Wie geht das? Mit dem Stromkabel durchs Wattenmeer

Freitag, 06. August 2021, 15:30 bis 16:00 Uhr

Jeder Zentimeter Wasser zählt bei der Verlegung des neuen Stromkabels für die Insel Sylt mitten durch den Nationalpark Wattenmeer. Und genau deshalb steht Bauingenieur Michael Jäger von der Verlege-Firma ordentlich unter Strom. Denn ausgerechnet am Tag, als das 800 Tonnen schwere Kabel aus Finnland per Schlepper ins Flachwasser nördlich des Hindenburgdammes gebracht wird, ist nicht genug Wasser da. Doch das 16 Kilometer lange Hochspannungskabel muss so nah wie möglich an die Baustelle heranbugsiert werden - da hilft nur: warten auf Hochwasser.

Der erfahrene Frachtschiffer Jan Christiansen übernimmt

16 Kilometer Stormkabel sollen zwischen dem Festland und der Insel Sylt im Watt nördlich des Hidenburgdammes verlegt werden. © NDR/Jokerpictures
16 Kilometer Stromkabel sollen zwischen dem Festland und der Insel Sylt im Watt nördlich des Hindenburgdammes verlegt werden.

Doch selbst dann steht in der flachen Lagune stellenweise nur ein Meter Nordseewasser. Der vollbeladene Ponton mit dem Kabel hat allerdings 1,14 Meter Tiefgang. Deshalb übernimmt jetzt der erfahrene Frachtschiffer Jan Christiansen von der Insel Föhr. Mit seiner flachgängigen "MS Catjan" manövriert er den Kabel-Ponton ganz langsam durch einen Priel Richtung Hindenburgdamm - Seezeichen wie Tonnen oder Pricken gibt es hier nicht, so flach ist es.

Kettenraupe Nessie zieht das Stromkabel vom Ponton Richtung Festland. © NDR/Jokerpictures
Kettenraupe Nessie zieht das Stromkabel vom Ponton Richtung Festland.

Um das Ökosystem zu schonen, darf hier im Nationalpark ein Bodendruck von 230 Gramm pro Quadratzentimeter nirgendwo überschritten werden. Das Gewicht muss verteilt werden. Deshalb kommt erstmal ordentlich Kabel runter vom Ponton und rauf auf die '"Nessie". Das Verlegefahrzeug "Made in Norddeutschland" ist eine Spezialkonstruktion für Flachwasser-Bereiche und bewegt sich auf zwei riesigen Panzerketten fort, um den Druck besser zu verteilen.  

Das Wattenmeer ist unberechenbar

Doch trotz sorgfältigster Planung - das Wattenmeer ist unberechenbar. Nach nur 170 Metern: Not-Stopp - "Nessie" hat Schlagseite, die linke Kette ist fast einen Meter tief im weichen Schlickwatt versunken. Laut Karte sollte hier eigentlich festes Sandwatt sein. Und das alles unter den strengen Augen von Landschafts-Ökologin Gwendolyn Heberling aus Kiel. Im Rahmen der vorgeschriebenen "ökologischen Baubegleitung" fotografiert und protokolliert sie die Verlegearbeiten - besonders kritisch vermisst sie die Spuren, die "Nessie" im Wattenmeer hinterlässt. 

Die 1.200 PS-starke Verlege-Raupe "Nessie" zieht das empfindliche Stromkabel vorsichtig über eine Rollenbahn durch Watt und Salzwiesen Richtung Festland. Danach rüttelt sie mit einem sogenannten "Vibrations-Pflugschwert" das Kabel 1,50 Meter tief in den Wattboden ein - immer Richtung Keitum, dem Anlandepunkt auf Sylt.  Das neue Kabel ersetzt zwei alte, die im Hindenburgdamm liegen, und nach Inbetriebnahme stillgelegt werden. Das 16,5 Millionen Euro teure Projekt soll die Stromversorgung der Insel langfristig sichern.

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Mario Göhring
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen
Autor/in
Laura Zimmermann