Weltbilder

Dienstag, 27. Februar 2018, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 01. März 2018, 01:55 bis 02:25 Uhr

Weltbilder Moderatorin Inka Schneider.

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Mexiko: Heilige Wunder durch Dynamit

In San Juan de la Vega ist es einmal im Jahr Tradition das Männer einen sehr großen Hammer mit Dynamit bestücken und damit auf ein Stück Metall schlagen. Ohrenbetäubende Explosionen sind die Folge, mitunter fliegen Splitter, Männer verletzen sich und machen es dennoch gleich nochmal. Warum nur? Das wissen sie eigentlich auch nicht. Weil man das so macht und um den Ortsheiligen zu beeindrucken. Und wenn's gut läuft, dann fliegen die Fetzen derart, dass der Heilige Juan ein kleines Wunder geschehen lässt und dann wird jemand aus der Familie gesund. Das man dafür selbst einen Finger verliert ist schon vorgekommen und vermutlich eine Logik, die sich nur Männern erschließt. Frauen wurden dort jedenfalls nicht gesehen.
Autorin: Xenia Böttcher

Irak: Die Waisenkinder von Mossul

Drei Jahre herrschte die Terrororganisation IS in Mossul. Heute liegen ganze Stadtviertel in Trümmern. Knapp 3.000 Leichen wurden schon geborgen. Weit mehr dürften noch unter Schutt und Asche liegen. Hinzu kommen zahllose Minen. Für viele ist an Rückkehr in ihre alte Heimat nicht zu denken. 750.000 Kinder haben in der zweitgrößten Stadt des Irak laut UNICEF keinen Zugang zu medizinischen Einrichtungen. Viele Kliniken sind noch immer nicht in Betrieb. In einem Waisenhaus werden auch Kinder groß, die aus Vergewaltigungen von Jesidinnen durch IS-Kämpfer entstanden sind. Die Mütter mussten sie abgeben, um nicht selbst in Lebensgefahr zu geraten. Andere Kinder wurden vom IS entführt: "Nach jahrelanger Gehirnwäsche hassen sie jetzt irakische Polizisten oder Soldaten und singen IS-Lieder", berichtet ein Mann - er hat im Waisenhaus Neffen und Nichte wiedergefunden. Es sind berührende Schicksale von Babys und Kindern an einem bedrückenden Ort, der für sie Hoffnung bedeutet.
Autor: Daniel Hechler

USA: Nach dem Massaker von Parkland

Vor fast zwei Wochen tötete ein 19-Jähriger in einer Schule in Florida 17 Schüler. Anders als bei früheren Schulmassakern hat diese brutale Tat eine beispiellose Protestbewegung in Gang gesetzt: Denn Schüler aus Parkland in Florida forderten lautstark schärfere Waffengesetze und organisierten ihren Protest über soziale Netzwerke. Nun hat ausgerechnet eine der Parkland-Schülerinnen auf Twitter mehr Follower als die mächtige Waffen-Lobby NRA: Emma Gonzales hat als "Emma4Change" mehr als 921.000 Follower. Die NRA kommt nur auf 582.000. Das Parkland-Massaker ist in vielerlei Hinsicht beispiellos: Rechte Verschwörungstheorien machen die Runde, die Waffenlobby gerät erstmals unter Druck und US-Präsident Trump wirbt für die Idee, Lehrer an Schulen zu bewaffnen. Zum ersten Mal, seit der Attentäter am 14. Februar in dem Schulgebäude um sich geschossen hatte, öffnete die Highschool jetzt wieder ihre Türen.
Autorin: Claudia Buckenmaier

Kältewelle in Europa

Seit Freitag mindestens acht erfrorene Menschen in Polen, in Rom legt heftiger Schneefall das öffentliche Leben lahm, Verkehrschaos in Bulgarien: Kälte, Schnee und Eis haben große Teile Europas im Griff. In Polen waren die Temperaturen am Wochenende auf minus 20 Grad gesunken, vor allem Obdachlose sind der Kälte teilweise schutzlos ausgeliefert, es gab mehrere Tote. Die italienische Hauptstadt Rom zeigt sich von einer ungewöhnlichen weißen Decke überzogen, Schulen und Kindergärten bleiben geschlossen. Auch das Kolosseum ist für Besucher nicht zugänglich. In Bulgarien ist vor allem die für den Transitverkehr bedeutsame Europastraße betroffen. Bei Eis und Schnee stauen sich hier Lkw, es gibt kein Vorankommen, Behörden haben die höchsten Warnstufen ausgerufen. Auch in Schweden, Frankreich oder Kroatien haben die Menschen mit dem heftigen Winterwetter zu kämpfen. Und in den nächsten Tagen ist keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil - Meteorologen rechnen mit heftigen Schneefällen und weiter sinkenden Temperaturen.
Autor: Hendrik Backhus

Italien: Macerata nach dem Attentat

Seit ein Rechtsextremer auf afrikanische Flüchtlinge geschossen hat, ist Marcerata eine gespaltene Stadt. Der 28-Jährige hatte Anfang Februar aus einem fahrenden Auto das Feuer eröffnet. Tage nachdem seine Schüsse sechs Männer verletzt hatten, zog ein Mob rechtsextremer Demonstranten durch die Kleinstadt. Doch das Thema Macerata blieb nicht in Macerata, sondern hat den ganzen italienischen Wahlkampf verändert. Es geht um Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die Rolle der Politik - statt der drängenden Themen Bankenkrise, Arbeitslosigkeit oder Staatsschulden. Am 4. März sind Parlamentswahlen, bis dahin rechnet die Polizei bei angekündigten Großdemonstrationen mit Gewalt von links und rechts. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt.
Autorin: Katja Rieth

Russland: Akkordarbeit bei minus 58 Grad

Am liebsten mag Mischa Temperaturen von minus 45 Grad und kälter. Er gehört zu den "Wuimorostschiki", die im eisigen Winter Jakutiens mit einer Motorsäge eingefrorene Lastschiffe auf dem Fluss Lena freilegen, um dann Ruderanlagen und Schiffsschrauben auszutauschen und zu reparieren. Es ist ein Knochenjob, und gefährlich dazu: Denn wer zu tief ins Eis sägt, riskiert, dass die über Wochen ausgehobene Eisgrube wieder geflutet wird. Immer wieder bohren die Männer daher Löcher ins Eis, um dessen Dichte zu überprüfen. Die Republik Jakutien ist fast so groß wie die gesamte europäische Union, dort leben aber weniger als eine Million Menschen. Nur über den Strom Lena, einen der längsten Flüsse der Welt, können die Menschen in den entlegenen Landesteilen mit Kohle, Öl und Lebensmitteln versorgt werden. Doch die Lena ist nur wenige Monate im Jahr eisfrei. Diese kostbare Zeit aber will die jakutische Schifffahrt-Gesellschaft nicht für Reparaturen opfern. Darum müssen die Wuimorostschiki ans Werk. Trotz Eiseskälte - hier klagt kaum einer über seinen Job. 
Autor: Udo Lielischkies

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