45 Min

Das Geschäft mit kranken Pferden

Montag, 03. Februar 2020, 22:00 bis 22:45 Uhr

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Viele Pferdebesitzer wünschen sich für ihre alt gewordenen Tiere einen schönen Ruhestand. Doch in Norddeutschland treiben dubiose Pferdehändler ihr Unwesen. So versprach ein Pärchen zahlreichen Pferdebesitzern einen schönen Ruhestand für ihre Tiere auf einem Pferdehof. Angeblich würden die Pferde ihren Lebensabend auf "Deichwiesen" genießen können. Dazu übernahm das Pärchen die Pferde für einen symbolischen Euro mit einem sogenannten Schutzvertrag.

Betrügerische Pferdehändler im Norden

Doch dann kam alles anders: In mindestens 60 Fällen wurden die so billig erworbenen Tiere einfach weiterverkauft und zu Geld gemacht: einige als Reitponys, obwohl sie krank und eigentlich nicht mehr reitbar waren, andere landeten im Schlachthof. "Das haben wir so nicht gewollt und so nicht vereinbart", meint Beate Landwehr. Sie hat viele Betroffene dieses Betrugs recherchiert und Strafanzeige erstattet. Auch mehrere Zivilklagen an norddeutschen Gerichten sind deshalb anhängig.

Todkranke Pferde als Reittiere verkauft?

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Jeder Pferdepass in Europa ist ein amtliches Dokument: Eintragungen in ein Register und Kontrollen der Papiere erfolgen hier, bei der Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf.

In einem anderen Fall verkauft ein Händler in Südniedersachsen kranke und alte Tiere als angebliche Sportpferde. Zahlreiche Opfer des Händlers haben sich bereits im Raum Bad Bentheim zu einer Interessens- und Schicksalsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sandra und Johann Redenius aus der Nähe von Leer kauften für 1.200 Euro einen Schimmel bei dem Händler.

Sie freuten sich über das tolle Geschäft. Doch schon nach wenigen Tagen stellte sich heraus: Das Pferd war eigentlich todkrank. Sie gaben mehrere Tausend Euro für Arzt- und Klinikbehandlungen aus, vergebens. Nach wenigen Wochen mussten sie ihr neu erworbenes Pferd einschläfern lassen. "Es war viel älter, als in den Papieren angeben: Statt 14 Jahren war es laut ärztlichem Gutachten mindestens 20 Jahre alt", berichtet Johann Redenius. Sein Geld bekam er bis heute nicht zurück.

Kein Einzelfall. Viele Tiere des Händlers überlebten nur wenige Wochen oder Monate. Wer die Tierpässe, die in diesen Fällen meist aus dem europäischen Ausland kamen, manipuliert hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt seit einigen Wochen umfangreich wegen Betruges.

Aktuelle Entwicklung nach der Sendung: Am 6. Februar 2020 erreichte die Redaktion von 45 Min ein Brief des Pferdehändlers in Bad Bentheim. Darin kündigt er zusammen mit seiner Ehefrau an, den Pferdehandel auf dem Bauernhof in Bad Bentheim sofort einzustellen. Zudem meldete er sich telefonisch bei Betroffenen und  versicherte ihnen, dass er sie finanziell in Ratenzahlungen entschädigen wolle. Doch dies sei leider nicht sofort möglich. 45 Min bleibt dran, um zu beobachten, ob diese Ankündigungen ernst gemeint sind.

Redaktionsleiter/in
Kathrin Becker
Redaktion
Kuno Haberbusch
Autor/in
Michael Nieberg
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg