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In Schwerin steht eines der bekanntesten Schlösser Deutschlands: ein Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert auf einer kleinen Insel im See. Malerischer geht es kaum. Mit seinen vielen Türmchen und Verzierungen wirkt es wie ein Märchenschloss.
Dennoch herrscht hier längst kein Fürst mehr, denn seit dem Ende der Monarchie 1918 gehört das Anwesen dem Staat. Nach der Wende in der DDR zog der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern in das Schloss ein. In einem Teil des Gebäudes bewahrt ein Museum die einstige Pracht der adligen Besitzer. Es zeigt auf drei Etagen die fürstlichen Wohnräume und Festsäle wie den Thronsaal oder die Ahnengalerie. An den Wänden hängen kostbare Gemälde, auf den edlen Fußböden stehen Skulpturen, beides überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. An Wänden und Decken dominieren Holztöne, Dunkelrot und Gold. Zusätzlich zeigt eine Sammlung mit etwa 380 Stücken die Geschichte des Porzellans anhand von Figuren und Geschirren.
Eine Besonderheit des Komplexes ist die Schlosskirche. Sie entstand bereits um 1563 als erster protestantischer Kirchenbau in Mecklenburg. Beim Neubau des Schlosses im 19. Jahrhundert wurde sie um einen Choranbau mit mehrfarbigen Glasfenstern erweitert und in das Schloss integriert. Von außen erkennen Besucher das Gotteshaus an der Nordseite des Gebäudes an dem Glockenturm und dem Choranbau. Seit 2011 wird die Kirche umfassend saniert und soll voraussichtlich zu Pfingsten 2013 wieder öffnen.
Erster Hausherr des Schweriner Schlosses war 1857 Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Er hatte bedeutende Baumeister seiner Zeit unter Leitung von Hofbaurat Georg Adolph Demmler versammelt, um die üppige Residenz des Fürstenhauses errichten zu lassen. Sie schufen ein Gebäude im Stil der Neorenaissance und orientierten sich dabei unter anderem an französischen Schlössern an der Loire. Der Standort des Schlosses ist eng mit der Geschichte der Stadt Schwerin verbunden. Seit der Zeit der Slawen vor mehr als 1.000 Jahren standen dort, am Südwestufer des Schweriner Sees, verschiedene Festungen, Burgen und Schlösser.
Nachdem Großherzog Friedrich Franz IV. im Zuge der Novemberrevolution in Deutschland abgedankt hatte, beherbergte das Schloss zunächst Ausstellungen des Landesmuseums, nach dem Zweiten Weltkrieg den Sitzungssaal des Mecklenburgischen Landtags, eine Ausbildungsstätte für Erzieherinnen sowie verschiedene Museen. Nach der Wende wurde das Gebäude jahrelang aufwendig restauriert und strahlt seit 2009 wieder in alter Pracht in Gelb- und Goldtönen.
Vom oberen Gang der Orangerie reicht der Blick kilometerweit bis an das gegenüberliegende Ufer des Schweriner Sees.
Natürlich darf einem so repräsentativen Schloss ein entsprechender Garten nicht fehlen. Da auf der Schlossinsel nur wenig Platz war, beschränkten sich die Bauherren auf einen kleinen aber vielfältigen Garten. Mittelpunkt des sogenannten Burggartens ist die Orangerie, die sich an die Rückseite des Schlosses anschließt. Ihre Fassade mit einer Kombination aus Glas und Eisenguss gilt europaweit als einzigartig. Vom etwas erhöht stehenden Schloss führen Wege über mehrere Treppen hinab an das Seeufer.
Der Schlossgarten zeigt typische Elemente barocker Gartengestaltung: Skulpturen und verspielte Formen.
Der größere und deutlich ältere Schlossgarten liegt auf dem Festland. Mit dem Schloss verbindet ihn eine gusseiserne Drehbrücke. Den Garten prägt eine symmetrische barocke Grundform: Eine Teichanlage in der Form eines Doppelkreuzes bildet die Achse und hält den Blick auf das Schloss frei. Der Schlossgarten wurde bereits 1633 erstmals erwähnt, um 1750 entstand der Kreuzkanal. Weitere gut 100 Jahre später legte Hofgärtner Theodor Klett, der auch den Burggarten stark beeinflusste, große Rasenflächen und Laubengänge an. Heute ist der Garten mit umliegenden Grünflächen zu einem Stadtpark verschmolzen - als Kombination aus Landschaftspark mit englischen Einflüssen und Barockgarten. Für die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin wurde er mit einem Beispiel moderner Gartengestaltung am Wasser ergänzt.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern möchte das gesamte Schloss-Ensemble als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen lassen. Ein Antrag, die Anlage auf die deutsche Vorschlagsliste aufzunehmen, wurde 2012 gestellt. Bis zur endgültigen Entscheidung der UNESCO können mehrere Jahre vergehen.