Stand: 05.07.2015 11:18 Uhr  | Archiv

Das Chilehaus - ein Haus wie ein Schiff

Es ist eines der wichtigsten Bauwerke des Backstein-Expressionismus und das vielleicht imposanteste Kontorhaus der Welt: Das Chilehaus in Hamburg, entworfen und erbaut zwischen 1922 und 1924 von Fritz Höger. Seit Juli 2015 zählt das eindrucksvolle Gebäude als Teil des Kontorhausviertels und gemeinsam mit der benachbarten Speicherstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Chilehaus - Hamburgs Wahrzeichen aus Backstein

Besonders beeindruckend wirkt das zehnstöckige Gebäude, wenn sich der Besucher von Südosten her nähert. Wie ein riesiger, spitz zulaufender Schiffsbug ragt der Klinkerbau in den Himmel, die gesamte Außenfassade mit ihren 2.800 Fenstern ist geschwungen. Nicht minder beeindruckend ist das Innere des Chilehauses: Schwere Mahagonitüren, gewundene Treppenhäuser und Keramik-Ornamente zieren das gewaltige Gebäude, das sich um einen rechteckigen Innenhof gruppiert. Das Chilehaus bildet den Kern des Kontorhausviertels, das aus weiteren imposanten Backsteinkomplexen wie etwa dem direkt nebenan gelegenen Sprinkenhof besteht.

4,8 Millionen Ziegelsteine und 750 Güterwagen Zement

Architekt Fritz Höger gilt neben Fritz Schumacher als wichtigster Vertreter des norddeutschen Backstein-Expressionismus. 4,8 Millionen Ziegelsteine und 750 Güterwagen Zement verbaute er für das riesige Kontorhaus, das er im Auftrag des Hamburger Kaufmanns Henry Brarens Sloman errichtete. Sloman hatte Hamburg als junger Mann in Richtung Chile verlassen und war später durch den Salpeterhandel reich geworden. 1898 kehrte er als 50-Jähriger in seine Heimatstadt zurück und ließ später das mit 36.000 Quadratmetern seinerzeit größte Bürohaus Deutschlands in Auftrag geben.

Stichwort: Backstein-Expressionismus

In den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhundert entwickelte sich eine Variante der expressionistischen Architektur, bei der Klinker oder Backstein im Mittelpunkt der Fassadengestaltung stehen. Charakteristisch ist eine ornamentale Formensprache mit teils kantigen oder spitzen Elementen. Der Backstein wird gezielt zu Mustern gesetzt und lässt die Fassade so besonders lebendig erscheinen. Vor allem in Norddeutschland und dem Rhein-Ruhrgebiet entstanden zahlreiche Gebäude im Stil des Backstein-Expressionismus.

Gebäude ruht auf Betonpfählen

17 Bauanträge musste Höger stellen, bevor der Senat den Bau genehmigte, der auf zwei Grundstücken mit einer Fläche von insgesamt fast 6.000 Quadratmetern entstand. Besonders das Vorhaben, die Straße "Fischertwiete" zu überbauen, stieß zunächst auf Skepsis. Da das Gebäude auf feuchtem Untergrund entstand, wurden im Fundament Betonpfähle verarbeitet, Keller und Heizungsräume wegen der Nähe zur Elbe speziell vor Hochwasser geschützt. Wegen seiner spektakulären Architektur fand das Gebäude schon bald weltweit Beachtung. Nach der Fertigstellung ließen sich in dem Kontorhaus vor allem kleine und mittlere Im- und Exportfirmen nieder, die im Überseehandel tätig waren.

Heute befinden sich in dem Gebäude Arztpraxen, Anwaltskanzleien und etliche Büroräume insbesondere für kleinere Unternehmen. Im Erdgeschoss rund um den Innenhof haben sich Restaurants, ein Warenhaus sowie mehrere kleinere Einzelhändler angesiedelt. Besucher können sich nur von außen und beim Besuch des Innenhofs einen Eindruck von dem imposanten Gebäude verschaffen. Die Büroräume im Inneren sind nicht zu besichtigen. Seit 1983 steht das Chilehaus unter Denkmalschutz.

Karte: Chilehaus, Kontorhausviertel und Speicherstadt
Welterbe im Norden
16 Bilder

Welterbestätten und Anwärter

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