Ein Jäger spaziert mit einem Gewehr über der Schulter eine Wiese entlang. © Agentur 54 Grad Foto: Christian Schaffrath

Zur Sache: Jagen wird immer beliebter

Stand: 15.04.2021 09:30 Uhr

Mehr als 20.000 Jägerinnen und Jäger gibt es in Schleswig-Holstein - Tendenz steigend.

Im vergangenen Jahr haben rund 500 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner ihre Jagdschein-Prüfung abgelegt, darunter auch viele Frauen. Nach Angaben des Landesjagdverbandes liegt der Frauenanteil bei 14 Prozent, vor zehn Jahren waren es neun Prozent. Wieso ist das Interesse am Jagen in Schleswig-Holstein gestiegen? Wer darf überhaupt wo jagen und was braucht man dafür? Und wie passt das mit den Interessen der Naturschützer zusammen? Darüber hat Moderatorin Ulrike Drevenstedt in der Sendung Zur Sache am Sonntagabend mit Louise Hecke, Jung-Jägerin aus Lübeck, Wulf-Heiner Kummetz, Sprecher vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein, und Fritz Heydemann, stellvertretender Landesvorsitzender vom NABU Schleswig-Holstein, gesprochen.

Ein Jäger mit angelegtem Gewehr © Imago
AUDIO: Podcast zur Sache: SH und die Jagd (64 Min)

Die Natur sehen und verstehen

Auch Louise Hecke, Physiotherapeutin aus Lübeck, hat im vergangenen Oktober ihren Jagdschein gemacht. Sie hatte schon länger darüber nachgedacht, auch ihr Vater und ihre Großväter sind oder waren Jäger. Zusammen mit einer Freundin hat sie sich dann für den Jagdschein angemeldet und nach einer sehr zeitintensiven Ausbildung die Prüfung bestanden. "Der Grund, einen Jagdschein zu machen, war für mich die Liebe zur Natur und im Wald und auf dem Feld unterwegs zu sein", sagt sie. "Sitzen, gucken und die Natur verstehen" sei ihr Motto. Ein Tier hat sie nach eigenen Angaben bisher aber noch nicht getötet - oder gestreckt, wie es in der Jägersprache heißt.

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Drei Jäger wandern mit einem Jagdhund. © chromorange Foto: CHROMORANGE / Bilderbox

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Ausbildung zum Jagen ist sehr umfangreich

Wulf-Heiner Kummetz vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein bildet die zukünftigen Jägerinnen und Jäger aus. "Wie bieten einen 14-tägigen Crashkurs an, in dem wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von morgens bis abends schulen", sagt Kummetz. Er selbst ist auch Jäger mit einem eigenen Revier und erlegt ca. zehn Tiere pro Jahr. "Unsere Anwärter werden immer durchleuchtet und müssen die Zuverlässigkeitsprüfung bestehen, erst dann wird ein Jagdschein ausgestellt." Auch eine Nachfrage beim Verfassungsschutz wird gestellt, denn Jäger brauchen Waffen, und die dürfen nicht in die falschen Händen geraten.

NABU: Vogeljagd ist unnötig

Etwas kritischer blicken viele Naturschützer auf das Jagen. "Die Jagd von Schalenwild wie Wildschweinen, Rehen und Hirschen muss zwar sein, denn die sorgen oft für Wildverbiss", sagt Fritz Heydemann vom Naturschutzbund Schleswig-Holstein (NABU), "" Als Verbiss bezeichnet man das Abbeißen von Knospen, Blättern oder Zweigen vor allem an landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich erwünschten Pflanzen. Der Vogeljagd steht Heydemann aber zum Beispiel skeptisch gegenüber. "Das ist unnötig, oft werden die toten Vögel einfach liegen gelassen, weil sie zu klein sind, um sie zu verwerten. Auch die Jagd auf Raubtiere wie Marder, Iltis oder Wiesel ist nicht in Ordnung."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 18.04.2021 | 18:05 Uhr

Podcast Bild für die Sendung "Zur Sache". ©  Roman Gorielov/fotolia Foto:  Roman Gorielov

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Montage Jahresrückblick: Nachrichtenbilder aus den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in einem Filmstreifen © dpa, Fehmarnbelt Development Joint Venture Foto: Jochen Lübke, Jens Wolf, Jens Ressing

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