Zwischen Leben und Tod

Traumberuf Krankenpflege?

Freitag, 26. Mai 2017, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 27. Mai 2017, 08:30 bis 09:00 Uhr

Bei der Dosierung der Medikamente muss Lara Meißner sich konzentrieren. Fehler können tödlich sein. © NDR, honorarfrei

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Lara Meißner betreut zwei Patienten, die auf der Intensivstation im Koma liegen. Die 22-Jährige ist für diese beiden Menschenleben verantwortlich. Erst vor Kurzem hat sie die Ausbildung zur Krankenpflegerin beendet. Es war schon immer ihr Traumberuf. Doch die Realität im Alltag ist härter, als sie gedacht hat.

Zwölf Patienten, eine Schwester

In den Krankenhäusern wird vor allem am Pflegepersonal gespart. Laut ver.di fehlen 70.000 Pflegekräfte in den Kliniken. Zwölf Patienten werden von nur einer Schwester versorgt, und die ist im Dauerstress. Vor zehn Jahren konnte sich eine Krankenpflegerin um sechs Patienten kümmern.

Auf den Intensivstationen, wo auch Lara Meißner arbeitet, betreuen die Pfleger zwar weniger Patienten, aber dafür müssen sie die Lebensfunktionen und Medikamente der Kranken ständig überwachen. Ihr Gesundheitszustand kann sich von einer zur anderen Minute lebensgefährlich verschlechtern. Oft müssen Betten gesperrt werden, weil zu wenig Personal da ist. Für persönliche Zuwendung, wenn die Menschen nach einer schweren Operation aufwachen, bleibt zu wenig Zeit.

Der harte Alltag auf der Intensivstation

Sterben gehört hier zum Alltag

Antje Büll begleitet die junge Krankenschwester für diese NDR Reportage in ihrem Alltag auf der neurochirurgischen Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort kämpft Lara Meißner um das Leben einer jungen Patientin, die nach einem Unfall Hirnblutungen bekam und im Koma liegt. Sterben gehört hier zum Alltag. Auch damit muss die 22-jährige Lara lernen, umzugehen. "Man muss einen Ausgleich finden und darüber reden, sonst bleibt man nicht lange im Beruf", glaubt Lara Meißner.

Fehler dürfen nicht passieren

Der Druck für sie ist hoch. Es dürfen keine Fehler unterlaufen. Eine falsche Dosierung der Medikamente kann tödlich sein. Auf Meißners Station passiert immer wieder Unvorhergesehenes: Ein Notfall kommt, ein Patient muss plötzlich reanimiert werden, ein anderer bekommt auf der Station einen Luftröhrenschnitt. Personalmangel bedeutet Mehrarbeit für alle und schlechtere Betreuung der Patienten.

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Viele steigen früh wieder aus

Es sind nicht nur die Krankenhäuser, die weniger Pflegepersonal einstellen, sondern auch immer weniger junge Menschen, die diesen Beruf überhaupt ergreifen möchten. Aufstiegschancen und Bezahlung sind schlecht, der ständige Schichtdienst zehrt an den Kräften. Wenn die Krankenpfleger nicht schon die Ausbildung abbrechen, steigen viele in den ersten Berufsjahren wieder aus, wenn sie mit der harten Realität konfrontiert werden. "Es fehlt die gesellschaftliche Anerkennung", sagt Lara Meißner.

Es ist nicht in Sicht, dass sich die Situation in naher Zukunft verbessert. Im sogenannten Pflegeberufereformgesetz, das dem Bundestag zur Verabschiedung vorliegt, soll die Ausbildung der Altenpflege mit der der Krankenpflege zusammengelegt werden. Das wird dem Beruf der Krankenpflegerin keine größere gesellschaftliche Anerkennung bringen.

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Autor/in
Antje Büll
Redaktion
Julia Saldenholz
Produktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Michael Schinschke

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