Eine Honigbiene saugt Nektar aus einer gelben Blüte © picture alliance / Zoonar | DesignIt Foto: Designlt

Zur Sache: Der Kampf gegen das Bienensterben

Stand: 07.06.2021 07:56 Uhr

Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass es schlecht steht um viele Bienen- und Insektenarten, wurde vielen Menschen bewusst: Wir müssen etwas tun. Darüber haben wir in der Sendung Zur Sache gesprochen.

Knapp 3.600 gemeldete Imker und Hobbyimker gibt es nach Angaben des Landesverbands schleswig-holsteinischer Imker im Land. Und ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig sank aber die Zahl der Bienenvölker pro Imker. Darüber führt der Landesverband bereits seit 1924 Buch. So gab es 1950 etwa 113.000 Völker, 2020 waren es nur noch 29.575 - eine drastische Entwicklung.

Hobbyimker brauchen Wissen

Doch seit einiger Zeit steigt das Interesse wieder. "Unsere Schulungen sind sehr schnell ausgebucht", sagt Margit Meinke, Geschäftsführerin des Landesverbandes. "Die Nachfrage nach Kursen wird immer stärker und unsere Mitgliederzahlen steigen." Dabei verkennen aber viele Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner die Arbeit, die hinter dem Imkern steckt. "Man braucht das entsprechende Wissen, wie man Bienen pflegen muss und wie man Krankheiten erkennt", betont Margit Meinke, "die Arbeit wird oft unterschätzt."

Das führt dazu, dass Viele die Lust am Imkern verlieren und die Bienenkästen dann einfach herumstehen und niemand mehr kontrolliert, ob die Tiere noch gesund sind. Wenn nicht, sind Sie eine Gefahr für die Bienenvölker, die in der Nähe leben.

Biene ist nicht gleich Biene

Eine Biene sitzt auf einer Blume. © NDR Foto: Hermann Stindt aus Werlte
Viele Wildbienenarten sind besonders gefährdet.

Neben der Honigbiene gibt es auch noch viele Wildbienenarten. Diese sind besonders gefährdet, denn sie haben im Gegensatz zur Honigbiene keinen Imker, der sich um sie kümmert. Die meisten Wildbienenarten leben alleine und nicht in einem Bienenvolk. Rainer Naujox ist beim Verband NaturFreunde für den Raum Pinneberg zuständig. Als das Bienensterben bekannter wurde, hat er angepackt. "In der letzten drei Jahren konnten wir 80.000 Quadratmeter Land mit Blühflächen belegen", berichtet er. Sein auf vier Jahre angelegtes Projekt wird vom Land gefördert. "Wir besorgen von den Geldern entsprechendes Saatgut und geben es kostenlos ab. Wir bitten dann lediglich um eine freiwillige Spende für weitere Naturschutzprojekte."

Auf die richtigen Wildblumensamen kommt es an

Und das machen die Menschen gerne. Fast Dreiviertel der Interessenten sind Privatleute, die den Bienen in ihren Gärten und sogar auf ihren Balkonen ein Nahrungsangebot machen wollen. "Das Saatgut bekommen wir von zertifizierten Unternehmen", sagt Rainer Naujox. Das gibt er dann weiter, aber er achtet darauf, dass die Menschen auch die richtigen Wildblumensamen bekommen. Einige Pflanzen brauchen viel Sonne, andere mögen den Schatten lieber. Auch Landwirte bekommen die Samen kostenlos und sogar Geräte wie Fräsen oder Grubber geliehen, mit denen sie die Böden für die Wildblumen aufbereiten können.

Öffentlicher Raum soll Anflugstelle für Insekten werden

Auch die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein setzt sich dafür ein, Wildbienen, Schmetterlinge und anderen Insekten zu schützen. Sie hat vor rund einem Jahr das Projekt "Blütenbunt-Insektenreich" gestartet. Damit sollen vielfältige Schutzmaßnahmen sowohl im städtischen als auch ländlichen Raum umgesetzt und Bildungsinitiativen an Schulen, Universitäten und im privaten Umfeld realisiert werden. "Wir nehmen dabei den öffentlichen Raum in den Fokus", sagt Projektleiterin Antje Walter, "weniger die Landwirte. Unser Angebot richtet sich an öffentliche und private Landbesitzer mit kleineren Flächen." Das Projekt läuft noch bis 2026 und wird zusammen mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und dem Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) durchgeführt.

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Blattschneiderbiene auf einer Blüte © NDR/Labo M GmbH

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Welche Bienenarten sind besonders gefährdet? Welche Projekte gibt es in Schleswig-Holstein und was wurde bisher erreicht? Was kann jeder in seinem Garten tun, um dem Insektensterben entgegen zu wirken? Antworten auf diese und weitere Fragen haben wir in unserer Sendung Zur Sache beantwortet. Zu Gast waren Antje Walter, Leiterin des Projekts "Blütenbunt-Insektenreich" bei der Stiftung Naturschutz, Christian Krug, Vorsitzender des Landesverbands Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e.V. und Rainer Naujox vom Verband NaturFreunde Deutschlands, Ortsgruppe Pinneberg. Die komplette Sendung gibt es für Sie in unserem Zur-Sache-Podcast.

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Podcast Bild für die Sendung "Zur Sache". ©  Roman Gorielov/fotolia Foto:  Roman Gorielov

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Montage Jahresrückblick: Nachrichtenbilder aus den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in einem Filmstreifen © dpa, Fehmarnbelt Development Joint Venture Foto: Jochen Lübke, Jens Wolf, Jens Ressing

Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 06.06.2021 | 18:05 Uhr

Heinrich von der Decken steht vor der Blumenwiese. © NDR Foto: Annafried Stürmer

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