Stand: 02.10.2017 15:11 Uhr

Vor 75 Jahren: Die erste Rakete fliegt ins All

3. Oktober 1942: In Peenemünde gelingt der weltweit erste Start einer Rakete in den Weltraum. Bei dem Testflug erreicht die A4-Rakete eine Geschwindigkeit von 4.824 Kilometern pro Stunde und eine Gipfelhöhe von 84,5 Kilometern. Die A4 - auch V2 genannt - gilt heute als Vorläufer aller militärischen und zivilen Trägerraketen. Mit dieser zwiespältigen Entwicklung setzt sich seit 1991 das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) auf der Ostseeinsel Usedom auseinander.

Raketenforschung am Nordzipfel Usedoms

Im Zweiten Weltkrieg entwickelten dort Ingenieure, Physiker und Militärs in der Heeresversuchsanstalt Raketen und andere Flugkörper. Mit Dokumenten, Originalteilen, Interviews von Zeitzeugen, Filmen und Modellen zeigt das Museum den Weg von den Visionen der Raketenpioniere über zivile Raumfahrt bis zur Entwicklung der ersten militärischen Großrakete und deren Serienproduktion. Die Ausstellung soll auch zum Nachdenken über die Geschichte des Ortes und die Verantwortung von Wissenschaft und Technik gegenüber Mensch und Umwelt animieren.

Auszeichnung für friedensfördernde Aktivitäten

Historisch-Technisches Museum

Im Kraftwerk
17449 Peenemünde
Tel.: (038371) 50 50

Öffnungszeiten und Eintrittspreise siehe Website des Museums

Ein zweiter Bereich auf der 5.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche befasst sich mit der Entwicklung der Raketentechnik nach dem Zweiten Weltkrieg - vor allem mit dem Wettrüsten im Kalten Krieg, aber auch mit ersten Erfolgen in der zivilen Raumfahrt. Veranschaulicht werden zudem die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in Peenemünde. Umfassend wird auch der KZ-Häftlinge gedacht. Darüber hinaus ist das Historisch-Technische Museum eine internationale Begegnungs- und Kulturstätte. 2002 erhielt das Museum für seine friedensfördernden Aktivitäten das Nagelkreuz von Coventry. Das christliche Symbol steht für die Idee der völkerweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein riesiges Kraftwerk - errichtet von Zwangsarbeitern

Das Kraftwerk der Versuchsanstalten produzierte noch bis 1990 Strom. Heute beherbergt es eine Ausstellung.

Das Kraftwerk auf dem Museumsgelände ist das größte technische Denkmal in Mecklenburg-Vorpommern. Im Zweiten Weltkrieg benötigten die Entwicklung und Produktion von Raketen und die Herstellung von flüssigem Sauerstoff für den Raketenantrieb große Mengen Elektrizität. Innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren wurde das Kraftwerk überwiegend von zahlreichen Zwangsarbeitern errichtet. Ab 1942 produzierte es 30 Megawatt Strom. Die Abteilung "Das Kraftwerk - gebaut für die Ewigkeit?" zeigt wie der Komplex die militärische Forschungsanlage der Nationalsozialisten mit Strom versorgte. Vom Dach des Gebäudes bietet sich aus 30 Metern Höhe ein Rundblick über das riesige Rüstungsgelände in Peenemünde.

Wernher von Braun - der gefragte Raketenbauer

Wernher von Braun war von 1937 bis 1945 technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde.

Die Dauerausstellung im Schalthausanbau des Kraftwerks informiert auch darüber, welches fatale Bündnis der Raketeningenieur Wernher von Braun zur Entwicklung der Raumfahrt mit den Nationalsozialisten einging. Unter seiner Leitung gelang im Oktober 1942 einer der folgenreichsten technischen Durchbrüche des 20. Jahrhunderts: der fehlerfreie Probestart einer A4. Die Rakete war damit das erste von Menschen geschaffene Objekt im Weltraum. Im April 1945 stellte sich von Braun der US-amerikanischen Armee. Zwei Monate später siedelte er in die USA über. Die Amerikaner sahen über seine Nazi-Vergangenheit - 1933 war er der SS beigetreten - hinweg. Die technischen Erfahrungen mit dem Aggregat 4 halfen von Braun bei der Konstruktion der Saturn-V-Rakete für den Flug zum Mond Mitte der 60-Jahre. Sie bildeten aber auch die Grundlage zur Entwicklung der Atomraketen.

Zusätzlich zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen zu Themen aus dem Bereich Zweiter Weltkrieg und Raumfahrt.

Flugzeuge und Boote aus DDR-Zeiten

Auf dem Freigelände stehen viele Ausstellungsstücke - unter anderem der Nachbau einer V2-Rakete.

Auf dem Freigelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt sind weitere Ausstellungsstücke zu sehen. Dazu gehören unter anderem Nachbauten des Flugkörper "Fi 103" - auch V1 genannt - und der Rakete A4 (V2). Zudem ist ein restauriertes Original der Peenemünder Werkbahn zu besichtigen. Auch Hinterlassenschaften aus der DDR-Vergangenheit sind auf dem Freigelände zu finden; zum Beispiel Jagdflugzeuge und ein Schnellboot der Nationalen Volksarmee (NVA), das begehbar ist. Von 1952 bis 1990 war Peenemünde unter anderem Marinestützpunkt der NVA. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die sowjetischen Besatzer den Ort als Marine- und Luftwaffenstützpunkt genutzt.

Rundweg in der "Denkmal-Landschaft"

Auf einem 22 Kilometer langen Rundweg wird der Besucher zu historisch interessanten Punkten geführt. An jeder der 13 Stationen befindet sich eine Hinweistafel mit weiteren Informationen. Den Schwerpunkt in der sogenannten Denkmal-Landschaft bilden die Ruinen der Peenemünder Versuchsanstalten, die heute zu den größten Flächendenkmalen in Deutschland zählen. Große Areale rund um die Ruine sind immer noch mit alter Munition belastet und deshalb für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Karte: Historisch-Technisches Museum Peenemünde
Geschichte

Bomben auf Hitlers Raketenschmiede

Im August 1943 wird die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde erstmals angegriffen. Ziel sind die deutschen Raketenentwickler, doch die Bomben treffen auch viele Zwangsarbeiter. mehr

1944: V1-Bomben explodieren in London

Am 13. Juni 1944 beginnt ein neues Zeitalter der Kriegsführung: Deutschland beschießt London mit Fernwaffen. Erprobt wurden die V1-Bomben in Peenemünde auf Usedom. mehr

Industriekultur

Schätze der Industriekultur erleben

Von Bauhaus-Architektur über eine Hochbrücke mit Schwebefähre bis zur Raketentechnik: Viele spannende Denkmäler der Industriekultur stehen Besuchern in Norddeutschland offen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Lust auf Norden | 19.05.2017 | 18:15 Uhr

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