Stand: 13.11.2015 10:29 Uhr

Worpswede: Lieblingsort der Künstler

Bild vergrößern
Im Barkenhoff lebte der Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler. Heute ist die Villa ein Museum.

Der Dichter Rainer Maria Rilke sah in Worpswede einen "Himmel von unbeschreiblicher Veränderlichkeit und Größe" und die Malerin Paula Modersohn-Becker schwärmte 1897 von einem "Wunderland". Diese besondere Ausstrahlung hat sich die kleine Gemeinde rund 30 Kilometer nördlich von Bremen bis heute erhalten.

Ein Dorf zwischen Wiesen, Wald und Moor

Künstler prägen den Ort und der Ort prägt seine Künstler. Rund 5.500 Menschen leben in Worpswede, viele für und von der Kunst. Doch es ist auch die Landschaft, die Bewohner und Besucher an Worpswede fasziniert. Mitten im Teufelsmoor stehen stattliche alte Häuser am Fuß des Weyerbergs, einer bewaldeten Sanddüne. Dazwischen mächtige Bäume, die Schutz und Behaglichkeit ausstrahlen. Ringsum weite Wiesen, Moore und Bäche. Die eigentümliche Landschaft inspirierte die Künstler zu unzähligen Bildern.

Vom Bauerndorf zur Künstlerkolonie

Aktuelle Ausstellung

Worpsweder Museen zeigen Köpfe und Landschaften

15.11.2015 11:00 Uhr
Worpsweder Kunsthalle

Mit der Ausstellung "Worpsweder Landschaften - Worpsweder Museen" würdigen zwei Museen in dem Ort das Werk zahlreicher Künstler, die vor Ort Natur und Menschen verewigt haben. mehr

Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich hier - angezogen durch die beeindruckenden Farben der Landschaft, das Licht und den hohen Himmel über dem Moor - die ersten Maler nieder. Ihre Bilder hatten großen Erfolg in der Kunstszene und machten Worpswede schlagartig bekannt. Zu den bekanntesten Künstlern, die dort gelebt und gearbeitet haben, zählen Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker. Noch heute gibt es eine Reihe von Ateliers, Galerien und Werkstätten. Stipendiaten aus der ganzen Welt arbeiten in dem Ort. Außerdem bieten viele Künstler Kurse und Seminare in verschiedenen Kunsttechniken und Kunsthandwerken an.

Außergewöhnliche Architektur und viel Grün

Bild vergrößern
1925 erbaut und noch immer ungewöhnlich: das "Kaffee Worpswede".

Charakteristisch für Worpswede sind die historischen Bauernhöfe, die einst den Ortskern bildeten, die schmalen Kopfsteinpflaster-Straßen, die ungewöhnliche Architektur vieler Häuser sowie die zahlreichen alten Bäume und Grünflächen. Eines der bekanntesten Gebäude ist das Kaffee Worpswede, das der Architekt Bernhard Hoetger 1925 geschaffen hat. Es besticht durch seine außergewöhnliche Konstruktion aus Backstein, Holz und bunten Glasfenstern und gehört zusammen mit der angrenzenden Großen Kunstschau, die ebenfalls von Hoetger stammt, zu den wichtigsten Stationen eines Besuchs.

Ein kleines Dorf voller Museen

Bild vergrößern
Der Kuppelraum ist der Mittelpunkt der Großen Kunstschau, eines Ausstellungskomplexes von 1927.

Ein Rundbau im expressionistischen Stil mit großer Lichtkuppel: Die Große Kunstschau ist zweifelsohne ein außergewöhnlicher Museumsbau. Und sie ist ideal als Auftakt für einen Besuch in Worpswede, denn die Dauerausstellung zeigt die berühmtesten Werke der Worpsweder Künstler der ersten Generation. Im modernen Ergänzungsbau sind zeitgenössische Exponate und Sonderausstellungen zu sehen.

Bild vergrößern
Die vor der Ostseite des Haupthauses errichtete Fassade prägt den Barkenhoff.

Als Wahrzeichen Worpswedes gilt ein weiteres Museum - der Barkenhoff. In dem Anwesen mit Freitreppe und großem Garten lebte und arbeitete der Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler von 1895 bis 1923. Das Haus entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert zum geistigen Zentrum des Künstlerdorfs und galt zugleich als einer der bekanntesten Künstlerwohnsitze Deutschlands. Heute präsentiert der Barkenhoff das umfassende Werk Vogelers sowie wechselnde Sonderausstellungen.

Auf die Spuren Vogelers begeben sich Besucher auch im "Haus im Schluh". Im dem Reetdach-Gehöft betrieb Martha Vogeler nach der Trennung von ihrem Mann eine Pension und eine Weberei. Heute beherbergt der Hof ein Museum mit Teilen aus dem Nachlass Heinrich Vogelers, Gegenständen aus bäuerlichem Hausrat und Kunsthandwerk. Die Weberei besteht noch immer.

Eine Käseglocke unter Denkmalschutz

Bild vergrößern
Ein Haus wie im Märchen: die "Käseglocke" in der Bergstraße.

Außergewöhnliche Architektur ist in Worpswede nichts Besonderes und so verwundert es nicht, dass auch der Schriftsteller Edwin Koenemann ein ausgefallenens Haus baute. Das Holzhaus in Igluform ließ er 1926 auf Grundlage von Plänen des Architekten Bruno Taut errichten und nutzte es als Wohnhaus und Atelier. Aufgrund seiner Form nannten die Worpsweder das Haus "Käseglocke" und so heißt es noch heute. Es steht unter Denkmalschutz und kann besichtigt werden.

Die Museen des Ortes haben sich zu einem Verbund zusammengeschlossen. Eine gemeinsame Website informiert über aktuelle Ausstellungen und die Öffnungszeiten der Worpsweder Museen.

Entdeckungstour im Teufelsmoor

Worpswede und das Umland lassen sich ideal mit dem Rad entdecken, denn es gibt ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz. Fünf ausgeschilderte Routen führen rund um den Weyerberg - vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Lohnend ist auch ein Ausflug ins Teufelsmoor. Da der größte Teil des Moores unter Naturschutz steht, sollten Besucher an einer Führung teilnehmen. Die Biologische Station Osterholz bietet regelmäßig Erkundungstouren zu Fuß oder per Fahrrad an. Außerdem fährt der Moorexpress, eine alte Moorbahn, zwischen Stade und Bremen. Er hält auch am restaurierten Jugendstilbahnhof in Worpswede.

Bild vergrößern
Einst harte Arbeit, heute Touristen-Vergnügen: eine Tour im Torfkahn.

Früher, als im Teufelsmoor Torf gestochen wurde, gab es dort einen Hafen. Ihn nutzten Bauern für die Torfkähne, auf denen sie ihre Ware in mehrtägigen Fahrten nach Bremen und Brake brachten. Seit mehreren Jahren gibt es die Torfkähne wieder - nach altem Vorbild gebaut, aus Holz und mit Segel. Auf ihnen können Besucher auf den Spuren der Moorbauern eine Fahrt über das Flüsschen Hamme unternehmen.

Abstecher ins Künstlerdorf Fischerhude

Bild vergrößern
Das Otto Modersohn Museum zeigt Werke des Künstlers und wechselnde Ausstellungen.

Südöstlich von Worpswede liegt ein weiteres interessantes Ausflugsziel: Fischerhude, ein hübsches Dorf mit romantischen Kopfsteinpflaster-Gassen, Fachwerkhäusern sowie netten Garten-Cafés und Restaurants. Auch hier leben und arbeiten traditionell viele Künstler. Hinter altem Fachwerk verbergen sich Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten. Der Maler Wilhelm Heinrich Rohmeyer ließ sich bereits 1904 in Fischerhude nieder, weitere Künstler folgten. Der wohl bekannteste ist Otto Modersohn, der 1908 aus Worpswede hierher kam. Ein nach ihm benanntes Museum in einer ehemaligen Scheune am Rande des Dorfes zeigt eine wechselnde Auswahl seiner Werke.

Karte: Die Region Worpswede
Weitere Informationen
88:34 min

Worpswede - Künstlerdorf im Teufelsmoor

19.07.2015 14:00 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs

Worpswede hat sich seine Künstler und seine Bedeutung für die Kunstgeschichte bewahrt. Im Teufelsmoor findet man die Farben und das Licht, die die Künstler in diese Region lockten. Video (88:34 min)

Worpswede lebt - dank Masterplan und Millionen

Mit Geld und einem Tourismus-Masterplan hat das Künstlerdorf Worpswede den Besucherrückgang gestoppt. Und die Veranwortlichen basteln weiter an frischen Ideen. mehr

Traditionstour durch das Teufelsmoor

Die Gleise stammen aus der Zeit, als im Teufelsmoor noch Torf abgebaut wurde. Heute pendelt der Moorexpress zum Vergnügen der Fahrgäste zwischen Stade und Bremen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Landpartie / 05.07.2015 / 20:15 Uhr