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Meeresarm zwischen England und Wales - Der gewaltige Bristol Channel

Donnerstag, 05. November 2020, 20:15 bis 21:00 Uhr

Der Bristol Channel ist ein gigantischer Meeresarm an der Westküste Großbritanniens, er trennt und verbindet England und Wales. Eine ganz besondere Wasserwelt: Fischer bewegen sich auf "Holzpferden" durchs Watt, Wracks sichern das Ufer und die Insel Lundy hat ihre eigene Briefmarke.

Lotsen und Wellenreiter brauchen hier Nerven wie Drahtseile. Im Mündungsbereich des Flusses Severn herrschen bis zu 15 Meter Tidenhub. Wenn der Mond günstig steht, macht die zweitgrößte Gezeitenwelle der Welt alle Surfer*innen verrückt.

Surfen auf Gezeitenwellen

Steve King hält den Weltrekord auf der Severn Bore. 15 Kilometer hat er vor Jahren auf dem Surfbrett zurückgelegt, nonstop unterwegs auf einer wirklich wundersamen Welle. Die entsteht hier nur bei einer ganz bestimmten Mondkonstellation und rollt dann von der Mündung weit ins Landesinnere. Der Eisenbahningenieur aus Gloucestershire ist jedes Mal extrem aufgeregt, denn Routine kommt nicht auf bei diesem wahnsinnigen Surfwettbewerb. Und wenn Steve doch mal vom Brett fällt, heißt es: raus aus dem Wasser und rein ins Auto, um die Gezeitenwelle zu überholen und dann weiter zu surfen.

Eigene Briefmarken von Lundy

Lundy liegt vor der Küste von North Devon am Eingang des Bristolkanals. Gerade einmal 28 Menschen leben auf der Insel. Bei schlechtem Wetter sind sie oft tagelang komplett auf sich allein gestellt. Strom liefert ein Generator, aber immer nur bis Mitternacht. In einem kleinen Kaufmannsladen können sich die Menschen versorgen. Hinter dem Tresen steht Tina. Sie leitet auch das Postamt von Lundy und ist damit schwer beschäftigt. Bis heute nämlich hat die Insel das Recht, eigene Briefmarken herauszugeben. Und die halbe Welt hätte gern einen Stempel von Tina auf der exklusiven Marke. Fracht gelangt mit der betagten MS "Oldenburg" nach Lundy. Dank des geringen Tiefgangs von weniger als zwei Metern meistert Kapitän Jason Mugford mit der "alten Dame" auch die schwierigsten Anlegemanöver.

Wracks als Uferschutz

Paul Barnett ist neben einem riesigen Schiffsfriedhof aufgewachsen. Mehr als 70 ausrangierte Schiffe wurden zwischen 1909 und 1963 bei Purton versenkt, und das absichtlich: Die Wracks sollten der Erosion des Severn-Ufers entgegenwirken. Für Paul, damals ein kleiner Junge, waren sie einfach nur sein Spielplatz. Verrottet, mit Graffiti beschmiert, missachtet. Nach seiner Zeit als Seefahrer konnte Paul diesen Anblick nicht mehr ertragen. Seine ganze Freizeit widmet er nun der Rettung der Wracks: Anhand von Schrauben, Holzplanken und Konstruktionsweise identifiziert er unbekannte Schiffe. Durch seinen Einsatz hat ein erstes Wrack endlich Denkmalstatus bekommen.

Traditionelle Fischfang-Methoden

Nur ein- bis zweimal im Monat ist es möglich, "Mud horse"-Fischen zu gehen. Dafür spart Adrian Sellick seine Urlaubstage auf. Dann schiebt er die selbst gebaute Konstruktion, die an ein Holzpferd erinnert, eine Meile raus ins Watt und leert seine Reusen. Früher lebten viele Familien von dieser uralten Fangmethode. Doch das Atomkraftwerk hat die Fische vertrieben, sagt Adrian. Sein Vater Brendan hat ihm die Technik beigebracht, damals war er acht Jahre alt. Und Dad steht bis heute hinterm Tresen im eigenen Fischladen. Also macht Adrian weiter, auch für ihn.

Ohne die Lotsen gäbe es kein Leben am gigantischen Meeresarm. Seit mehr als 500 Jahren geleiten sie die Schiffe mit Fracht und Passagieren aus der Keltischen See durch den flachen Channel ins Innere der britischen Insel und wieder hinaus. Das Örtchen Pill ist die Wiege der Lotsen. Keine kennt ihre Geschichte so gut wie Lou Dixey. Auch sie stammt aus einer Familie von "Hobblern", wie die Lotsen hier genannt wurden. Bis heute lebt das ganze Dorf im Takt der Gezeiten.

Dank an:
National Trust, Devon
Canal & River Trust

Redaktionsleiter/in
Ralf Quibeldey
Autor/in
Michael McGlinn
Redaktion
Ralf Quibeldey
Kamera
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Schnitt
Maren Großmann
Ton
Stefan Tuchel
Mitarbeit
Karsten Wohlrab
Bildtechnik
Oliver Stammel
Tonmischung
Sascha Prangen
Sprecher/in
Philipp Schepmann
Sandra Kob
Clemens Gerhard
Volker Hanisch
Gerhart Hinze
Timo Kinzel
Elena Wilms
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke

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