Stand: 18.09.2017 12:46 Uhr

Pellworm: Insel-Urlaub mal anders

Ein wenig steht sie im Schatten ihrer großen Schwestern Sylt und Föhr: Pellworm, die drittgrößte Nordfriesische Insel. Promi-Partys finden hier kaum statt, Sandstrände gibt es nicht. Grün bis an die Wasserkante präsentiert sich die Marschinsel, die auf sanften Tourismus und Landwirtschaft als wichtigste Wirtschaftszweige setzt.

Inselurlaub auf Pellworm

Zusätzlich bieten die Insulaner 1.800 Gästebetten an und kommen damit auf fast 160.000 Übernachtungen pro Jahr. Kleine Hotels, Pensionen und zahlreiche Ferienwohnungen erwarten die Besucher. Ein 28 Kilometer langer und acht Meter hoher Deich schützt die Insel vor den Fluten der Nordsee und bietet bei schönem Wetter reichlich Liegefläche für Sonnenanbeter. Wer es kuschelig mag, kann an verschiedenen Badestellen Strandkörbe mieten.

Kühe und Öko-Strom

Derzeit leben rund 1.200 Menschen dauerhaft in den etwa 750 Haushalten auf Pellworm. Die Landwirte betreiben überwiegend Viehzucht, etwa 70 Prozent ihrer Flächen nutzen sie als Grünland. Milchkühe und Mastbullen weiden auf den weiten Wiesen der 37 Quadratkilometer großen, fast runden Insel. Die Tiere tragen auch zur Energieversorgung bei. Biomasse heißt das Stichwort. Aus der Gülle wird Strom produziert. Die Kühe teilen sich die Wiesen mit Tausenden Schafen, die überall auf der Insel grasen. Mehrere Windkraft- und Solaranlagen sorgen außerdem dafür, dass auf der Insel viel umweltfreundlicher Strom entsteht. Pellworm ist mit seinem intelligenten Stromnetz eine Modellregion.

Hafen und Leuchtturm an der Ostküste

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Der Leuchtturm auf Pellworm ist seit 1907 in Betrieb.

An der Ostküste lockt der kleine Hafen viele Besucher an. Er ist Heimat für sechs Kutter, die überwiegend zum Krabbenfang auslaufen. Touristen können die gekochten Meerestiere frisch vom Schiff kaufen und genießen. Südlich des Hafens steht der 41,5 Meter hohe, rot-weiße Leuchtturm. Wer den Aufstieg bewältigt hat, wird mit einem weiten Ausblick über die Insel und das Wattenmeer belohnt. Termine und Tickets erhalten Besucher beim Kur- und Tourismusservice. Kinder dürfen erst ab 8 Jahren mit auf den Turm, in dem sich Paare auch das Ja-Wort geben können.

Wahrzeichen an der Westküste: Die Turmruine

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Die Turmruine der Kirche St. Salvator ist das Wahrzeichen der Insel und weithin sichtbar.

Für die Schifffahrt gibt es eine weitere wichtige Orientierungsmarke: die Alte Kirche St. Salvator aus dem 11. Jahrhundert an der Westküste. Die Turmruine aus rotem Backstein ist das Wahrzeichen der Insel und eine weithin sichtbare Landmarke. Im Inneren der Kirche befindet sich eine Arp-Schnitger-Orgel aus dem Jahr 1711, die noch heute regelmäßig bei Konzerten zu hören ist. Die Neue Kirche in der Inselmitte, ein Saalbau aus Backstein, stammt immerhin auch schon aus dem 17. Jahrhundert

Wenige Kilometer nördlich der Alten Kirche steht am Deich die imposante Nordermühle, eine gut erhaltene Windmühle aus dem Jahr 1652. Der sogenannte Zwickstellholländer stand damals auf dem Deich, heute hinter dem neuen, rund acht Meter hohen Deich.

Naturerlebnis Wattenmeer

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02:14

Spurensuche im Watt

Der Pellwormer Helmut Bahnsen ist regelmäßig im Watt unterwegs und sucht nach alten Kulturspuren. Rungholt vermutet er rund um die Hallig Südfall. Video (02:14 min)

Naturfreunde allerdings lockt eher das Watt. Die Insel liegt mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Zweimal täglich gibt die Ebbe den Meeresboden frei. Wattführer laden dann zu Wanderungen ein, die unter anderem zur Hallig Hooge oder zu den Spuren des versunkenen Ortes Rungholt führen. Der Nationalpark-Ranger erklärt bei seinen Führungen den Lebensraum Wattenmeer, stellt Tiere und Pflanzen vor. Dazu gehören auch die Seehunde auf den Sandbänken westlich der Insel. Mit Norderoogsand und Süderoogsand liegen die beiden größten Sandbänke Europas vor Pellworm. Während der Saison fahren auch Ausflugsschiffe zu den umliegenden Halligen.

Kuren und entspannen

Als Nordseeheilbad setzt die Insel auf Gesundheitstourismus und bietet unter anderem Kuren für Mütter und Väter, Heilanwendungen und Wellness an. Wer dem manchmal rauen Klima der Nordsee entkommen will, kann sich im Freizeitbad "PelleWelle" aufwärmen - bei 29 Grad Wassertemperatur im Schwimmbad oder in einer der Saunen.

Vorrang für Fahrräder und Pferde

Touristen können die Insel per Rad, zu Fuß oder mit Pferden entdecken.

Das Auto kann man auf Pellworm meist stehen lassen. Die Insel lässt sich hervorragend mit dem Fahrrad erkunden. Bei einer Ausdehnung von nur etwa sechs mal sieben Kilometern ist jedes Ziel schnell erreicht. Eine naturnahe Alternative zum Fahrrad ist die Erkundung der Insel mit dem Pferd. Gäste können sich bei mehreren Anbietern Tiere leihen. Ein ganz besonderes Erlebnis sind Ausritte im Watt. Sie werden auch mit Führung angeboten, was empfehlenswert ist, weil das Gelände schwierig ist. Pferdebesitzer können auch ihre eigenen Vierbeiner mit nach Pellworm bringen. Es gibt einige Pferdepensionen. Wer sich nicht selbst aufs Pferd traut, kann die Insel bei einer gemütlichen Kutschfahrt kennenlernen.

Menschen wandern ddurchs Watt. © NDR

Wattwanderung: Von Hallog Hooge nach Pellworm

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Anreise

Pellworm ist durch eine Autofähre mit dem Hafen von Strucklahnungshörn auf der Halbinsel Nordstrand verbunden. Autofahrer fahren über die B5 an Husum vorbei bis Hattstedt und links nach Nordstrand. Am Fähranleger können Autos auch für längere Zeit auf einem unbewachten, gebührenpflichtigen Parkplatz abgestellt werden.
Bahnreisende fahren bis Husum, von dort weiter mit dem Bus bis zum Fähranleger und setzen mit der Fähre über. Die Fähre verkehrt mehrmals täglich unabhängig von der Tide, die Überfahrt dauert etwa 35 Minuten. Auf der Insel können Urlauber mit Sammeltaxis und teilweise auch mit dem Inselbus weiterreisen. Viele Gastgeber holen Gäste, die ohne Auto anreisen, am Anleger ab.

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