24-Stunden-Kitas

Wenn Eltern nachts arbeiten

Samstag, 20. Oktober 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Die gemeinsame Zeit zu Hause ist kostbar. © NDR, honorarfrei

24-Stunden-Kitas - Wenn Eltern nachts arbeiten

DIE REPORTAGE -

Immer mehr Deutsche arbeiten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten - darunter viele Eltern. Doch wer betreut das Kind, wenn Mutter und Vater gleichzeitig Spätdienst haben?

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Immer mehr Deutsche - darunter viele Eltern - arbeiten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten: abends, nachts oder am Wochenende. Doch wer betreut das Kind, wenn Mutter und Vater gleichzeitig Spätdienst haben? Oder sonnabends arbeiten müssen?

Bund unterstützt Einrichtungen finanziell

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Zähne putzen in der Kita: Die Eltern von Ida und Lindsay arbeiten im Schichtdienst. Deshalb schlafen die Mädchen regelmäßig in einer 24-Stunden-Kita.

Das Betreuungsangebot vieler Krippen und Kitas hinkt den sich verändernden Anforderungen der Arbeitswelt hinterher. In den meisten Einrichtungen werden Kinder nur tagsüber und werktags betreut. Solche Betreuungszeiten helfen Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, nicht weiter. So ist die Organisation der Kinderbetreuung für Busfahrer und Ärztinnen, Fotografen und Kassiererinnen tagtäglich eine riesige Herausforderung, mit der die meisten Eltern bisher alleingelassen wurden. Seit 2016 entstehen nun - finanziell gefördert vom Bund - mehr und mehr 24-Stunden-Kitas, in denen Kinder rund um die Uhr betreut werden können. Auch am Wochenende. Doch dieses Betreuungsmodell ist nicht unumstritten.

Die Reportage begleitet unter anderem die Rettungssanitäterin Merle und den Notfallsanitäter Jérôme. Ihre Tochter Ida ist ein Jahr alt. "Wir hängen beide an dem Job, wir machen den Job gerne und wir wollten es uns einfach nicht nehmen lassen, trotzdem ein Kind zu haben", erklärt Jérôme. Denn die Arbeitszeiten des Hamburger Paares sind nur schwer mit dem Familienleben zu vereinbaren - und schon gar nicht mit den üblichen Öffnungszeiten von Krippen und Kitas. Merle und Jérôme arbeiten im Zweischichtsystem: zwölf Stunden tagsüber von 7 Uhr bis 19 Uhr, oder zwölf Stunden nachts von 19 Uhr bis 7 Uhr. Häufig haben sie gemeinsam Tag- oder Nachtschicht. Und wohin dann mit Ida?

Eltern sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert

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Idas Eltern sind Rettungssanitäter. Sie arbeiten entweder zwölf Stunden in der Tag- oder zwölf Stunden in der Nachtschicht.

Die Lösung: Ida wird in einer 24-Stunden-Kita betreut. Dort kann sie auch übernachten. Merle und Jérôme haben sich das sehr gut überlegt, Ida geht es gut. Doch immer wieder stoßen die jungen Eltern auch auf Unverständnis. "Dann kommen auch wirklich Vorwürfe, die einen selber sehr verletzen, dass man sein Kind mit diesem Platz in der 24-Stunden-Kita traumatisieren und auch für später einen erheblichen Schaden auslösen würde", erzählt Merle.

Denn Kritiker dieses Betreuungsmodells meinen nicht nur, Kinder gehörten nachts nach Hause, sondern 24-Stunden-Kitas seien auch das falsche Signal: Jahrzehntelang habe man für eine familienfreundliche Arbeitswelt gekämpft. Anstatt jetzt dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder von Eltern, die abends oder nachts arbeiten müssen, betreut würden, sollten Eltern von der Nachtarbeit befreit werden. Sind 24-Stunden-Kitas also ein Rückschritt? Oder die Zukunft der Kinderbetreuung?

Über das Programm "KitaPlus"

Jeder zwölfte Norddeutsche muss laut Statistischem Bundesamt regelmäßig in der Zeit zwischen 23 und 6 Uhr arbeiten. Ein Problem vor allem für Alleinerziehende ist dann die Betreuung der Kinder. Aus Norddeutschland sind laut Bundesfamilienministerium mehr als 100 sogenannte Interessensbekundungen von Einrichtungen zum Ausbau der Kita-Öffnungszeiten eingegangen. Aus diesem Grund ist im Januar 2016 das Bundesprogramm "KitaPlus" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestartet. Mit 100 Millionen Euro sollen bis 2018 insgesamt 300 weitere Projekte gefördert werden.

  • Ergebnisse der Evaluation des Bundesprogramms "KitaPlus"

    In der Evaluation wurden unter anderem am Programm teilnehmende Einrichtungen befragt, wie sie die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten und Kindertagespflege erweitern möchten.

  • Ergebnisse der Evaluation des Bundesprogramms "KitaPlus"

    In der Evaluation wurden unter anderem am Programm teilnehmende Einrichtungen befragt, wie sie die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten und Kindertagespflege erweitern möchten.

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Autor/in
Anke Hunold
Regie
Anke Hunold
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktionsleiter/in
Kuno Haberbusch
Redaktion
Gita Datta
Julia Salden