Parchim International

Mittwoch, 03. Mai 2017, 00:00 bis 01:30 Uhr

Die Geschichte klingt zu unglaublich, als dass sie wahr sein könnte. Und doch ist sie wahr. Es ist die Geschichte von einem chinesischen Investor, der davon träumt, mitten in Mecklenburg-Vorpommern ein Drehkreuz für den internationalen Flugfrachtverkehr entstehen zu lassen. Jonathan Pang, der Investor aus Fernost, will aus dem brachliegenden Flughafen in Parchim eine europäisch-asiatische Drehscheibe für den Flugfrachtverkehr machen. Kann das funktionieren?

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Herr Pang hat große Pläne mit Parchim.

Der preisgekrönte Film "Parchim International" zeigt, wie Herr Pang versucht, seinen Traum von einem Airport in der mecklenburgischen Provinz zu realisieren.

Verlockende Versprechungen

Die Filmemacher Stefan Eberlein und Manuel Fein haben Pang über einen längeren Zeitraum begleitet, ihm bei seinem Kampf mit der deutschen Bürokratie zugeschaut und sich seine Visionen erklären lassen.

Als Herr Pang dem Landkreis Parchim den alten Militärflughafen abkauft, liegt der Flughafen bereits 17 Jahre brach. Die Arbeitslosenquote in der Gegend ist hoch, die Versprechungen des Investors: verlockend für die Kommunalpolitiker. "Ich bin ein Parchimer", verkündet der Chinese stolz. Doch bald muss er feststellen, dass alles nicht so einfach ist, wie er sich das gedacht hat. Die deutsche Bürokratie baut zahlreiche Hindernisse auf.

Flughafen Parchim

Der Flughafen Parchim war in den 1930er-Jahren Luftwaffenstützpunkt der Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte ihn die Sowjetische Armee als Militärstützpunkt. Nach deren Abzug lag der Flughafen viele Jahre brach. Seit einigen Jahren befindet sich das Gelände in Besitz des chinesischen Investors Jonathan Pang. Seine Vision ist es, den Regionalflughafen auszubauen und als internationales Drehkreuz für den Waren- und Personenverkehr aus Asien, Europa und Afrika zu etablieren.

Pang verspricht neue Arbeitsplätze

Dafür hat er Werner Knan. Werner Knan kommt aus Bayern und berät Herrn Pang. Er hat das Telefon ständig am Ohr und diskutiert mit Kommunal- und Bundespolitikern über Vorschriften zur Kampfmittelfreiheit. Er begleitet den Flughafenchef zu Vorträgen, Geschäftsessen und Terminen mit der Bundestagsabgeordneten von Parchim und wirbt für das Megaprojekt. Zehntausend neue Arbeitsplätze werden entstehen, Hunderte Flieger werden auf dem Rollfeld starten und landen.

Tragikomödie mit bitteren Einblicken in den Kapitalismus

Im krassen Kontrast zum Programm des hyperaktiven Mannes aus China stehen das geruhsame und stoische Treiben der Gemeinde Parchim. Nahezu romantisch mutet der Kontrollturm auf dem leeren Flugplatz an, wenn der Lichtkegel mit dem Vollmond um die Wette strahlt. Von dem Turm aus blickt man über weite Felder, sieht Hasen übers Rollfeld hoppeln und Vögel ihre Kreise ziehen.

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Hier sollte die Zukunft starten: Der Flughafen Parchim International.

Ein Provinzflughafen wird zum Brennpunkt der Globalisierung, als Wunschmaschine, in die jeder seine Träume hineinprojiziert. Die einen hoffen auf fette Gewinne, die anderen auf einen festen Arbeitsplatz. Das Aufeinandertreffen der Lebenswelten und Glaubenssysteme wird als Tragikomödie mit teilweise bitteren Einblicken in die Realität des Kapitalismus erzählt.

"Parchim International" hat bereits mehrere Preise gewonnen

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Der Film gewann bereits mehrere Preise, unter anderem den Publikumspreis beim Münchner Dokumentarfilm-Festival DOK.fest.

Der Film "Parchim International" hat auch auf zahlreichen Filmfestspielen das Publikum und die Preisjurys überzeugen können. So gewann der Film den Publikumspreis beim Münchner Dokumentarfilm-Festival, im November 2016 erhielt der Film in der Kategorie "Dokumentarfilm" den Deutschen Regiepreis. Auch beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern ließ der Film in der Kategorie "Dokumentarfilm" seine Konkurrenten hinter sich und wurde ausgezeichnet.

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Produktionsleiter/in
Daniel Buresch
Autor/in
Stefan Eberlein
Regie
Stefan Eberlein
Autor/in
Manuel Fenn
Regie
Manuel Fenn
Redaktion
Eric Friedler
NDR Logo
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