Nordseereport

Abschied vom Winter

Sonntag, 04. März 2018, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 05. März 2018, 01:35 bis 02:20 Uhr

Eine Postkutsche fährt durchs Watt.

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Da stehen sie und warten auf die nächste Saison: 1.500 Strandkörbe trocknen eine Woche lang auf drei Etagen in einer großen Halle. Anschließend machen sich Michael Kratzel und seine Kollegen an die Arbeit. Denn die 500.000 Touristen pro Jahr hinterlassen Spuren auf Norderney. Auch an den Strandkörben. Dazu kommen Sturmschäden, Vandalismus - kurz: die Körbe müssen aufgehübscht werden. Schon das Einsammeln kostet Zeit. Und Kraft. Etwa 70 Kilogramm wiegt ein Exemplar, zumindest, wenn es trocken ist. Etwa 160 Mal müssen Kratzel und sein Team ausrücken, um alle Strandkörbe einzusammeln. Bis Ende März wollen sie fertig sein mit der Arbeit. Dann beginnt endlich die neue Saison, es wird wärmer und es folgt der Abschied vom Winter - wie im nächsten Nordseereport am kommenden Sonntag.

"Sitze auswechseln ist die schönste Arbeit"

Die drei Tischler machen sich  ans Werk. Zuerst begutachten sie jeden einzelnen Strandkorb. Im besten Fall dauert das nur 15 Minuten und das Exemplar ist wieder einsatzbereit. Doch es gibt auch kompliziertere Fälle. Dann kann die Arbeit schon mal bis zu drei oder vier Stunden dauern. Holzleisten müssen ausgetauscht, der Bezug gewechselt und vor allem der ganze Sand hinausgeschüttelt werden. Am Ende fegen die Strandkorb-Doktoren etwa 300 Kilogramm Sand aus ihrer Werkhalle, der sich in den Ritzen und Polstern der Möbelstücke gesammelt hat. "Das Auswechseln der Sitze ist die schönste Arbeit", sagt Kratzel, "da kann man wenigstens sitzen." Bei den aussichtslosen Fällen hilft nur noch ein Austausch. Etwa 100 neue Körbe werden pro Saison am Strand von Norderney aufgestellt.

Sisyphos-Arbeit in den Dünen

Am Strand von Hvide Sande kämpft Hanne Jensen einen nahezu aussichtslosen Kampf. Jeden Tag ist sie unterwegs, um Strandhafer zu pflanzen. Mit Hilfe eines Spatens, ihrer Hände und Füße gräbt sie die Pflanzen in den Sand. Jeden Tag. Das zähe und anspruchslose Dünengras soll verhindern, dass der heftige Wind, der häufig an der Küste pfeift, den Sand abträgt. Denn ohne die Dünen würden die Wellen der Nordsee im schlimmsten Fall den Ort Hvide Sande überfluten. Jensen hat diese Aufgabe vor 30 Jahren übernommen. "Es ist sehr wichtig, dass die Arbeit gemacht wird", sagt Jensen. Es ist eine Art Familientradition: Das Amt des Dünenvoigtes wird von Generation zu Generation weitergegeben. Nur wird es immer schwerer, eine oder einen Nachfolger zu finden – trotz des Erfolgsgeheimnisses von Jensen: "Wenn Du schlechte Laune hast, geh raus. Geh arbeiten!", sagt sie.

90 Minuten Fahrt für 40 Insulaner

Die hartgesottenen Strandhafer-Gärtner trotzen Tag für Tag den Elementen - genau wie die Postboten der Insel Neuwerk. Zwei Mal in der Woche machen sich Kutscher und Postbote auf den Weg, denn das Postschiff ist immer nur bis Oktober im Einsatz. Danach sind die Pferde an der Reihe. Etwa 90 Minuten braucht das Gespann von Cuxhaven-Duhnen bis auf die Insel, auf der etwa 40 Menschen leben. Nur bei Eis bleiben die Pferde im Stall. Die Orientierung auf dem Weg ist nicht einfach, denn die Route verändert sich ständig durch neue Sandbänke und neue Prile. Doch der etwas abenteuerliche Weg zur Arbeit hat auch sein Gutes: Die traumhafte Landschaft und die Ruhe dürfen die beiden Postkutscher jeden Tag aufs Neue genießen. "So langsam in den Sonnenaufgang hineinzufahren und das Watt für sich allein zu haben, das ist schon toll", sagt Kutscher Jan Brütt.

Ein Mahl für Fremde

Neues gibt es natürlich auch noch im neuen Nordseereport zu sehen. Die Vorbereitungen in Katwijk auf die neue Sommersaison laufen an: Vor allem die beliebten bunten Strandhäuschen müssen deshalb auf Vordermann gebracht werden. Ein Team ist außerdem zu Gast bei Oli Rubeksen auf den Faröer Inseln und begleitet ihn, wie er ein Mahl für völlig Fremde kocht - ein alter Brauch auf der Insel. Und: In Neuharlingersiel wird Fischer Willi Jacobs ein Besuch abgestattet, der in seinem Leben bereits die eine oder andere Sturmflut überstanden hat. Im Nordseereport erzählt er, wie es ihm mit Sturm "Herwart" ergangen ist.

Leitung der Sendung
Andrea Lütke
Redaktionsleiter/in
Angela Sonntag
Moderation
Laura Lange
Produktionsleiter/in
Thomas Kay