Sendedatum: 19.11.2018 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Bramstedtlund

von Karin Henningsen

Die Gemeinde Bramstedtlund hat gleich zwei Grenzen: Die etwa 220 Einwohner leben zum einen direkt an der deutsch-dänischen Landesgrenze, aber auch an der Kreisgrenze zwischen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland. Im Ortsteil Pepersmark ist der Grenzübergang nach Dänemark - hier wehen zur Zeit Hunderte von Fähnchen, die den Verlauf des geplanten "Wildschweinzauns" markieren.

Bundesnachrichtendienst mitten im Ort

In dem Ort gibt es eine riesengroße Besonderheit: Eine Abhöranlage der Bundeswehr, die auch vom deutschen Nachrichtendienst genutzt wird. "Alles top secret", sagt die Bürgermeisterin Rosemarie Lorenzen. Sie war selber noch nie in dem Gebäude, glaubt aber, dass es bis zu fünf Stockwerke tief in die Erde geht: "Nur die Mitglieder unserer Feuerwehr sind ab und zu mal drin", sagt sie, "die müssen ja die Räumlichkeiten kennen, falls sie mal zu einem Einsatz gerufen werden." Die Folgen für ihre Gemeinde: Keine Metalldächer und keine Windparks in unmittelbarer Nähe, manchmal stören elektrisch geladenen Weidezäune und sie müssen eine Art unbebauten "Sendekorridor" in Richtung Osten freihalten.

Bramstedtlund: Von Kunst bis Abhörtechnik

Kutschfahrt mit Handicap

Das ist aber lange noch nicht die einzige Besonderheit in Bramstedtlund. Die Bürgermeisterin ist nämlich auch Trainerin für Menschen, die Kutsche fahren. Eine ihrer Schülerinnen ist Maren Scheel, die nach einem Unfall seit zehn Jahren querschnittsgelähmt ist. Gemeinsam haben sie eine Kutsche so umgebaut, dass die junge Frau über eine Rampe mit ihrem Rollstuhl auf dem Bock fahren kann. So hat sie es schon bis zu den Deutschen Meisterschaften geschafft.

Seifen und Töpferkunst

Auch in Sachen Kunsthandwerk ist der Ort bemerkenswert: Bettina Plettenberg hat hier ihre Seifenküche eingerichtet. In einem malerischen, bunten Haus voller schöner Dinge kocht sie Seifen aus Naturfetten. Angereichert mit natürlichen Ölen bekommt jedes Stück einen besonderen Namen, eine besondere Form und besondere Farben. Früher hat sie ihre Produkte auf Märkten verkauft, heute kommen die meisten Kunden direkt zu ihr. Und die Töpferin Christel Burmeister-Gronau hat sich in Bramstedtlund mit ihrer Werkstatt niedergelassen. Sie versucht, Kunst und Handwerk so zu verbinden, dass sie von dem Verkauf von handgemachten Urnen leben kann, aber auch Einzelteile für Kunstausstellungen töpfert. Das Fazit: viele, spannende Geschichten in einem kleinen Ort an der Grenze.

Weitere Informationen

Dorfgeschichten aus Schleswig-Holstein

Hier sehen Sie alle Beiträge der letzten zwölf Monate aus unserer Rubrik "Dorfgeschichten". mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.11.2018 | 19:30 Uhr