Weltbilder

Dienstag, 15. Oktober 2019, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 17. Oktober 2019, 01:45 bis 02:15 Uhr

Weltbilder-Moderatorin Julia-Niharika Sen

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Japan: Frauen organisieren sich gegen Grabscher

Hier zeigt sich das unerträgliche Gesicht der japanischen Gesellschaft: das Phänomen des Grabschens. Ein Land in dem manche Pärchen öffentlich nicht Händchen halten – doch gleichzeitig der Grabscher einen eigenen Begriff hat: der Chikan. Sogar in der Popkultur, etwa in Comics, ist das Grabschen angekommen: Schulmädchen werden als hilflose Opfer von Grabscher abgebildet. Die Realität ist von den Zeichnungen nicht weit entfernt: Fast jede Japanerin kann von solchen Erfahrungen berichten, beispielsweise in den überfüllten U-Bahnen Tokios, in denen Menschen dicht an dich gedrängt zur Arbeit fahren. Dass sich eine Frau zur Wehr setzt – die absolute Ausnahme.

Simbabwe: Großmütter als Psychologinnen

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Quiz: Was wissen Sie über Simbabwe?

Sie kennen sich aus mit Themen rund um Simbabwe? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz! Mit etwas Glück gewinnen Sie Überraschungs-Souvenirs unserer Korrespondenten. Quiz

Viele Menschen in Simbabwe leiden unter Depressionen. Die Gründe sind vielfältig. Geschätzte 80 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Vor einigen Jahren gab es eine Super-Inflation und bis heute kaum Besserung. Lange Schlangen an den Tankstellen sind alltäglich. Benzin ist teuer und knapp, so wie viele Dinge des täglichen Lebens. Politische Demonstrationen enden oft in Gewalt - auch von Seiten der Polizei und Armee. Geschätzt jeder Vierte in Simbabwe hat psychische Probleme, erklärt Hausfrau und Großmutter Grace Choga. Doch pro halbe Million Einwohner gibt es nur einen Psychiater oder Psychotherapeuten. Grace Choga will deshalb helfen, hat sich als schulen lassen. Freundschaftsbank nennt sich das Projekt. Auf den Freundschaftsbänken kümmern sich nun Großmütter um die Sorgen der Menschen. 400 sind es inzwischen landesweit. Eine deutsche Psychologin ist eine der Gründerinnen des Projekts. „Wichtig ist auch, dass die Geschichten unserer Patienten uns selbst nicht zu sehr belasten“, erklärt sie den Großmüttern. Die allerdings sagen, dass sich ihr Lebensgefühl sogar verbessert hat, seit sie als Beraterinnen arbeiten.
Autor: Thomas Denzel

Brasilien: Das Ende des Zölibats im Amazonas?

Derzeit sind die Mitarbeiter des Indigenen Missionsrates der katholischen Kirche im Amazonas schwer beschäftigt. Sie ziehen durch das Land und befragen Urwaldbewohner zu ihren sexuellen Gewohnheiten und zur Kirche. Es geht vor allem um ein Thema: Den strengen Regeln der Kirche in Bezug auf das Zölibat. Die meisten Menschen im Amazonas sehen diese alte Tradition kritisch. Nach der Befragung wird der Abschlussbericht zur ersten Amazonas-Synode von Papst Franziskus im Vatikan entgegengenommen und schon jetzt ist klar, was von den südamerikanischen Bischöfen in Rom wohl gefordert wird: nicht weniger als das Ende des Zölibats. Es könnte die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Der Grund für den revolutionären Vorstoß aus Brasiliens Regenwald ist einfach: Im Amazonas ist der Mangel an Priestern extrem. Die Kirche findet einfach keinen Nachwuchs. So könnte es passieren, dass der Papst auf der Amazonas-Synode erstmals Verheiratete als "katholische Agenten" zulässt, die die Eucharistie und Salbung durchführen dürfen.
Autor: Matthias Ebert

Mexiko: Viele Tote können nicht identifiziert werden

40.000 Menschen gelten in Mexiko als vermisst. Die meisten wurden wohl Opfer eines Gewaltverbrechens. Immer wieder findet die Polizei Massengräber, manchmal nur mit verkohlten Resten menschlicher Körper. Die Identifizierung geht sehr schleppend voran. Zurück bleiben verzweifelte Angehörige, die keinen Frieden ohne Gewissheit finden. Vor dem Rechtsmedizinischen Institut in Guadalajara fordern Familien Antworten vom Staat. Wer sind die Toten, die hier seit Jahren liegen? Leticia Noriega erklärt: "Ich durchlebe die Hölle, heute vor vier Jahren ist mein Sohn verschwunden. Ich bekomme keine Antwort auf meine Fragen. Neue Hoffnung bringt Besuch aus Deutschland. Die Menschenrechtsbeauftrage der Bundesregierung ist gekommen - zusammen mit zwei Frankfurter Rechtsmediziner. Sie erwartet ein gruseliger Arbeitsplatz: Regale voller Gewaltopfer. 600 sind es insgesamt. Ein halbes Jahr werden sie die Mexikaner bei der Arbeit unterstützen. Jeden Tag kommen weitere Tote hinzu. Um die Masse zu bewältigen fehlt Personal und Technik. Die Rechtsmediziner wissen, sie werden ein Ausmaß an Gewalt sehen, dass sie so nicht kennen.

Polen: Als Putzfrau nach Deutschland. Lohnt das?

Hunderte Polinnen aus der Grenzregion pendeln täglich nach Deutschland, um hier zu putzen. Eine von ihnen ist Joanna Hein aus Słubice. Joanna hat zwei Kinder. Wenn alles gut läuft, ist sie in zwölf Stunden wieder Zuhause. Im Zug organisiert sie das Familienleben. "Machen wir uns nichts vor. Die Pendelei zehrt an den Nerven, wenn die Züge ausfallen, fahren wir schon mal drei Stunden zur Arbeit. Die Familie und die Kinder leiden darunter." Seit sieben Jahren putzt Joanna in Berlin. Sie ist Teamleiterin im Hotel Capri am Alex. Ihr Job ist es, die Zimmer nur zu kontrollieren, die die Zimmermädchen sauber machen. Aber weil diese unter großem Zeitdruck stehen, wischt sie oft selbst. 12 der 14 Putzfrauen hier kommen aus Polen. Sie verdienen 10,56 Euro pro Stunde. Die körperliche Arbeit und Zeitdruck machen den Job für Deutsche unattraktiv. Joanna, die in Polen als Verkäuferin gearbeitet hat, ist hin- und hergerissen, ob der doppelte Lohn den sie in Deutschland verdient, die Plackerei wert ist.
Autorinnen: Katharina Zabrzynski, Agata Horbacz

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