Weltbilder

Weltbilder Spezial - Unsere Nachbarländer und die Corona-Krise

Dienstag, 21. April 2020, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 23. April 2020, 02:15 bis 02:45 Uhr

Die Grenzen rund um Norddeutschland sind dicht: keine Stippvisite nach Dänemark, kein Pendeln nach Polen und mal eben zum Tulpenkaufen in die Niederlande ist unmöglich. Die Weltbilder schauen hinter diese Grenzen und fragen: Wie geht es unseren Nachbarn? Wie meistern die Niederländer, Dänen, Schweden und Polen diese Krise? Und was sind ihre Tipps, um im Corona-Alltag durchzuhalten?

Niederlande: Erst liberal, dann rigoros gegen Corona

Die Niederlande haben in der Corona-Krise zunächst auf Herdenimmunität gesetzt. Erst spät ist die Regierung auf den rigiden Kurs ihrer Nachbarn eingeschwenkt, dann aber konsequent: Die Küstenregionen, die Millionen Touristen anziehen, wurden geschlossen. Premier Rutte wirbt auf Pressekonferenzen in gleich drei Sprachen: "Bleiben Sie zu Hause!" Er zielt nicht nur auf die eigene Bevölkerung, sondern auch auf die Nachbarn. Trotzdem bilden sich an den Grenzen, die für Pendler geöffnet bleiben sollen, lange Staus. Die Polizei schickt Touristen zurück. Die Niederländer selbst sind mit dem Krisenmanagement ihrer Regierung ganz zufrieden und warten geduldig auf die angekündigten Staatshilfen und Unterstützungen. Denn auch die sonst stabile niederländische Volkswirtschaft schwächelt: In der Blumenbranche etwa sind mehr als eine Million Arbeitsplätze in Gefahr, weil der Absatz komplett eingebrochen ist. Weil niemand mehr die Blumen kaufen wollte, mussten die sogar geschreddert werden. Und auch die Landwirtschaft fordert einen Hilfsfonds: Weil viele Restaurants und Fritterien geschlossen sind, werden kaum noch Pommes Frites verzehrt. Der Preis für ein Kilo Frittierkartoffeln ist deshalb auf nur noch 1 Cent gesunken.
Autorin: Gudrun Engel

Polen: Pfadfinder helfen mit Gemeinschaftssinn

Schlange Stehen: So ist das Einkaufen in Corona-Zeiten. Der 26-jährige Stanislaw Matysiak ist Pfadfinder und steht sich die Beine in den Bauch - für andere. Er hatte über einen Aushang seine Hilfe angeboten. Nun betreut er zwei ältere Frauen, die selber nicht einkaufen gehen können, weil sie zur Risikogruppe gehören. „Ich freue mich, dass ich jemandem helfen kann. Dass ich mich in dieser schwierigen Zeit irgendwie einbringen kann. Das Gute zu verbreiten ist wichtig“, sagt Stanislaw. Allein in Warschau gibt es mehr als tausend Pfadfinder. Viele von ihnen bieten ihre Hilfe an  - auch Krzysztof Okuniewski. Er stellt Masken her. Gemeinsam mit einer Kollegin bis zu 100 Stück am Tag, die sie dann an Krankenhäuser, Polizei oder auch Kinderheime verteilen.
Autor: Olaf Bock

Dänemark: Erste Lockerungen nach Lockdown

"Das passt noch nicht zu dem Gefühl von uns Eltern, die wir ja gerade jetzt unsere Kinder beschützen wollen", sagt der Däne Tomas Albeck, als er seine zehnjährige Tochter wieder zur Schule bringt.  Als erstes Land Europas, das sich in der Coronavirus-Krise zu einem Lockdown entschlossen hatte, öffnete die dänische  Regierung Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen bis zur fünften Klasse wieder. Trotz einiger Bedenken. Von Normalität lässt sich aber in Kopenhagen noch nicht sprechen, die Auflagen sind streng und nicht für alle umsetzbar. So muss in den Klassenräumen zwischen den Tischen ein Abstand von mindestens zwei Metern bestehen, die Kinder müssen sich alle zwei Stunden die Hände waschen. Ist das Land mit dieser schrittweisen Lockerung ein Positivbeispiel auch für Deutschland? Die Grenzen zum Nachbarland allerdings sollen bis zum 10. Mai weiterhin geschlossen bleiben.
Autor: Christian Stichler

Schweden: Der andere Weg durch die Corona-Krise

Die Geschäfte geöffnet, Restaurants, Cafés und Kneipen gefüllt: Schweden geht seit Beginn der Corona-Pandemie einen anderen Weg als fast alle europäischen Länder. Die schwedische Regierung setzt auf Freiwilligkeit beim Schutz gegen die Viruserkrankung und gewährt viele Freiheiten. Geschützt werden sollen nur ältere Menschen und Risikopatienten. Aber wie geht es den Menschen in Stockholm und auf dem Land damit? Die Nationale Gesundheitsbehörde verteidigt den Kurs des Landes: "Wir haben bisher noch keine Belege oder Hinweise gefunden, die darauf hinweisen, dass Schulschließungen als Teil der Strategie sinnvoll sind, sagt Johan Carlson, der Direktor der Behörde. Sein Land bleibt weiterhin bei dem liberalen Kurs im Umgang mit dem Virus. Aber es soll nun deutlich mehr getestet werden.
Autor: Christian Stichler

 

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