Stand: 14.10.2019 08:00 Uhr

Zur Sache: Wenn das Tafelsilber zum Pfand wird

von Michael Frömter
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Pfandleihen gelten als der letzte Ausweg, wenn Dispo und Kreditlinien ausgereizt sind.

Hinterhofgeschäfte, teils unseriös: Das ist ein Image, mit dem Pfandleihhäuser immer noch umgehen müssen. "Wenn die Menschen einmal wissen, nach welch strengen und klaren gesetzlichen Regeln wir arbeiten, bleibt von den Vorurteilen nichts übrig", sagte der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes, Wolfgang Schedl, jüngst in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". Wie auch immer: Pfandleihen brauchen sich um Kunden keine Sorgen machen, denn das Geschäft läuft. Ist der Dispo bei der Hausbank ausgereizt und gibt es keinen Kredit mehr, ist oftmals die Pfandleihe der letzte Ausweg. Etwa 250 offizielle Pfandhäuser gibt es in Deutschland, 150 davon sind Mitglieder im Zentralverband des Pfandkreditgewerbes. In Schleswig-Holstein gibt es zehn organisierte Pfandleihen. Zum Vergleich: Allein in der Hansestadt Hamburg sind es 15.

Die Pfandleihe ist ein Kreditgeschäft

Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sind Pfandleihen grundsätzlich ein Kreditgeschäft nach dem Kreditwesengesetz (KWG). Dennoch gelten sie nicht als Kreditinstitute, da ein Darlehen nur gegen einen Faustpfand gewährt wird, so die BaFin. So gibt es für die Leihhäuser zwar gesetzliche Regeln, die Unternehmen unterliegen aber nicht der Kontrolle der BaFin, sondern in der Regel der Gewerbeaufsichtsämter der Kreise und Städte.

Was lässt sich versilbern?

Grundsätzlich lässt sich alles zu Geld machen, was ein Pfandleiher akzeptiert. Doch nicht alle Pfandhäuser nehmen heute noch Bohrmaschinen oder teure Technik als Pfand an. Der Grund: Insbesondere Technik ist nicht wertbeständig. So verliert beispielsweise ein Smartphone schneller an Wert, als es wieder verkauft werden kann. Statt auf Vielfalt setzen daher viele Leihhäuser eher auf Schmuck und Uhren oder sie kaufen direkt Gold an.

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Seit ein paar Jahren gibt es vielerorts auch Unternehmen, die Autos und Motorräder als Pfand annehmen. Grundsätzlich gilt eine Mindestlaufzeit von drei Monaten für das Pfanddarlehen. Es kann gegen Zahlung der laufenden Zinsen und Gebühren beliebig verlängert werden. Nach Rückzahlung der Kreditsumme erhält der Kunde sein Pfand wieder ausgehändigt. Kann der Kunde das Pfand nicht auslösen, hat das Leihinstitut das Recht, die Gegenstände zu verkaufen oder zu versteigern.

Dann ist nicht nur das geliebte Erbstück, sondern auch einiges an Geld weg. Pfandkredite sind nämlich recht teuer. Etwa ein Prozent Zinsen müssen Kunden pro Monat für das Darlehen bezahlen. Hinzu kommen Gebühren der Leihhäuser und die Kosten für die Einlagerung. So kann ein Pfandkredit, je nach Laufzeit, gerne einmal 20 Prozent und mehr der Darlehenssumme kosten.

Weitere Informationen

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Pfandleihen werden kritisch beäugt

Nach Angaben des Zentralverbandes der Pfandleihen zahlen die 250 Mitgliedsbetriebe jährlich 630 Millionen Euro an Krediten aus, Tendenz steigend. Soziologen sehen darin einen Indikator dafür, dass die Armut im Land weiter zunimmt. Bei den Sozialverbänden heißt es, ein Pfanddarlehen könnten sich nur die "Reichen unter den Armen" leisten. Und in der Tat können nur diejenigen etwas verpfänden, die vielleicht zwar kein Geld, aber dafür zumindest Wertgegenstände besitzen. Sie können auf diese Weise vielleicht noch eine private Pleite verhindern.

Vielen Menschen in Schleswig-Holstein gehe es allerdings wirtschaftlich so schlecht, dass sie an einer Privatinsolvenz nicht vorbeikommen, ganz abgesehen von denen, die ohnehin nur noch eine Grundsicherung bekommen, sagt Alice Rohlf von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein.  

Gäste diskutieren

Wie kann ich verhindern, in die Schuldenfalle zu geraten? Wann und für wen lohnt sich ein Pfanddarlehen? Welche anderen Möglichkeiten habe ich an Bargeld zu kommen, ohne meine Wertsachen zu beleihen? Sind Zinsen und Gebühren von Pfandleihen nicht überzogen? Unter anderem diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer Sendung Zur Sache am Sonntag, den 13. Oktober 2019, ab 18 Uhr, auf NDR 1 Welle Nord. Zu Gast bei Moderatorin Ulrike Drevenstedt waren unter anderem Alis Rohlf von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein und Jochen Prestien, langjähriger Mitarbeiter im Pfandleihhaus Pacht in Kiel.

Ein Pfandleiher tauscht Geld gegen Schmuck mit einem Kunden. © Picture Allianca/dpa Foto: Tobias Hase

Wenn das Tafelsilber zum Pfand wird

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Die Wirtschaft brummt. Dennoch reicht in manchen Haushalten das Geld nicht aus, sodass die eigenen Wertsachen versilbert werden müssen. In Zur Sache haben wir über Pfandleihhäuser gesprochen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 13.10.2019 | 18:05 Uhr

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