Sendedatum: 16.12.2019 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Westerholz

von Carsten Prehn

Die Gemeinde Westerholz vereint seit der Gebietsreform 1971 zwölf Ortsteile. Heute leben knapp 750 Einwohner hier: Auf 15 Quadratkilometern verteilen sich reetgedeckte Bauernhöfe, Siedlungen und Neubaugebiete.

Wahrzeichen thront über der Gemeinde

Über dem Ort thront die weiß getünchte Windmühle "Steinadler", die auch von See aus nicht zu übersehen ist - denn Westerholz liegt direkt an der Flensburger Außenförde. Die 1876 erbaute Mühle ist Norddeutschlands größter Galerieholländer. "Bis 1960 war sie in Betrieb, dann wurde sie zum Hotel mit Restaurant umgebaut", erzählt Altbürgermeister Jürgen Bachmann, "und dann haben vier Generationen damit pleite gemacht." Nun warten die Dorfbewohner ab, was mit ihrem Wahrzeichen passiert.

Dörpshus als Ortszentrum

Neuer Dorfmittelpunkt ist das Dörpshus am Feuerwehrgerätehaus. Hier tagt die Gemeindevertretung, montags probt die Chorgemeinschaft und alle Bürger können den Raum für Veranstaltungen nutzen. Die Feuerwehr organisiert jedes Jahr das traditionelle Waldfest, Abgrillen wie Anpunschen und das gemeinschaftliche Müllsammeln. "Und 24 Stunden, sieben Tage die Woche halten wir uns bereit, um zu löschen!", betont Wehrführer Lars Renken.

Der "Balkon zur Förde"

Wer zwischen Mühle und Dörpshus zum Strand fährt oder spaziert, der bremst automatisch um das Panorama zu genießen. "Deswegen nennt man Westerholz den Balkon zur Förde", erklärt Hadi Riewerts, stellvertretender Bürgermeister. Durch den Nieselregen hindurch ist am Horizont das dänische Ufer zu sehen. Früher gab es in Westerholz Ziegeleien, eine Mosterei und eine Bürstenbinderei, doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Nur noch drei Höfe betreiben Landwirtschaft im Vollerwerb, seit der Tourismus an Bedeutung gewonnen hat. Nach fast 100 Jahren Rinderzucht sattelt Familie Nissen vom Hof Dollerupholz nun langsam um: vom Angler Rind auf's Huhn. Rune Nissen hat seinen Bachelor als Landwirt in der Tasche und will den elterlichen Betrieb fit machen für die Zukunft. Die Lösung heißt "Höhnermobil". Mobile Ställe, die über die Koppel gezogen werden, damit die Hühner immer frisches Gras zupfen können; was wiederum der Qualität der Eier zugutekommt.

Inspiration für Künstlergruppe

Westerholz hat eine abwechslungsreiche Landschaft und lauter schöne Ansichten zu bieten. Deshalb blieb der Expressionist Erich Heckel, Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke", hier. Im Ortsteil Osterholz kaufte er eine Kate mit Fördeblick, wo er 30 Jahre lang während der Sommermonate malte. Zwei Häuser weiter lebt die Malerin Ute Jessen-Stößer, die das Werk ihres berühmten Kollegen sehr schätzt. Aber sie selbst arbeitet anders: abstrakt, mit Naturmaterialien. Doch auch sie lässt sich von der Küstenregion, ihrem Licht und den Farben inspirieren.

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Etwas älteres Paar sitzt auf dem Sofa und schaut Fernsehen. © goodluz/fotolia Foto: goodluz

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.12.2019 | 19:30 Uhr