Stand: 10.08.2020 12:00 Uhr

Otto Peltzer, bekannt als "Otto der Seltsame"

von Karl Dahmen

Der junge Otto Peltzer wird von anderen Männern geschultert. © NDR Foto: Screenshot
Der Schleswig-Holsteiner Otto Peltzer war ein begnadeter Läufer. Er stellte mehrere Weltrekorde auf.

Als er auf der Zuschauertribüne des Olympiastadions 1968 in Berlin bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften saß, wird ihn kaum einer gekannt haben - Otto Peltzer. Dabei ist er einmal ein absoluter Weltstar gewesen, der zeitweise vier Weltrekorde hielt. In den USA jubelten ihm bis zu 50.000 Zuschauer zu und wenn man in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts Jungs gefragt hat: "Wer möchtest Du gern sein?". Dann antworteten sie oft: "Otto Peltzer", wie der Journalist Sebastian Haffner in seinen Erinnerungen schreibt. Kaum ein anderes deutsches Sportlerleben ist so von Triumph und Niederlagen, Erfolgen und Tragiken bestimmt, wie das von Peltzer. Er war Sportler, Journalist, Trainer, Schriftsteller und KZ-Opfer.

Peltzer bricht den Weltrekord

Otto Peltzer läuft als erster durchs Ziel. © NDR Foto: Screenshot
Otto Peltzer bezwang den zuvor unbesiegten Finnen Paavo Nurmi über 1.500 Meter und wurde damit ein viel umjubelter Mittelstreckler.

Geboren wurde er 1900 in Ellerbrook, einem Ortsteil von Drage im Kreis Steinburg. Als Kind hatte er Kinderlähmung, trotzdem schaffte er es mit viel Energie, ein überragender Läufer zu werden. Der Höhepunkt seiner Karriere war sicherlich der 11. September 1926. Vor 30.000 Zuschauern in Berlin bezwang er den bis dahin unbesiegten finnischen "Wunderläufer" Paavo Nurmi über 1.500 Meter in neuer Weltrekordzeit. Damit hielt er die Weltrekorde über 500, 1.000, 1.500 Metern und 880 Yards. Er war damals der beste Mittelstreckler der Welt.

Im Nationalsozialismus verhaftet von der SS

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderte sich sein Leben. Zwar trat er zunächst sogar in die NSDAP ein, aber sein Hang zum Widerspruch und die Ablehnung von Funktionären hatten ihn bei den Nazis unbeliebt gemacht. Zudem kamen nun Vorwürfe auf, Peltzer sei homosexuell. Bei den Nazis ein Verbrechen. Dazu kamen Missbrauchsvorwürfe, die Peltzer aber bis an sein Lebensende bestritt. Er wurde dennoch von der SS verhaftet, von Heinrich Himmler persönlich verhört und verurteilt.

Flucht nach Skandinavien und Rückkehr nach Deutschland

Blick durch Stacheldraht auf ein KZ © NDR Foto: Screenshot
Nach seiner Flucht nach Skandinavien musste er nach Deutschland zurückkehren. Grund: seine Aufenthaltsgenehmigung wurde auf Druck der Nazis nicht verlängert.

Schließlich konnte Otto Peltzer zunächst nach Finnland, dann nach Schweden fliehen. Doch als dort seine Aufenthaltsgenehmigung auf Druck der Nazis nicht verlängert wurde, reiste er zurück nach Deutschland. Peltzer wurde verhaftet und nach dem Gefängnis in das Konzentrationslager Mauthausen eingewiesen. Dort machte ihm bereits bei seiner Ankunft der Kommandant mit einem Faustschlag ins Gesicht klar, er würde das Lager nie wieder verlassen.

Peltzer überlebte das KZ und ging nach Asien

Inder stehen vor einem Wagen und Kühe liegen vor ihnen. © NDR Foto: Screenshot
In Indien wurde Peltzer ein verehrter und bewunderter Trainer - sie nannten ihn auch "Vater der indischen Leichtathleten".

Er wurde erniedrigt, gequält und misshandelt - doch dank seiner guten körperlichen Konstitution und mit etwas Glück überstand er das KZ. Nach dem Krieg erfuhr er jedoch, dass die Machtpositionen im Sport mit denselben Leuten besetzt waren wie vor dem Krieg. Sie ließen ihm keine Chance. Er wurde weiter als Homosexueller und nun auch als Kommunist bezichtigt und sollte in der Bundesrepublik nicht Fuß fassen. So ging Otto Peltzer ins Ausland und wurde Trainer in Asien. In Indien gilt er bis heute als "Vater der indischen Leichtathleten" und wird von seinen ehemaligen Schülern verehrt und bewundert.

Zurück in Deutschland: Trainer für indische Läufer

1967 kehrte Peltzer nach Deutschland zurück. In Malente (Kreis Ostholstein) trainierte er indische Läufer auf dem Gelände der dortigen Sportschule. Am 11. August 1970 starb er in Eutin, nachdem er auf einer Sportveranstaltung einen seiner indischen Läufer betreut hatte.

Weitere Informationen
Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Schleswig-Holstein Magazin | 02.06.2019 | 19:30 Uhr