Sendedatum: 18.11.2018 18:03 Uhr

Wie viel Wolf kann Schleswig-Holstein vertragen?

Der Wolf ist in Schleswig-Holstein angekommen. Mindestens vier Tiere leben bereits hier im Land. Und sie hinterlassen Spuren - inzwischen bereits mehr als 60 bekannte Wolfsrisse hat es allein in diesem Jahr gegeben. Auch Menschen sind dem Wolf schon begegnet. Der Artenschutzreferent im Umweltministerium, Holger Gerth, war in der Sendung Zur Sache zu Gast. Er sagte, dass der Mensch keine Angst vorm Wolf haben müsse, weil die Tiere einen hohen Fluchtinstinkt haben.

Im Studio von NDR 1 Welle Nord diskutieren Thomas Gall, Artenschutzreferent im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes, Prof. Dr. Holger Gerth, Landesnaturschutzbeauftragter, Schäfer, und Janine Bruser vom  Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter über dem Umgang mit Wölfen in Schleswig-Holstein. © NDR Foto: Anna Baake

Zur Sache: Bleibt der Wolf in SH?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Zu viele Gefahren, zu viel Verkehr, wenig Rückzugsgebiete - trotz der rund 90 Risse glaubt der Naturschutzbeauftrage Holger Gerth nicht, dass der Wolf in Schleswig-Holstein sesshaft wird.

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"Die tun nichts, lassen sich aber auch nichts gefallen"

Sollte man allerdings einem Wolf begegnen, rät er, auf sich aufmerksam zu machen. "Man kann rufen, man kann winken, dann sollte man sich langsam entfernen und nicht versuchen, sie anzulocken." Wölfe seien große, gefährliche Tiere. "Die tun nichts, die lassen sich aber auch nichts gefallen." In der Regel würden sich die Tiere schnell entfernen.

Dauerhafte Ansiedlung unwahrscheinlich?

Dass der Wolf hier dauerhaft sesshaft wird, kann sich Gerth allerdings nicht vorstellen. Schleswig-Holstein sei zu eng besiedelt und durch den vielen Verkehr gebe es zu viele Gefahren. Außerdem habe der Wolf hier nur wenige Rückzugsgebiete, in denen ein Rudel ungestört Junge aufziehen könnte, so der Naturschutzbeauftragte.

"Selbstjustiz geht nicht"

Einen Wolf erschießen, wie es bereits im dänischen Westjütland oder 2017 bei einer Jagd in Brandenburg geschehen ist, verstößt gegen das Gesetz. "Selbsjustiz geht nicht", so Gerth. Man habe aber noch keinen einzigen Riss gehabt von Schafen, die eingepfercht waren mit einem Schafschutzzaun", argumentiert der Fachmann und verweist auf Erfahrungen in anderen Bundesländern.

"Es gibt auch was dazwischen"

Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter kontert: "Unsere Schafhalter sind vernünftige Menschen. Ich glaube, es ist falsch, zu sagen, es gibt diesen Wolfsgegner und es gibt die Wolfsbefürworter. Es gibt auch etwas dazwischen". Es gehe nur darum, dass es Möglichkeiten geben müsse, Problemwölfe zu erschießen. Vergrämen - glaubt Bruser - funktioniere nicht.

Ungenaue Gesetze - "das ist Nichtstun"

Wie lange genau der Wolf unter dem strengen gesetzlichen Schutz steht, sei nicht genau definiert, räumte Gerth ein. Es gehe darum, einen "günstigen Erhaltungszustand" der gesamten Wolfspopulation zu erreichen. Konkreter sei das aber bisher nicht ausformuliert worden. Das ärgert Simon Stahljohann, einen Schäfer aus Neuendorf (Kreis Steinburg), der auch in der Sendung zu Gast war. "Wir sprechen davon, dass wir nichts tun, bis wir ein Ziel erreicht haben, das wir nicht definiert haben", sagte Stahljohann. "Das ist Nichtstun." Er hält solche unklaren Regeln für völlig unbefriedigend.

Gutachten untersucht Abwehrtechniken

Was hilft gegen Wölfe? Elektrozäune und Herdenschutzhunde - oder vielleicht doch etwas ganz anderes? Der Artenschutzreferent im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Thomas Gall, weist auf ein Gutachten hin, dass an die Universität in Kiel vergeben wurde. Dort sollen nun Vergrämungsmethoden - auch weltweit - ausgewertet werden. Die Ergebnisse, so Gall, sollen bald vorliegen. Es gebe viele Ideen - zum Beispiel Geruchsstoffe, die den Wolf fernhalten. "Jede Möglichkeit, die etwas verspricht, wird sicherlich von uns verfolgt", verspricht er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 18.11.2018 | 18:03 Uhr

58:21

Zur Sache: Bleibt der Wolf in SH?

18.11.2018 18:05 Uhr

Zu viele Gefahren, zu viel Verkehr, wenig Rückzugsgebiete - trotz der rund 90 Risse glaubt der Naturschutzbeauftrage Holger Gerth nicht, dass der Wolf in Schleswig-Holstein sesshaft wird. Audio (58:21 min)

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