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Per Schiff durch Kanadas Eisberg-Allee - Sommer in Labrador

Freitag, 02. Februar 2018, 13:15 bis 14:00 Uhr

In Labrador an der Ostküste Kanadas endet der Winter erst im Juli. © NDR/Matthias Wittkuhn, honorarfrei

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In Labrador, an der Ostküste Kanadas, endet der Winter erst im Juli. Monatelang hatte das Eis die kleinen Ortschaften fest im Griff. MareTV begleitet die Mannschaft des Versorgungsschiffes "Northern Ranger", dessen Ankunft schon sehnsüchtig erwartet wird. Die Passagier- und Frachtfähre ist für die entlegenen Küstensiedlungen in Labrador die einzige regelmäßige Verbindung zur Außenwelt. Lebensmittel, Sofas, Gelände-Quads - geladen wurde, was man zum Leben in der kanadischen Wildnis so braucht. Doch der Transport ist nicht einfach. Das Manövrieren eines Schiffes vor Labrador zählt zu den größten Herausforderungen für Seefahrer: Eisberge, starke Strömung und Felsen fordern Kapitän Scott Curtis und seine Crew.

Auch Winston Sheppard wartet schon sehnsüchtig auf die "Northern Ranger", denn im Gemüseregal seines Supermarktes liegen noch genau eine schrumpelige Paprika, ein welker Salatkopf und zwei gammelige Gurken. Den Winter über bekommt Winston frische Produkte ausschließlich per Flugzeug und wegen der hohen Frachtkosten bestellt er nur das Nötigste. Jetzt, im kurzen Sommer von Labrador, kann er endlich sein Lager füllen. Die Bürgermeisterin darf nach der Lieferung immer als erste einkaufen.

Die "Northern Ranger" wird umgekrempelt

Für die Passagiere war die mehrtägige Fahrt mit dem Versorgungsschiff bis vor kurzem ein äußerst karges Vergnügen mit Neonlicht, Fastfood und recht rauem Umgangston. Ray Lazure will das ändern. Der neue Chefsteward hat zuvor auf Kreuzfahrtschiffen in der Karibik gearbeitet. Nun ist er dabei, die "Northern Ranger" umzukrempeln - mit besserer Kabinenausstattung und persönlichem Service. Der neue Smutje kredenzt jetzt Lachs statt Pommes.

Die einzige regelmäßige Verbindung zur Außenwelt

Der Ort Makkovik hat gerade einmal 700 Einwohner. Dennoch wird hier ein großer Teil der Schneekrabben für den amerikanischen Markt produziert. Fast 300 Tonnen der bis zu über ein Kilogramm schweren Krustentiere aus eisigen Gewässern werden hier jährlich angelandet, gekocht und zerlegt. Die Schneekrabbenfabrik ist ein wichtiger Arbeitgeber. Eric nutzt die Krabbensaison, um sich sein Studium zu finanzieren. Den Sommer in Labrador verbringt er mit Kistenstapeln.

Empfang von der Inuit-Blaskapelle Nordamerikas

In Nain, dem Endpunkt der Reise, wird die Fähre feierlich mit einem Ständchen empfangen – von der einzigen Inuit-Blaskapelle Nordamerikas. Darlene Holwell und ihre acht Mitstreiter spielen nicht etwa Shantys sondern protestantische Kirchenmusik. Und das ist kein Zufall, sondern der Lauf der Geschichte. Im Jahre 1771 landeten deutsche Missionare von der Herrnhuter Brüdergemeine an Labradors Küste und gründeten die erste Siedlung. Die Bauteile für ihre Holzhäuser hatten sie an Bord und auch ihre Kirchenmusik. Dass nicht jeder Ton sitzt, ist den Musikanten egal: Es geht um Höheres, nämlich das kulturelle Erbe Ihrer Vorfahren.

Der kurze Sommer in Labrador hat aber auch seine Tücken und mit denen kämpft Robyn Fleming: Mitten im Gestrüpp, zwischen tausenden von Mücken, will sie mit ihrer Gruppe junger Archäologie-Studentinnen eine alte Inuit-Siedlung erforschen. Die Frauen haben inzwischen aufgerüstet, doch Ganzkörpernetze, Handschuhe und alle möglichen Sprays sind nicht gerade ideal für die filigrane Arbeit an der Grabungsstelle.

Autor/in
Steven Galling
Redaktion
Christian Kossin
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg

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