Gestern war alles normal

Schule in der Coronakrise

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 12. August 2020, 00:00 bis 00:30 Uhr
Samstag, 22. August 2020, 13:15 bis 13:45 Uhr

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Hamburg, 25. Mai 2020. Es ist endlich so weit: die Türen der Stadtteilschule Mümmelmannsberg öffnen nach fast drei Monaten Schließung. Unterricht für alle unter strengen Auflagen und nur einmal pro Woche. Ein Schritt zurück in die Normalität. Aber was bedeutet Normalität in einer Zeit, die weiterhin von Unsicherheit geprägt ist? Für junge Menschen, deren Zukunft sowieso aus Fragen besteht? Aus Träumen? Und Ängsten?

Nicht an Schulschließung geglaubt

"Es ist ein Stück Normalität. Auch, wenn an normalen Unterricht im Moment nicht zu denken ist", sagt der Lehrer Michael Stockhammer. Sie machen Morgenrunden und fragen die Schülerinnen und Schüler, wie es ihnen geht. "Die erste Woche war richtig schlimm. Ich bin um zwölf Uhr aufgestanden, habe nichts gegessen. Ich konnte nichts essen, irgendwie." Julia ist 13 Jahre alt und geht in die 7. Klasse der Stadtteilschule Mümmelmannsberg. Sie dachte nicht, dass die Schule schließen würde. Am Anfang hatten sie in der Klasse noch Scherze gemacht. Doch dann kam alles anders. Völlig unerwartet. Jetzt freut sie sich auf ihre Hip-Hop-Tanzstunden, erzählt sie in der Klasse.

Plötzlich war da Corona

Fariha ist trotz des wenigen Unterrichts nicht langweilig. Zwischen ihren Hausaufgaben hilft sie viel zu Hause und unterrichtet auch noch ihren Bruder. "Ich habe mich richtig traurig gefühlt. Ich hatte Pläne, dass ich mich in der Schule verbessere, aber es hat alles nicht geklappt." Fariha wollte loslegen, um ihrem Traum Präsidentin von Afghanistan zu werden, etwas näher zu kommen. Und dann war da plötzlich Corona.

Kann man überhaupt noch raus?

Lukas war fast jeden Tag mit dem Fahrrad draußen. Er wollte es genießen, so lange es noch möglich war. "Man wusste ja nicht, ist man dann bald zwei Wochen in Quarantäne oder nicht? Oder kann man dann noch überhaupt raus?"

Eine Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt die Auswirkungen der Coronakrise für Kinder und Jugendliche deutlich. 70 Prozent der Befragten fühlen sich seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen.

Julia, Fariha und Lukas, sie alle haben die Coronazeit unterschiedlich erlebt. Aber die vergangenen Wochen haben etwas mit ihnen gemacht. Die Videojournalistin Alexandra Bidian war mit ihrer Kamera dabei, als die Türen der Schule wieder geöffnet wurden. Der NDR Kurzdokumentarfilm begleitet Julia, Fariha und Lukas in den vier Wochen zwischen Wiedereröffnung der Schule und Sommerferien.

Autor/in
Alexandra Bidian
Redaktion
Timo Großpietsch
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber