Stand: 12.01.2015 15:15 Uhr  | Archiv

Mittelalterliche Pracht im Münster Doberan

Es war das Jahr 1186, als die Arbeiten an einem Zisterzienserkloster im heutigen Bad Doberan begannen. Das Kloster entwickelte sich rasch zu einem geistlichen Zentrum in Mecklenburg. Da die Mönche umfangreiche Ländereien geschenkt bekamen, führten sie die Gemeinschaft mit Landwirtschaft, Handwerk und Handel zu beträchtlichem Wohlstand.

Doberaner Münster - Juwel der Backsteingotik

Jahrzehnte des Kirchenbaus

Nach gut 70 Jahren Bauzeit konnten die frommen Zisterzienser 1368 eine neue Klosterkirche weihen: Ein Münster im Stil der Backsteingotik. Die Baumeister hatten sich sowohl an Kathedralen der französischen Hochgotik wie auch an den zisterziensischen Architekturregeln orientiert. So entstand ein einmaliges Baudenkmal. Die Fassade des fast 80 Meter langen Gotteshauses ist weitgehend schmucklos, es gibt keinen gemauerten Glockenturm, sondern einen Dachreiter.

Glocken im Norden
mit Audio

Die Glocken des Doberaner Münsters

Das Doberaner Münster beherbergt zwei Glocken. Die kleinere ist die zweitälteste ihrer Art in Mecklenburg. Die größere Glocke wiegt rund 1.100 Kilogramm. mehr

Das Mittelschiff mit dem schönen Kreuzrippengewölbe ragt mehr als 26 Meter in die Höhe. Fast 400 Jahre stand das Kloster unter dem Schutz diverser Herzöge. Doch die Reformation machte im 16. Jahrhundert auch vor den Zisterziensern nicht Halt. Im März 1552 wurde Kloster Doberan aufgelöst. Die Ländereien fielen an Herzog Johann Albrecht I. 1564 zog der erste evangelische Pastor in das Münster ein. Seitdem dient es als Doberaner Pfarrkirche und wurde über die Jahrhunderte weitgehend unverändert erhalten, während die übrigen Gebäude der Klosteranlage verfielen.

Mittelalterliche Schätze

Heute zählt das Doberaner Münster zu den wichtigsten Bauwerken der Backsteingotik und gilt als die Zisterzienserkirche mit der kostbarsten mittelalterlichen Ausstattung in ganz Europa. Die Schätze sind fast vollständig erhalten, überstanden Bilderstürme und Kriege so gut wie unbeschadet. Besondere Beachtung verdient der Hochaltar aus dem 14. Jahrhundert, der älteste erhaltene Flügelaltar der Welt. Zu den Kostbarkeiten gehören auch der Kreuzaltar aus der Zeit um 1365, der Marienleuchter von 1280 und die Grabstätten vieler mecklenburgischer Herzöge.

Nur wenige Gebäude erhalten

Besuch im Münster

Klosterstraße 2
18209 Bad Doberan
Tel. (038203) 627 16

Das Münster kann täglich außer Karfreitag und Heiligabend gegen Eintritt besichtigt werden.
Ebenfalls täglich findet eine knapp einstündige Führung statt.
aktuelle Zeiten und Eintrittspreise siehe Website des Münsters

An Sonn- und Feiertagen beginnt um 9.30 Uhr ein evangelischer Gottesdienst.

Das weitläufige Gelände des Klosters verfiel in den Jahrhunderten. Gebäude wurden abgetragen oder als Steinbrüche genutzt. Dennoch lohnt in der parkartigen Anlage ein Blick auf die Ruine des imposanten, dreistöckigen Wirtschaftshauses sowie auf das turmartige Beinhaus aus der Zeit um 1230. Dort bewahrten Mönche die Gebeine ihrer verstorbenen Brüder auf, um die Gräber auf dem Friedhof neu belegen zu können.

Beliebte Sehenswürdigkeit

Obwohl die Kirche in Bad Doberan zu den bedeutendsten Bauten Norddeutschlands gehört, scheiterte eine Bewerbung als UNESCO-Welterbe. Trotzdem bleibt das Bauwerk ein beliebtes Ausflugsziel für Kulturfreunde und Ostseeurlauber. Mit der historischen Bäderbahn Molli können sie das Münster auf nostalgische Weise von den Seebädern Kühlungsborn und Heiligendamm aus erreichen.

Die Legende von Doberan

Um die Gründung des Klosters in Bad Doberan rankt sich eine alte Legende: Demnach hatte Fürst Heinrich Borwin I. von Mecklenburg versprochen, das 1179 zerstörte erste Kloster Mecklenburgs neu zu errichten - und zwar genau dort, wo er den ersten Hirsch erlegen werde. Ausgerechnet in einem sumpfigen Gelände gelang dem Fürsten der erfolgreiche Abschuss - und während die Jagdgesellschaft noch darüber diskutierte, ob dieser Platz geeignet sei, um ein Kloster zu bauen, flog ein Schwan über die Gruppe hinweg und rief etwas, das wie "dobr, dobr" klang.
Die Entscheidung für den Standort und seinen Namen war damit gefallen, denn "dobr" bedeutet im Slawischen "gut". So erhielt der Ort der Legende zufolge den Namen Doberan, was so viel heißt wie "guter Platz". Schwan und Hirsch prangen seither auf dem Wappen der Stadt. Tatsächlich aber ist der Name Doberan noch älter: Bereits das erste, 1171 gegründete und 1179 zerstörte Kloster trug den Namen "Claustrum Doberan". Es befand sich im etwa drei Kilometer entfernten Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan.

Karte: Doberaner Münster
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordmagazin | 30.09.2016 | 19:30 Uhr

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