Mongolei - Zwischen Jurte und Megacity

Samstag, 27. Juni 2020, 13:15 bis 14:00 Uhr

Fast jeder, der in die Mongolei reist, kommt in Ulaanbaatar an. Das Filmteam taucht ein in das hektische Leben der Hauptstadt, in der alte mongolische Traditionen auf moderne Großstadtmenschen prallen.

Vermittler zwischen Geisterwelt und modernen Leben

Tsogbajr und seine Frau Zolzaja sind Anfang 30, haben zwei Kinder und scheinen ein ganz normales modernes Stadtleben zu führen. Tsogbajr arbeitet als Verkäufer in einem Geschäft für Autozubehör. Doch neben seinem normalen Job geht er einer besonderen Berufung nach: Tsogbajr ist Schamane. Vor ein paar Jahren hat er seine Fähigkeit entdeckt, Kontakt zu seinen Ahnen aufnehmen zu können. Seither versteht er sich als ein Vermittler zwischen der traditionellen Geisterwelt und dem modernen Leben.

Opfergaben für Ovoos

Dann geht es hinaus in die endlose Weite der mongolischen Steppe. Schon beim ersten Ovoo wird gestoppt. Ovoos sind Steinhaufen, die als Glücksbringer für Reisende dienen. Man erkennt sie meist schon aus der Ferne, denn sie sind mit blauen Bändern geschmückt, die im Wind flattern. Sie sind die Wohnsitze der örtlichen Götter oder Geister. Und ihnen sollte man besser die Ehre erweisen: Man umrundet den Ovoo dreimal und hinterlässt ihm eine kleine Opfergabe, zum Beispiel Geld, Bonbons oder auch abgenagte Knochen.

Besuch in einem Jurtencamp

Dann folgt der Besuch in einem Jurtencamp, das von einer Nomadenkooperative betrieben wird. Hier gibt es die einzige Nomadenbibliothek des Landes, untergebracht in einer Jurte, dem landestypischen Nomadenzelt. Auf dem Land leben die Nomaden fast immer noch genauso traditionell wie schon seit Jahrhunderten. Zwar müssen sie nicht auf Handy und Satellitenfernsehen verzichten, doch sie ziehen wie eh und je mitsamt ihren Ziegen- und Schafherden im Rhythmus der Jahreszeiten vom Sommer- ins Winterlager und wieder zurück. Doch die Verlockungen der Städte sind groß, deshalb entscheiden sich immer mehr Nomaden für ein modernes und vermeintlich besseres Leben in festen Häusern.

Die alte Königsstadt Karakorum

Die nächste Station ist die alte Königsstadt Karakorum. Hier steht ein Besuch der Erdene Zuu an, die bedeutendste Klosteranlage der Mongolei. Die Sowjets haben fast alle buddhistischen Heiligtümer in der Mongolei zerstört, aber Erdene Zuu wurde in den 1990er-Jahren wieder aufgebaut. Und nun sorgt der Ober-Lama des Klosters dafür, dass hier wieder nach den alten buddhistischen Regeln gelernt und gelebt wird.

Tiere vor der Singenden Sanddüne in der Wüste Gobi. © NDR/SR/Burkhard Vorländer
Tiere vor der Singenden Sanddüne in der Wüste Gobi.
Ein sagenhafter Ort

In der Wüste Gobi trifft das Filmteam den Saurierforscher Tumendelger Khumbaa. In Shar Tsav, einer riesigen, rot leuchtenden Lehmfelsformation, wurden in den 1920er-Jahren Eier von Sauriern gefunden, damals eine Sensation. Bis heute ist es ein sagenhafter Ort, in dem man in die Welt der Saurier eintauchen kann. Wenn es in der Gobi regnet, werden oftmals Jahrmillionen alte Knochen freigespült. Allerdings regnet es dort ziemlich selten.

Galsan Tschinag - Oberhaupt des Tuva-Stammes

Galsan Tschinag ist nach Dschingis Khan der wohl bekannteste Mongole in Deutschland. Galsan Tschinag ist das Oberhaupt des Tuva-Stammes im Altai-Gebirge und hat zur Zeit der sowjetischen Unterdrückung in Jena studiert. Dabei hat er so gut Deutsch gelernt, dass er seine poetischen Bücher über das Leben in der Mongolei sogar auf Deutsch verfasst. Neben der Literatur hat Galsan Tschinag eine weitere Leidenschaft: Er hat sich in den Kopf gesetzt, in der Mongolei eine Million Bäume zu pflanzen. Denn in den vergangenen Jahrzehnten haben die Mächtigen die Waldbestände rücksichtslos abgeholzt und gewinnbringend exportiert. Das Filmteam besucht den Poeten in seinem Gewächshaus in Ulaanbaatar.

Autor/in
Burkhard Vorländer
Kamera
Philip Birkenstock
Schnitt
Yvonne Jeck
Ton
Frederick Schiller
Redaktion
Kerstin Woldt
Redaktionsleiter/in
Ralf Quibeldey

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