Collage: drei junge Menschen vor einem Holzherz mit dem Wort Jugendland. © NDR

Zwischen Drogen und Resignation: Junge Erwachsene auf dem Dorf

Stand: 14.12.2020 19:37 Uhr

Die Miniserie "Jugendland" porträtiert junge Menschen, die im Dorf geblieben sind, anstatt für eine Ausbildungsstelle in die Stadt zu ziehen.

Womit verbringen junge Erwachsene auf entlegenen Dörfern ihre Zeit, wenn sie nicht mehr zur Schule gehen, aber auch keine Ausbildung machen? Timo, René und Sarah sind alle gerade volljährig geworden, leben irgendwo in Niedersachsen und passen nicht ins Raster: Während die meisten Gleichaltrigen im Ort bereits für eine Ausbildungsstelle in die Stadt gezogen sind, verbringen die drei ihre Zeit noch immer auf dem Dorfplatz oder in der nahegelegenen Kiesgrube. Doch dabei bleibt es nicht: Sie begehen Straftaten und nehmen Drogen. Der Doku-Dreiteiler "Jugendland" erzählt ihre Geschichte.

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Neue Perspektive auf das Leben junger Leute auf dem Land

Fast zwei Jahre lang hat Produzent Christoph Heymann die jungen Erwachsenen für "Jugendland" mit der Kamera begleitet. Dabei führt er sie nicht vor, sondern gibt ihnen viel Raum, um sich selbst und ihre Sicht auf die Welt darzustellen. "Einfach mal hingehen und schauen, was los ist", beschreibt Heymann seine Herangehensweise.

So viel geschwiegen auf einem Dreh, habe er bisher noch nie. Der Produzent sei nicht, wie sonst üblich, mit einer festen Frage losgegangen, sondern habe einfach Zeit mit der Dorfjugend verbringen und ihnen bei ihrem Alltag zuschauen wollen. Dadurch gibt er den Zuschauerinnen und Zuschauern die Möglichkeit, einen unverfälschten Blick in Lebenswirklichkeiten zu bekommen, die den meisten sonst verschlossen bleiben. "Jugendland" soll eine neue Perspektive auf das Leben junger Erwachsener auf dem Land bieten.

Jung, ohne Wohnung und vorbestraft

Christoph Heymann und sein Kameramann haben René an einer Bushaltestelle kennengelernt. Vor der Kamera brüstet sich der junge Mann mit seinen Vorstrafen. Und da gibt es einige. Ein Gericht hat ihn erst kürzlich wegen Einbruch, Körperverletzung und Drogendelikten zu vier Jahren auf Bewährung verurteilt. Nun darf er sich keine weiteren Fehltritte erlauben, sonst droht ihm eine Gefängnisstrafe, sagt er. Da er wohnungslos ist, übernachtet René aktuell bei seinem Freund Timo. Aus ihrem Drogenkonsum machen sie auch vor der Kamera kein Geheimnis.

"Wenn man die richtigen Leute kennt, dann kriegt man alles", prahlt Timo, der sich eigentlich vorgenommen hat, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Momentan ist er arbeitslos und verdient sich ein Taschengeld durch kleinere Arbeiten bei seiner Großmutter. Die fordert ihren Enkel auf, endlich eine vernünftige Lehre zu machen. "Denn dumm ist er nicht", ist sich die Oma sicher. Nur: "Er muss aufhören, bis Mittag im Bett zu liegen und dann statt zu frühstücken, Fischstäbchen zu essen."

Wie viel Schuld trifft die Eltern?

Das Jugendamt hat Sarah mit sechs Jahren ihren Eltern weggenommen.
Das Jugendamt hat Sarah mit sechs Jahren ihren Eltern weggenommen.

Den Jugendlichen ist durchaus bewusst, wie ihre Lebensführung für manche erscheinen muss. "Die denken halt immer so: 'Boah, das sind Asis', aber ganz ehrlich, diese Menschen, die haben halt wirklich schlimme Sachen durchgemacht", sagt Sarah, die sechs Jahre alt ist, als das Jugendamt sie von ihren Eltern trennt. Erst lebt sie in einer Pflegefamilie, später in einer Wohngruppe. "Meine Mutter ist halt drogenabhängig", sagt sie und Kinder könnten sich ihre Eltern nicht aussuchen.

"Jugendland" ist dabei, wenn sich das Leben vom Jungsein zum Erwachsenwerden verändert. Der Doku-Dreiteiler erzählt vom Kampf um Anerkennung und dem Ziel, endlich auf eigenen Füßen zu stehen.

Dieses Thema im Programm:

Doku & Reportage | 15.12.2020 | 09:00 Uhr

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