Stand: 24.07.2020 10:29 Uhr

Corona-Warn-App: Virus Bekämpfung im Selbsttest

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Digitales Händeschütteln von Menschen, die sich nicht kennen. Der Selbsttest zeigt: Noch läuft die App nicht fehlerfrei.

„Mit der Corona-Warn-App auf dem Handy können Sie sich selbst und andere schützen“ – Mit diesem Versprechen ist die offizielle Corona App der Bundesregierung Mitte Juni an den Start gegangen. Seitdem haben sich rund 15 Millionen Menschen die App in Deutschland heruntergeladen. Rund 300 Infektionen sind über die App gemeldet worden. Aber wie funktioniert die App genau?

Digitales Händeschütteln

Die Nutzung ist einfach: App installieren und einrichten, Bluetooth aktivieren - fertig. Wenn sich Nutzer der App begegnen tauschen die Smartphones zufällig generierte Zahlencodes aus. Digitales Händeschütteln, ohne, dass man sich kennt. Ist ein Nutzer positiv getestet und wurde das vom Gesundheitsamt bestätigt, kann er dies in der App angeben und dadurch Andere warnen. Dabei bleiben die Nutzer anonym. Alle Daten werden verschlüsselt und ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert. Weder das Robert Koch-Institut (RKI) als Herausgeber der App noch Dritte haben Zugriff auf diese Daten. Und das Wichtigste: Die Benutzung der App ist freiwillig.

Die App läuft (nicht ganz fehlerfrei)

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Fehlermeldungen wie diese tauchten in den ersten Tagen vermehrt bei App-Nutzern auf.

Die Corona-Warn-App läuft zumeist im Hintergrund. Die App zeigt an, ob man eine sogenannte Risikobegegnung hatte. Ist dies nicht der Fall, bleibt die große Fläche auf dem Startbildschirm grün. Soweit so gut - doch der Tagezähler der App läuft teilweise nur sporadisch weiter. Zwischendurch erhalten Nutzer auch den Hinweis, dass "'Corona-Warn' in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt" wird. Kleinere technische Fehler, die aber durchaus die Frage aufwerfen: Funktioniert die App wirklich so, wie sie soll? Immerhin werden diese Fehler nach und nach durch Updates behoben.

Durch Einstellungen im Android-Betriebssystem kommt es bei einigen Smartphones zu Problemen mit der Corona-Warn-App. Die Handybesitzer können nicht über Kontakt mit Infizierten benachrichtigt werden. Durch ein Update wird das Problem behoben.

Nicht alle können mitmachen

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Warn-App auf älteren Smartphones nicht läuft. Das betrifft laut Bundesregierungssprecher Steffen Seibert etwa 15 Prozent der erhältlichen Smartphones. Das Bluetooth Low Energy System, benötige eine bestimmte technische Umgebung, so Seibert weiter. Diese Technik sorgt dafür, dass der Smartphone-Akku länger hält. Die Entwickler prüfen, inwieweit auch ältere Geräte in Zukunft die Warn-App verwenden können.

Noch keine Entlastung für die Gesundheitsämter

Ein Ziel der App ist die Entlastung der Gesundheitsämter. Tatsächlich hätten die Gesundheitsämter in Mecklenburg-Vorpommern - noch - keine Entlastung erfahren, heißt es aus dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS MV). Durch die niedrige Zahl an Neuinfektionen, gebe es für die einzelnen Gesundheitsämter aktuell kaum Berührungspunkte mit der Warn-App.

Keine genauen Zahlen für MV ermittelbar

"Die Nutzerinnen und Nutzer der Corona-Warn-App bleiben für das Robert Koch-Institut vollständig anonym, daher können wir keine detaillierteren Angaben machen", heißt es offiziell vom RKI. Damit sind nicht nur keine regionalen Nutzerzahlen aus Mecklenburg-Vorpommern ermittelbar, die Zahl von rund 15 Millionen Downloads in Deutschland verliert auch an Gewichtung. Sie sagt nicht aus, wie viele Menschen die App aktiv nutzen. Ein Fakt, der wohl dem hohen Datenschutz geschuldet ist.

Gründe für die Nutzung verschieden

Die Universität Greifswald führt aktuell eine Befragung zur Nutzung von Tracing-Apps, wie der Corona-Warn-App, durch. Nach ersten Einschätzungen spielen vor allem die Frage „Was kann die App bewirken?“ und Erwartungen aus dem eigenen Umfeld eine wichtige Rolle bei der Nutzung. Technische Herausforderungen (Funktioniert die App auf meinem Endgerät?) und Skepsis zur Reichweite (zu wenige Nutzer) sorgen für eine eher ablehnende Haltung. Datenschutzbedenken werden in dieser Statistik seltener genannt.

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NDR 1 Radio MV | Wochenende | 05.07.2020 | 10:10 Uhr