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Die Zins-Tricks der Sparkassen

Montag, 13. Januar 2020, 22:00 bis 22:45 Uhr

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Seit der Bankenkrise 2009 gelten sie als besonders seriös. Sparkassen und Volksbanken haben deshalb inzwischen mehr Umsatz als Deutsche Bank und Commerzbank zusammen. Doch die Kundenklagen häufen sich. Und mehr noch: Es gibt zahlreiche Geschädigte, die über viele Jahre hohe Zinsschäden zu beklagen haben. Experten beziffern die Schadenssumme auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Was ist da auf den Konten los?

Banken geben Zinsveränderungen nicht weiter

Der niedersächsische Landwirt Johann G. ist einer der Geschädigten der Sparkasse. Er ist um über 200.000 Euro geprellt worden. Ein Oberlandesgericht hat ihm Recht gegeben und Rückzahlung verordnet. Der mutmaßliche Trick der Sparkasse ist simpel: Zinsveränderungen werden nicht sofort an den Kreditnehmer weitergegeben, so wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Es kann jeden treffen, beim Dispokredit etwa, bei Konsumkrediten und sogar beim Sparkonto.

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Besonders oft passiert das bei kurzfristigen Überziehungskrediten, dem Standardgeschäft von Mittelständlern. Die eine Rechnung, die noch schnell beglichen werden muss, und ein Kunde hat noch immer nicht gezahlt, schon ist das Konto überzogen. Klingt nach einer Petitesse, ergibt aber einen Riesenschaden: Denn auf jeden Zinsbetrag im Minus zahlt man Zinseszins.

Schaden in Milliardenhöhe

"Der Volkswirtschaft können durch Falschberechnungen der Sparkassen jährlich mehrere Milliarden Euro an Schaden entstehen", sagt Hans-Peter Schwintowski, Professor für Bankrecht an der Humboldt-Universität Berlin. Kreditsachverständiger Hans Peter Eibl stimmt zu. Er beschäftigt sich mit mutmaßlichem Zinsbetrug durch Sparkassen und Volksbanken, rechnet seit 1988 Konten nach. "Ich habe Konten für rund 1.000 Klienten geprüft. Und kann sagen: Bei den Sparkassen beträgt der Schaden im Durchschnitt pro Fall 170.000 Euro. Das ist Wahnsinn, das kann Unternehmen vernichten." Die verklagten Banken bestreiten systematische Tricksereien. Es handele sich um Einzelfälle.

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Zusammen mit Hans Peter Eibl trifft das Filmteam vom Nord-Ostsee-Kanal bis nach Karlsruhe auf Kunden, die ihre Sparkasse verklagen. Die fassungslos darüber sind, wie die öffentlich-rechtliche Bank mit ihnen umgesprungen ist: Reinhard und Thomas K., die eine familiengeführte Werkstatt besitzen, klagen auf 235.000 Euro Schadenersatz. Alexander G., der einen Pflegedienst betreibt, reklamiert 25.000 Euro an Schadenersatz. Und Gerhard S., ehemaliger Geschäftsführer eines Betriebes mit 90 Arbeitsplätzen: Sein Schaden durch diverse Banken belaufe sich auf eine Million Euro, sagt er. Mit fatalen Folgen: Die Firma musste Insolvenz anmelden, die Arbeitsplätze sind weg.

Nur ein einziges Konto mit korrekt berechnetem Zins

"Das ist leider normal", sagt Eibl. "Ich habe in 30 Jahren nur ein einziges Konto erlebt, bei dem Zins und Zinseszins korrekt berechnet wurden. "Laut BGH und laut der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Sparkassen sind verspätete Zinsanpassungen nicht erlaubt", sagt Prof. Schwintowski. Dennoch gibt es bundesweit Sparkassen, die offenbar so weitermachen. Und manche offensichtlich häufiger als andere. Wie kann das sein?

Ein Film über wütende und enttäuschte Kunden. Und über Banken, die eigentlich für sie da sein müssten, aber genau das Gegenteil tun.

Redaktion
Jochen Graebert
Regie
Fabian Sabo
Autor/in
Fabian Sabo
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg