sie genießen die Zeit, in der sie in dem Lokal noch ein bisschen unter sich sind. Bevor die Touristen kommen. "Man sitzt hier mitten in Ebbe und Flut und  genießt den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein", schwärmt ein Gast. Hauptsächlich Fischgerichte werden serviert. Und Homilius selbst? Er steht hinter der Theke, zapft ein Bier und ist ganz in seinem Element, dort vor dem Deich. "Es kann von hier nicht weit sein bis zum Paradies", sagt er. Sechs Monate lang ist geöffnet - dann wird wieder eingeräumt und die Container Stück für Stück im Garten verstaut.

Mikado am Strand von Wangerooge

Verstaut, wenn auch offenbar nicht besonders sorgfältig, waren auch die Container, die ein paar Kilometer entfernt für viel Arbeit sorgen. Sie sind auf hoher See verlorengegangen und dann am Strand von Wangerooge angeschwemmt worden. Gleich an zwei Stellen treiben riesige Stahlkisten im Meer. Am Hafen von Wangerooge sieht es ein bisschen aus, als hätten zwei Riesen eine Partie Mikado gespielt: Die Container waren mit hochwertigem Bauholz beladen und die Bretter stapeln sich jetzt im Sand. Das wäre halb so schlimm, wenn nicht die Gefahr bestünde, dass Ebbe und Flut das ganze Holz und die massiven Container zurück ins Meer zerren würden. Und dort könnte das Treibgut schnell zu einer Bedrohung für Boote und Schiffe werden. Also müssen Profis ran: Christian Sonnemann und seine Crew sind vor Ort, um die Container zu bergen. Ein Knochenjob bei Minustemperaturen und Eisregen.

Auch bei Bergung der "Costa Concordia" im Einsatz

Zunächst, klar, muss das Wichtigste geklärt werden: Wo genau liegen die Container überhaupt? Dann kommt schweres Gerät zum Einsatz. Mit einem 30-Tonnen-Bagger und einem sogenannten Muldenkipper, also einem Kipplaster, machen sich Sonnemann und seine Mitarbeiter ans Werk. Die Überführung diese großen Bestecks ist ein logistischer Kraftakt. Das Problem: Sie müssen die Berge von Schrottholz beseitigen, bevor die Flut kommt. Außerdem droht eine Sturmflut – Eile ist gefragt. Doch die Mannschaft ist erfahren und lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. Auch an der Bergung der havarierten "Costa Concordia" haben sie schon mitgewirkt. Nach zwei Tagen ist die Aufgabe dann auch erledigt - doch es ist nur ein kurzes Durchschnaufen nach dem Einsatz auf Wangerooge. Denn auch vor Langeoog, Norderney und Spiekeroog sind längst Container, die von Bord des chinesischen Frachtschiffes stammen, angeschwemmt worden.

Delta-Werke für mehr Sicherheit im Zeeland

Der Kampf gegen die Elemente gehört in Zeeland in den Niederlanden sozusagen zur Folklore. Die Region liegt tiefer als der Meeresspiegel und wird deswegen regelmäßig von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Im Winter 1953 etwa starben hier 1.800 Menschen. Dieses Trauma ist noch heute greifbar: Heute sollen große Deiche und Sperrdämme, die sogenannten Delta-Werke, für Sicherheit sorgen. Die Autoren des Nordseereports haben sich diese Mal aus der Nähe angesehen - ebenso wie das traditionsreiche Duhner Wattrennen in Cuxhaven: Dort, wo Ebbe und Flut selbst den Renntag bestimmen, werden die Mitarbeiter des Organsiationsteams begleitet. Am Abend vor dem großen Tag hat der Sturm knapp 40 Pfähle umgeworfen, tiefe Löcher sorgen für Probleme auf dem Geläuf. Schaffen es Manfred Kamp und Dieter Sternhagen noch, die Strecke so zu präparieren, dass das Rennen stattfinden kann? Außerdem in der kommenden Sendung: Ein Spaziergang durch’s Watt mit einem der erfahrensten Wattführer von Juist und eine Stippvisite bei einer Kunstausstellung in Flandern, deren Künstler sich von den Gezeiten haben inspirieren lassen.

Weitere Informationen

Nordseereport

Mit einer vielseitigen Themenauswahl rund um die Nordsee überraschen die Moderatorinnen Laura Lange und Antje Wöhnke ihre Zuschauer. mehr

Leitung der Sendung
Andrea Lütke
Redaktionsleiter/in
Angela Sonntag
Produktionsleiter/in
Thomas Kay