Nordseereport

Auf Grund gelaufen

Sonntag, 08. Juli 2018, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 09. Juli 2018, 01:40 bis 02:25 Uhr

Eine Gruppe im Watt. © NDR

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Willkommen auf dem Meeresboden! Was ein Cuxhavener Wattführer so süffisant seiner Gruppe entgegenruft, die knöcheltief im Schlick steckt, nimmt der Nordseereport diesmal ganz wörtlich: Es geht auf den Grund der Nordsee. Dabei dürfen Wanderungen durch den Nationalpark Wattenmeer natürlich nicht fehlen. Auch Moderatorin Laura Lange begibt sich auf eine ungewöhnliche Tour: Mit der Segeljacht "Gloriana of Faversham" fährt sie von Carolinensiel Richtung Harlesiel und Wangerooge, um dann - mitten in einem Priel - das Schiff zu verlassen und den Rest des Weges zur Insel zu Fuß zurückzulegen. Eine Tour, die man nur in Begleitung eines Profis unternehmen sollte, denn der Grund des Meeres, wenn auch gerade trocken gefallen, birgt jede Menge Gefahren.

Videos
05:28

Wattwandern: Willkommen auf dem Meeresboden

Wattführer Karsten Bronk führt eine Gruppe zu einer Seehundbank sieben Kilometer vor Cuxhaven-Duhnen. Der Profi kennt jeden Priel und orientiert sich zur Not auch mit dem Kompass. Video (05:28 min)

Auf dem Grund der Nordsee passiert Dramatisches

So berichtet der Norderneyer Georg Kampfer vom Unglück der englischen "Excelsior" 1866 im Juister Riff, einem bis heute gefährlichen Seegebiet im Westen und Norden der kleinen Ostfriesischen Insel. Sandbänke, Strömungen und gefährliche Wellen lassen damals wie heute einem auf Grund gelaufenen Schiff wenig Chancen, sich aus eigener Kraft zu befreien. Ein ähnliches Szenario wurde im Herbst 2017 auch dem Frachter "Glory Amsterdam" zum Verhängnis: Im Sturm treibt der vor Anker liegende Frachter auf eine Sandbank vor Langeoog und droht auseinanderzubrechen; tagelang sind die Insulaner in Sorge, Schweröl und Diesel könnten die Strände verunreinigen und die Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig schädigen. Der Nordseereport erzählt die bangen Tage auf der Insel nach und fasst den Stand der Ermittlungen zum Unglück zusammen.

Videos
03:50

Auch ein Seenotretter steckt mal fest

Das Juister Riff ist gefährliches Gebiet. Die Seenotretter müssen sich gut auskennen, damit sie im Ernstfall nicht auf Grund laufen. Erkundungsfahrten sind deshalb ein Muss. Video (03:50 min)

Hinein in die Gefahr, hinein ins Juister Riff

Damit im Ernstfall die Retter auch helfen können, ist es unabdingbar, dass sie sich in ihrem Terrain richtig gut auskennen. Sich nur auf moderne Navigation zu verlassen, wäre leichtsinnig, insbesondere im Wattenmeer, wo Gezeiten, Strömungen und Stürme den Meeresboden mit seinen Prielen, Sand- und Muschelbänken beständig neu formen. Wo Veränderung an der Tagesordnung ist, müssen Seenotretter wie Hauke Jansen-Visser und seine Mannschaft immer auf dem neusten Stand sein. Und das heißt auch, sich mitten ins gefährliche Juister Riff zu begeben - und im Dienste der Erkundung sogar mal ungewollt zu stranden.

Videos
01:08

Tauchgang in die Vergangenheit

Die Gezeitentaucher sind Unterwasser-Archäologen: Sie untersuchen unerkundete Wracks. Heute geht es zu einem gesunkenen Kriegsschiff - und 73 Jahre in die Vergangenheit. Video (01:08 min)

Auf der Suche nach versunkenen Schiffen

Den Meeresboden erleben kann man aber längst nicht nur beim Wattwandern oder wenn das eigene Boot gar auf einer Sandbank aufsetzt. Für Wracktaucher ist die Nordsee - eines der wrackreichsten Gewässer weltweit - ein lohnendes Tauchrevier. Denn in den beiden Weltkriegen sanken unzählige Kriegsschiffe, viele bis heute unentdeckt. Die Gezeitentaucher, allesamt Hobbytaucher mit besonderem Wissen in Unterwasserarchäologie, haben es sich zur Aufgabe gemacht, vor Norddeich versunkene Schiffe zu erkunden und zu identifizieren. Das Tauchen in der Nordsee ist keine einfache Angelegenheit und erfordert eine Menge Vorbereitung und Präzision. Wegen der starken Strömungen haben die Taucher meist nur ein Zeitfenster von einer Stunde je Tauchgang. Beim Übergang zwischen Ebbe und bei Flut gibt es einen kurzen Moment, in dem die Tide die Strömung umkehrt - das sogenannte Stillwasser. Um diesen Zeitpunkt herauszufinden, wird ein Strömungsmesser am Wrack platziert.

Kunst auf dem Meeresgrund

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Der Maler in seinem Bild: Gert Busser malt am liebsten im Watt.

Doch auch Poetisches bietet der Grund der Nordsee. Bei Ebbe wird das Wattenmeer zum Atelier für den niederländischen Maler Gert Busser. Vom Hafen Lauwersoog macht der Maler sich mit seinem Plattbodenschiff auf den Weg ins Watt, um im Schlick seinen Tisch samt Pinsel und Aquarellfarben aufzubauen. Seit jeher fasziniert von der See, wartet er auf den perfekten Moment, um das Zusammenspiel von Licht, Wolken und Watt einzufangen - nicht ohne der Küstenwache vorher Bescheid zu geben, dass der Wattmaler mal wieder draußen auf dem Meeresgrund arbeitet.

Leitung der Sendung
Andrea Lütke
Redaktionsleiter/in
Angela Sonntag
Produktionsleiter/in
Thomas Kay