Nordseereport

Architektur am Meer

Sonntag, 17. Dezember 2017, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 18. Dezember 2017, 01:40 bis 02:25 Uhr

Häuser auf den Farörer Inseln.

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Es war ein wahnwitziges Projekt: Von 1942 bis 1944 entstand der sogenannte Atlantikwall, der das damalige Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg vor Angriffen der Alliierten schützen sollte. 8.119 Bunker wurden an der Linie gebaut, die etwa 5.000 Kilometer lang ist und entlang der Küsten des Atlantiks bis hoch zur Nordsee führt. Das waren weit weniger als geplant: Ursprünglich sollten an der Strecke 15.000 Bauten entstehen. Reste dieser Bunker sind auch noch in den Dünen von Scheveningen, einem Stadtteil von Den Haag (Niederlande), zu finden. Zwei Historiker, Alexander Fokke und Jaques Hoogendoorn, sind im Sand auf die alten Mauern gestoßen. Im aktuellen Nordseereport dreht sich alles um die „Architektur am Meer“ – aus alten Tagen bis hin zur Neuzeit.

Reichsadler an der Wand

Fokke und Hoogendoorn haben bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt: Nur ein paar Meter weiter haben sie mit Helfern schon ein Exemplar aus den Dünen gebuddelt. Und dieser Bunker ist noch erstaunlich gut erhalten. Unterirdische Schlafräume für bis zu zwölf Soldaten, an den Wänden noch die Originalwegweiser  der Wehrmacht zur Panzerabwehrkanone und zu den Fluchtwegen. Ein Reichsadler hängt an der Wand – aber ohne Hakenkreuz in seinen Fängen. "Es ist sehr eng hier, dazu mussten die Soldaten die ganze Zeit warten", sagt Fokke. "Wir wollen es so renovieren, wie es im Krieg war. Es ist wichtig, das zu erzählen."

Nach dem Krieg zugeschüttet

Gemeinsam mit seinem Kollegen hat er Betten aus Holz angefertigt, damit Besucher einen Eindruck vom Leben in einem Bunker bekommen. Errichtet wurden die Bauwerke in der NS-Zeit meist von Zwangsarbeitern. Nach dem Krieg wurden sie oft einfach zugeschüttet und gerieten nach und nach in Vergessenheit . Gefördert wird die Arbeit von Fokke und Hoogendoorn von der Stiftung Atlantikwall. „Nun, wo es immer weniger Menschen gibt, die sich der Schrecken des Zweiten Weltkrieges erinnern, gewinnen die Bunkeranlagen in Den Haag und den Dünen von Scheveningen immer mehr an Bedeutung, um als historisches Denkmal und Gedenkstätte zu dienen“, heißt es auf der Website der Stiftung.

Schönheit von oben

Von der Westküste Europas geht es weiter nach Cuxhaven. Schönheit ist bekanntermaßen relativ -  und in Cuxhaven und im Nachbarort Duhnen auch eine Frage der Perspektive. Denn von oben, etwa vom bekannten Strandhochhaus Sahlenburg aus, ist der Blick über den Ort atemberaubend. Etwas anders sieht das allerdings aus, wenn der Gast sich von einem weniger hoch gelegenen Standort einen Überblick verschaffen will. Hochhäuser versperren die Sicht auf das größte Seebad der Nordsee, das vor etwa 200 Jahren von einem Hamburger Senator gegründet wurde.

Stadt mit vielen Gesichtern

Das, was in den 1970er- und 80er-Jahren noch als besonders fortschrittlich und attraktiv galt, stört heute manchmal. Doch Cuxhaven ist vielseitig. Neben den Betonklötzen, die Ende des 20. Jahrhunderts erbaut wurden, gibt es zum Beispiel auch Jugendstilvillen an der Grimmershörner Bucht oder das Wattenmeer-Besucherzentrum, das gerade erst einen Preis für seine Holzbau-Architektur gewonnen hat. Cuxhaven, die Stadt mit den vielen Gesichtern. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Bauweisen und Architektur am Meer entwickelt haben.

Weiße Staffelei für Stadtplaner

Das genaue Gegenteil ist dagegen in Helgoland zu bestaunen: eine echte Stadt aus den 1950er-Jahren. Und: Hier bleibt alles beim Alten - schlicht und einfach, weil das Seebad unter Denkmalschutz steht. Die Ausgangsbedingungen waren dramatisch: Nach einer gewaltigen Sprengung im April 1947 durch die britische Armee blieb die Insel fünf Jahre lang Sperrgebiet. Eine zerbombte Insel, auf der kaum noch ein Stein auf dem anderen stand. Ein Alptraum für die Insulaner – eine Art weiße Staffelei für Stadtplaner. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, ein modernes Seebad sollte entstehen.

Generalfarbplan für die Insel

Die Stadtplaner begannen mit der Arbeit. Es entstand eine moderne Planstadt mit echten Hinguckern. Asymmetrische Dächer etwa, eine windgeschützte Bebauung und ein ganz eigenes Farbkonzept, der sogenannte Generalfarbplan bestehend aus 14 Tönen. Die Häuser sind teilweise so angeordnet, dass ihre Dächer an Wellen erinnern, die an den Strand rollen. Doch nicht alles klappte auf Anhieb: Durch einige Fenster pfiff der Wind und durch die schrägen Fenster drang Regen ein.

Von Seebrücken und Container-Häusern

Außerdem sind die Autoren des Nordseereports in der aktuellen Ausgabe noch in Wales zu Gast und besuchen die viktorianische Seebrücke von Llandudno. Auf den Färöer Inseln wird das älteste Haus der Inselgruppe genau unter die Lupe genommen und zum Schluss stellt Architektur-Professor Han Slawik aus Hannover seine Idee vor: Bereits seit den 1980er-Jahren arbeitet er mit Containern und erbaut Häuser aus ihnen. Slawik ist ein Pionier der Containerarchitektur. Ein Team des Nordseereports zeigt die Entwicklung eines seiner Projekte.

Leitung der Sendung
Andrea Lütke
Redaktion
Angela Sonntag
Moderation
Laura Lange
Produktionsleiter/in
Thomas Kay