die nordreportage

Die Nordreportage: Arbeiten, wenn die Stadt schläft - Nachtschicht in Hamburg

Montag, 20. Januar 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 22. Januar 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

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Die Schweißperlen rinnen über Martin Zygmunts Stirn. Es ist heiß hier in der Kupferhütte von Aurubis - heiß und laut. Damit könnte Martin noch umgehen, doch jetzt droht auch noch ein Teil des gewaltigen Anodengießbands überzulaufen - tausende Grad heißes Kupfer würde sich dann in die Hütte ergießen. Martin muss schnell reagieren, die Gießvorrichtung abschalten. Geschafft, gerade noch rechtzeitig.

Es sind diese Momente, in denen Verfahrenstechnologe Martin hellwach sein muss - obwohl die Uhr vier Uhr morgens anzeigt. Martin arbeitet in der Nachtschicht. "Ich habe mich dran gewöhnt", sagt der 34-Jährige. Auch wenn er am Leben seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern in Nachtschicht-Wochen kaum teilhaben kann. Und auch, wenn er so komplett gegen seinen eigentlichen Biorhythmus anarbeiten muss.

René Dietrich arbeitet im Hafen

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HHLA-Containerbrückenfahrer René Dietrich (l.) erhält letzte Instruktionen vor Beginn der Nachtschicht.

Genauso René Dietrich, der nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt arbeitet. Gerade hat ein gewaltiges Containerschiff am HHLA-Terminal Burchardkai angelegt, darauf: 15.000 Container. Liegezeit kostet Geld, viel Geld. Deshalb muss René auf seiner 80 Meter hohen Containerbrücke Gas geben, mit dem riesigen Kran-Ausleger mitten in der Nacht im Akkord Container vom Schiff holen. "Meine Frau arbeitet auch im Schichtdienst", erzählt Rene. "So ein gemeinsames Leben hinzubekommen, das ist schon eine Herausforderung." Trotzdem würde er die Nachtschichten nicht aufgeben wollen. Weil sie gutes Geld bringen. Und weil die Nacht einfach eine ganz besondere Atmosphäre hat - gerade im Hafen, sagt René.

Nachtschicht in der Notaufnahme

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Beginn der Nachtschicht für Kinderkrankenschwester Yvonne Rieck im Altonaer Kinderkrankenhaus.

Nicht mit gewaltigen Maschinen wie Martin und René, sondern mit kleinen Menschen arbeitet Yvonne Rieck. Die 31-jährige Krankenschwester hat Nachtschicht in der Notaufnahme des Kinderkrankenhauses Altona. Von der Schnittwunde bis zur Beule, vom getrunkenen Putzmittel bis zum Beinbruch: Bei ihr landen all die kleinen und großen Notfälle, die die Kleinsten der Stadt in der Nacht erlitten haben. Zusammen mit den Ärzten ist Yvonne unter Daueranspannung: Welches Kind muss zuerst versorgt werden, wie beruhige ich das kleine Mädchen, das vor Bauchschmerzen die Notaufnahme zusammenbrüllt?

Martin, René und Yvonne sind als Nachtschicht-Arbeiter Teil einer gewaltigen Parallelwelt. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen nachts. Dann, wenn alle anderen es sich zu Hause gemütlich machen, noch eine Serie im Fernsehen schauen, schlafen oder auch Feiern gehen.

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Van Carrier stehen bereit, um die entladenen Container in das Containerlager zu bringen.

Was macht die Nachtschicht mit den Menschen? Und was machen die Menschen mit ihrer Nachtschicht? Wir begleiten die drei Nachtarbeiter in der Großstadt Hamburg bei ihrer Nachtschicht und zeigen, wie sie nicht nur bei Dunkelheit und gegen die Müdigkeit ihre harte, verantwortungsvolle und teilweise gefährliche Arbeit bewältigen müssen, sondern dafür auch noch ihr Familienleben und ihren eigenen Biorhythmus komplett auf den Kopf stellen und auf Nachtarbeit umorganisieren. Und wir zeigen, warum sie trotz allem ihren Job lieben.

Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Birgit Schanzen
Autor/in
Ole Neugebauer