Stand: 24.10.2016 12:16 Uhr

Die Bille - Hamburgs unbekannter Fluss

Wo in Hamburg fließt die Bille? Selbst viele Bewohner der Hansestadt können diese Frage nicht beantworten. Das Flüsschen stand immer ein wenig im Schatten von Elbe und Alster: Für die Schifffahrt hatte die Bille nie die wirtschaftliche Bedeutung der Elbe, als Erholungs- und Freizeitfluss hatte wiederum stets die Alster die Nase vorn.

Lichtspiel am Kanueinlass an der oberen Bille. © © NDR/Jack Gaudens, honorarfrei

Die Bille - Vom Paddlerparadies in den Welthafen

die nordstory -

Nicht so groß wie die Elbe, nicht so charmant wie die Alster, aber vielfältig: Entlang der Bille findet man Naturparadies, Industriebrache, Gewerbefläche und Kreativbereich.

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Fluss mit vielen Gesichtern

Auf ihrem etwa 65 Kilometer langen Weg von der Quelle im Herzogtum Lauenburg bis zur Mündung in der Norderelbe präsentiert sich die Bille als ein Fluss der Gegensätze: Was als idyllisches Flüsschen durch Schleswig-Holstein fließt, wird in Hamburg zum teils kanalisierten Industriefluss. Grob lässt sich die Bille in drei Abschnitte einteilen: Die Obere Bille bezeichnet das Flüsschen von seiner Quelle bei Linau östlich von Hamburg im Herzogtum Lauenburg bis Bergedorf. Die mittlere Bille schlängelt sich von Bergedorf bis nach Billstedt. Dort beginnt der letzte, stark kanalisierte Abschnitt der Bille, die schließlich an der Brandshofer Schleuse zwischen Hammerbrook und Rothenburgsort bei den Elbbrücken in die Norderelbe mündet.

Wandern und Radfahren an der Oberen Bille

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Bei dem Renaissance-Schloss in Reinbek staut sich die Bille zum Mühlenteich auf und fließt weiter in Richtung Bergedorf.

Sehr reizvoll ist das unter Naturschutz stehende Billetal zwischen Grander Mühle und Reinbeker Mühlenteich im westlichen Sachsenwald. Dort sind Eisvögel, Bachforellen und Flussmuscheln zu Hause. Am Ufer des kleinen Flusses führt ein Wanderweg entlang, Radfahrer dürfen dort ebenfalls fahren. Bei Schloss Reinbek durchfließt die Bille den Mühlenteich und schlängelt sich dann weiter in Richtung Bergedorf. Der Abschnitt zwischen Bergedorf und Reinbek ist ein ideales Paddelrevier.

In Bergedorf verschwindet die Bille

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Hinter Bergedorf führt der Fluss südlich des Naturschutzgebiets Boberger Niederung mit seinen Binnendünen vorbei.

In Bergedorf selbst wurde der ursprüngliche Flusslauf stark verändert und das Wasser durch das Serrahnwehr aufgestaut. Hinter dem Wehr fließt ein Großteil des Wasser der Oberen Bille über den Schleusengraben in die Dove-Elbe ab. Bis ins 19. Jahrhundert floss die Mittlere Bille vor dem Serrahnwehr weiter, dann wurde sie jedoch von ihrem Oberlauf abgetrennt. Heute beginnt die mittlere Bille als Regenwasserauslass am Sanderdamm nahe der S-Bahnstation Bergedorf, nimmt dann mehrere kleine Bäche auf und schlängelt sich weiter in Richtung Boberger Niederung, einem Naturschutzgebiet mit Binnendünen, Heide- und Moorflächen.

Sechs Brücken führen über die Untere Bille

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Die Gelbe Brücke quert die Bille bei Rotenburgsort.

Hinter der Billwerder Marsch fließt der Fluss unter der Autobahn 1 hindurch und heißt nun Untere Bille. Statt durch idyllisches Grün verläuft sie nun durch Gewerbe-und Industriegebiet. Sechs Brücken - Schwarze, Braune, Gelbe, Blaue, Grüne und Rote Brücke - führen über den stark kanalisierten Fluss. Ihre Geländer sind in der jeweiligen Farbe gestrichen - das sollte den Arbeitern im 19. Jahrhundert die Orientierung erleichtern.

Insel-Idyll für Kleingärtner: Die Billerhuder Insel

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Kleingärten mit Wasserzugang - auch das gibt es an der Bille.

Hinter der Blauen Brücke prägen neben Gewerbegebieten Kleingärten die Ufer der Bille, besonders auf der Billerhuder Insel. Die rund 38 Hektar große Eiland, das von Bille und Bullenhuser Kanal umflossen wird, ist fast vollständig in der Hand von Kleingartenvereinen. Geht es nach der Handelskammer, könnte dieses Idyll schon bald enden: Sie legte 2015 Pläne für eine Bebauung der Insel und der benachbarten Viertel vor, die eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe vorsehen.

Dieser Vorstoß stieß beim Senat allerdings auf Kritik. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hat aber ebenfalls Umbaupläne für die Stadtteile Rothenburgsort und Billbrook, durch die die Untere Bille fließt. So sollen unter anderem an der Bille und den benachbarten Kanälen Tausende neue Wohnungen entstehen. Die Billerhuder Insel soll demnach aber als "grüne Passage" mit ihren Kleingärten erhalten bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

die nordstory | 24.04.2017 | 15:00 Uhr

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