Weltbilder

Dienstag, 20. Februar 2018, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 22. Februar 2018, 01:45 bis 02:15 Uhr

NDR-Moderatorin Inka Schneider.

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Großbritannien: Älteste Ballerina der Insel

Barbara Peters tanzt seitdem sie laufen kann. Mit 19 Jahren wurde sie an der prestigeträchtigen Royal Academy of Dance angenommen. Doch ihr Examen legte sie vor 58 Jahren auf Eis, als sie sich einen Arm brach. Dann kamen die Kinder und die Familie dazwischen. Aber das Ballett hat sie nie ganz losgelassen. Seit Jahrzehnten bringt Barbara dem Nachwuchs das kleine und große Plié bei. Tochter Claire war es nun, die Barbara überredete, die Prüfung mit 80 Jahren zu vollenden: "Ich habe sie eigentlich das erste Mal so richtig tanzen sehen am Abend vor ihrer Prüfung. Ich sollte ihre Choreographie filmen, damit sie überprüfen konnte, ob alles perfekt aussieht. Es war ein so berührender Moment: Ich sah sie tanzen wie eine wahre Tänzerin. Nicht wie eine Lehrerin." Barbara tanzt auch im fortgeschrittenen Alter voller Anmut. Mit 80 Jahren hat sie mit Jahrzehnten Verspätung ihr Diplom absolviert. Einen Monat lang jeweils zwei Stunden am Tag hat sie dafür trainiert. Am Ende mit Auszeichnung bestanden. Sie ist damit die älteste Ballerina Großbritanniens.
Autorin: Julie Kurz

Mexiko: Raus aus der Armut, rein in die Genossenschaft

Früher machten im Bundesstaat Chiapas die Zwischenhändler das große Geld mit Kaffee. Die Plantagenarbeiter mussten sich mit einem Hungerlohn zufrieden geben. Diese Ungerechtigkeit hat nun ein Ende. Indigene Familien, die Kaffee anbauen, haben sich zusammengeschlossen und eine Genossenschaft gegründet. Sie erstellen aus ihren eigenen Bohnen eigenen Kaffee - ganz ohne Zwischenhändler. Schulungen in Finanzen und Verkauf gehören ebenso zum Konzept. Und Frauen sind in der Genossenschaft gleichberechtigte Partner. Sie sind stolz darauf, alle Entscheidungen selbst zu treffen und dass die eigene Meinung zählt. Das eigene Einkommen verhilft den Frauen zu neuem Selbstbewusstsein. Die Gemeinschaft hilft den indigenen Familien in Chiapas in vielleicht kleinen, aber sehr bedeutenden Schritten auf dem Weg in ein besseres, selbstbestimmtes Leben.
Autorin: Xenia Böttcher

Italien: Nachwuchsgangs der Mafia

Ein Fußballplatz ist sein ganzer Stolz. Bruno Mazza kümmert sich seit Jahren um den sportlichen Nachwuchs. Viele der Kinder hier lernen erst durch das Spiel, dass es Regeln gibt, wie Respekt und friedliches Zusammensein. Denn Caivano, ein Außenbezirk von Neapel, ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit, Gewalt und Drogen. "Die Kinder bekommen zu Hause alles mit. Sie müssen zuschauen, wie der Vater als Drogenhändler auf dem Wohnzimmertisch seine Ware für den Straßenverkauf verpack", so Bruno Mazza. Eine Alternative zum trostlosen Milieu - das möchte der 37-Jährige den Kindern und Jugendlichen in Caivano bieten. Ein kleiner Container dient ihm als Büro für seinen Sportverein. Bruno hat früher selbst für die Drogenbosse gearbeitet, war deshalb elf Jahre im Gefängnis. Sein Bruder starb an einer Überdosis. Dieses Schicksal will er den Jugendlichen hier ersparen. Nicht gerade einfach, denn abends und nachts kommen die Drogensüchtigen bis auf den Sportplatz. Mit seinem Engagement steht Bruno ziemlich allein gegen die Mafia.
Autor: Philipp Zahn

Indien: Partnerbörse für Behinderte

Achla Maggo ist 30 Jahre alt. Mehr als 20 Jahre ist sie schon querschnittgelähmt. Kein einfaches Leben für sie und ihren Mann Deepak in Indien. Doch ihre kleine Erdgeschosswohnung in Delhi haben sie zu einer behindertenfreundlichen Insel ausgebaut. Hier kommen sie ohne fremde Hilfe zurecht. Sie haben sich über Facebook kennengelernt, vor einem Jahr geheiratet. In Indien werden noch immer viele Ehen von den Eltern arrangiert. Das ist bei Behinderten kaum möglich. Die üblichen Netzwerke wie Großfamilie und Freunde helfen nicht weiter. Behinderungen gelten als Stigma. Am Abend ist Achla Maggo Gast bei einer Party. Einer Art Singlebörse für Behinderte. Achla ist eine der wenigen hier, die verheiratet ist. Aber sie will einfach mal mit Menschen zusammen sein, die ein ähnliches Schicksal haben wie sie. Und beim Karaoke richtig ausgelassen feiern. Solche Veranstaltungen sind ganz neu in Indien. Viele Behinderte trauen sich aus Scham nicht in die Öffentlichkeit, werden von ihren Familien regelrecht versteckt. Die wenigsten Behinderten in Indien haben deshalb einen Partner. Nach der Party geht es für die meisten wieder zurück in die Einsamkeit. Auf Achla wartet zuhause ihr Mann. So viel Glück haben nicht viele Behinderte in Indien.
Autor: Peter Gerhardt

Indonesien: Zwischen Hijab und Heavy Metal

Es ist eine Geschichte wie aus einem Hollywoodfilm: Drei muslimische Schulmädchen - Töchter von Reisbauern - aus der tiefsten Provinz Javas entdecken den Heavy Metal. Jetzt werden die Newcomer in Indonesien zu kleinen Stars. Selbst dem Szene-Magazin "Metal Hammer" ist ihre Band Voice of Baceprot schon aufgefallen. "Baceprot" bedeutet in ihrem Heimatdialekt "laut" - und das sind sie mit Coversongs von Metallica bis Rage Against The Machine sowie mit eigenen Metal-Kompositionen. Im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde gewinnen Konservative immer mehr an Einfluss. Doch die 16- und 17-jährigen Mädchen lassen sich weder von Dogmen noch von Stereotypen aufhalten. Weltbilder-Korrespondentin Sandra Ratzow hat die aufstrebende Metal-Band auf ihrem allerersten Flug begleitet - zu einem ihrer Konzerte nach Bali.
Autorin: Sandra Ratzow

Niederlande: Amsterdam ist "Fahrradhauptstadt"

In der niederländischen Metropole gibt es mittlerweile mehr Fahrräder als Einwohner. Fast 900.000 Drahtesel kurven durch die Grachtenstadt. Die Niederländer und ihr Rad - eine Liebesbeziehung, vom Staat gefördert. So gibt es in Amsterdam spezielle Straßen, auf denen Autos nur "Gast" sind und Fahrradfahrer immer Vorfahrt haben. Und die vielen Fähren der Stadt sind für Radfahrer kostenlos. Einen Haken hat das Ganze aber: Es gibt zu wenig Parkplätze für die Drahtesel und wer sein Fahrrad unrechtmäßig abstellt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Im schlimmsten Fall wandert das Rad sogar in den "Knast", Kaution 25 Euro. Trotzdem: In Zeiten von Dieselfahrverboten auch ein Vorbild für deutsche Großstädte?
Autor: Markus Preiß

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