Stand: 26.04.2021 13:53 Uhr

Kurzzeitschwester: Auf der Suche nach Vanessa

Ein kleines Mädchen mit Brille schaut in die Kamera. © Philipp Lippert / DRIVE beta GmbH
Vanessa war für kurze Zeit die Schwester des Dokumentarfilmers Philipp Lippert. Heute, 17 Jahre später, versucht er sie zu finden.

Stell' dir vor, du bist sechs Jahre, du hast eine kleine Schwester und von einem auf den anderen Tag ist sie verschwunden. In deiner Familie wird seitdem nicht mehr über sie gesprochen. 17 Jahre lang. So erging es dem jungen Dokumentarfilmer Philipp Lippert mit seiner Pflegeschwester Vanessa. Sie wurde zum Tabuthema. Auch er hat jahrelang nicht gefragt, was damals passiert ist. Bis sich Philipp schließlich auf die Suche nach Erklärungen und nach Vanessa begibt und Fragen stellt: Warum ist Vanessa damals verschwunden? Und was ist aus ihr geworden?

Familienleben mit Urlaubensreisen, Karneval und Großvater

2002 ist Philipp fünf Jahre alt, seine Schwester Vanessa vier. Sie spielen zusammen, streiten zusammen, laufen Händchen haltend durch den Garten. Sie sind Geschwister und doch irgendwie nicht, denn Vanessa ist als Pflegekind in die Familie gekommen: Die Kinder verbringen gemeinsame Urlaube in Frankreich, feiern Karneval mit den Eltern, basteln mit dem Großvater - bis zu dem Moment, in dem Vanessa plötzlich aus Philipps Leben verschwindet.

Das Sprechen über das abgegebene Pflegekind wird zum Tabu

Genaueres weiß der heute 24-Jährige nicht. Das Thema wurde zum Tabu in seiner Familie, denn Vanessa wurde nach zweieinhalb Jahren in der Familie wieder abgegeben - entgegen aller guten Vorsätze der Familie, Vanessa bei sich aufwachsen zu lassen.

Alle Folgen auf einen Blick:

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Philipp und Vanessa wachsen auf wie Geschwister. Doch mit 6 Jahren verschwindet Vanessa plötzlich aus Philipps Leben. © NDR/DRIVE beta GmbH/Philipp Lippert

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Szene aus Kurzzeitschwester: Auf einer Bank in der Natur aufgenommenes Familienfoto der Eltern des Autoren mit der kleinen Adoptivtochter. © NDR/DRIVE beta GmbH/Philipp Lippert

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Eine Art Familientreffen auf dem Sofa: von links nach rechts: Autor Philipp Lippert, seine Pflegeschwester Vanessa, seine Mutter und sein Vater. Sie schauen gemeinsam ein Fotoalbum an und lächeln. © NDR/DRIVE beta GmbH/Philipp Lippert

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Auf den Spuren eines Familien-Traumas

In "Kurzzeitschwester" begibt sich Philipp Lippert 17 Jahre nach Vanessas Verschwinden auf die Spuren seiner Familiengeschichte. Er versucht, die Beweggründe zu verstehen, warum seine Eltern Vanessa damals zurückgegeben haben. In intensiven und emotionalen Gesprächen arbeitet Philipp die Familiengeschichte mithilfe seiner Eltern und Großeltern auf. Dabei begegnet er den Traumata seiner Eltern und erfährt zum ersten Mal von ihren (Selbst-)Vorwürfen und Ausflüchten - und ihrer Angst vor Kritik von außen.

"Kurzzeitschwester" zeigt seltene und intime Einblicke in das soziale Konstrukt Familie: Es geht um generationsübergreifende Traumata, unterbewusste Wünsche, Schuldgefühle und Versagensängste. Und um Philipps großen Wunsch, seine eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten und Vanessa nach all den Jahren wiederzufinden. Wird es ihm gelingen?

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Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Söhnen sitzt unter einigen Kissen. © imago images Foto: photothek

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01.06.2021 | 00:00 Uhr

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