Stand: 17.05.2019 10:42 Uhr

Faire Diskussion: Talk zur OB-Wahl in Rostock

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Die Gastgeber waren Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion Rostock der Ostseezeitung und Stefan Horn, Redakteur im NDR Ostseestudio Rostock.

Am 26. Mai wählen die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Rostock ein neues Stadtoberhaupt. Acht Männer und eine Frau sind als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl zugelassen. Sie haben sich und ihre Ziele am Donnerstagabend in einer zweistündigen Talkrunde von NDR 1 Radio MV, dem Nordmagazin und der Ostsee-Zeitung vorgestellt.

Kontroversen nur bei wenigen Themen

Es ging um die Themen, die die Stadt zur Zeit bewegen: Verkehr, Wirtschaft und Tourismus, Wohnen, Kindertagesstätten, Schulen. Launig, kontrovers und fair ging es beim Wahltalk im Rostocker Verlagshaus der Ostsee-Zeitung zu. Im mit rund 200 Gästen voll besetzten Saal nahmen die Rostocker genau zur Kenntnis, welche Ideen die einzelnen Kandidaten für die Stadt entwickelten.

Mehr und besser ausgestattete Schulen, mehr Radwege, preiswerteren Wohnraum und ein Rostock, das nicht in einzelne Stadtteile zerfällt, sondern als Ganzes entwickelt wird, versprachen alle. Nur bei wenigen Themen gab es Kontroversen, so etwa bei der Frage, ob der Autoverkehr entspannter durch die Stadt rollen oder stattdessen gleich auf Busse und Bahnen und das Fahrrad gesetzt werden sollte.

Vielfältige Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Zur Frage des Präsidenten des Unternehmerverbands Rostock, Frank Haacker, nach der Zusammenarbeit mit der Unternehmerschaft meinte die Einzelbewerber Sybille Bachmann: "Wir müssen einfach öfter miteinander reden. Und zwar nicht, dass sie zu mir kommen, sondern, dass der OB zu Ihnen kommt - also eine aufsuchende Verwaltung, die dann vielleicht nicht mehr nur Verwaltung ist, sondern tatsächlich Gestaltung."

Neben Dialogformaten und Unternehmensbesuchen kann sich Steffen Bockhahn (Linke), auch sehr gut vorstellen nach Möglichkeit einmal im Quartal wenigstens einen halben Tag in einer Firma mitzuarbeiten: "Das eine ist, dass Geschäftsführung und Oberbürgermeister sich austauschen, das andere ist, auch zu verstehen, was die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind."

Tom Reimer will sich die Start-up-Kultur Aachens als Vorbild nehmen und Wissenschaft, Wirtschaft und Kreative mit der Öffentlichkeit zusammenbringen, um dieser ein Bild zu vermitteln: "Wie toll ist unsere Stadt, was können wir alles erreichen, was können wir machen?" Das färbe auf die Öffentlichkeit ab, so der Einzelbewerber: "Da ist eine ganz andere Stimmung in der Stadt als hier und das wünsche ich mir für Rostock auch."

Rostock wählt - Der Wahltalk

Günstigen Wohnraum schaffen, Grünflächen erhalten

Beim Schaffen von neuem Wohnraum und gleichzeitigem Erhalt von Grünflächen sieht Uwe Flachsmeyer (Bündnis 90/Die Grünen) ein Dilemma: "Wertvolles Grün darf auf keinen Fall bebaut werden, wir müssen sehr, sehr sensibel mit Kleingartenanlagen umgehen - ich will, dass die Rostocker grundsätzlich weiter grün wohnen."

Um günstigen Wohnraum zum Beispiel für Studenten in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt zu erhalten, schlägt Dirk Zierau (Unabhängige Bürger für Rostock) spezielle Satzungen vor: "Man kann mit Milieuschutzsatzungen tatsächlich das studentische Wohnen sichern und damit auch den Mietpreis deckeln."

"Wir tun gut daran, mit der Wiro zu arbeiten, wir tun gut daran, die Wohnungsgenossenschaften der Hansestadt Rostock, die nur ihren Mietern verpflichtet sind, die nicht so Rendite orientiert sind, als engen Kooperationspartner zu verstehen," betont Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). Am Groten Pohl werde nichts gehen, ohne dass die Investoren auf einen Teil ihres Profits verzichten zugunsten bezahlbaren Wohnraums.

Sicherheit durch neue "Abschnittsbevollmächtigte"

Bei der Entwicklung der Stadtteile außerhalb der City Edgar Schulze die ganze Stadt in den Blick nehmen: "Jeder Stadtteil muss attraktiv gemacht werden für die Leute, jeder Stadtteil muss aber auch sicher gemacht werden." Unter Verweis auf den "Abschnittsbevollmächtigten" aus DDR-Zeiten wünscht sich der Einzelbewerber wieder "jemanden, der die Stadt insofern sicher macht, der die Leute kennt, der die Probleme kennt."

Privatschulen als Maßstab für Kommunalschulen

Beim Thema Schulen habe sich schon viel getan, meint Claus Ruhe Madsen (parteilos) und will weiter mit viel Druck an Verbesserungen arbeiten. Ein wichtiger Aspekt dabei seien Privatschulen mit ihren besonderen Angeboten wie Sport- oder Sprachförderungen. "Wenn man jetzt denkt 'Das ist aber nur für eine bestimmte Bevölkerungsschicht' – Gleichzeitig dient aber dadurch die Privatschule ein bisschen als Benchmark für Kommunalschulen.“ Man müsse sich anstrengen nah an das Angebot der Privatschulen heran zu kommen.

Absage von Einzelbewerber Bräuer

Der Einzelbewerber Matthias Bräuer hatte seine Teilnahme kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Die Gastgeber an diesem Abend waren Andreas Meyer, Leiter der Lokalredaktion Rostock der Ostseezeitung und Stefan Horn, Redakteur im NDR Ostseestudio Rostock.

Heute um 20.15 Uhr wird die Sendung "Forum aktuell" zur Veranstaltung bei NDR 1 Radio MV ausgestrahlt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Forum aktuell | 17.05.2019 | 20:15 Uhr