Stand: 18.02.2016 09:16 Uhr

Nordfriesland vertreibt den Winter

Knisternde Feuer, Punsch und Grünkohl: Zahlreiche Gemeinden an der nordfriesischen Küste, auf Inseln und Halligen feiern am 21. Februar das traditionelle Biikebrennen. In der Abenddämmerung werden aufgeschichtetes Holz, Zweige und Bäume entzündet, dann lodern meterhohe Flammen in den Himmel.

Dutzende Orte laden ein

Das Biikebrennen ist die erste große touristische Veranstaltung des Jahres: Rund 60 Küsten- und Inselorte von St. Peter-Ording bis List auf Sylt rüsten sich mit Rahmenprogrammen und Pauschalangeboten. Touristen und Einheimische ziehen meist gemeinsam in einem Fackelzug von einem zentralen Treffpunkt zum Brennplatz. Wenn die Feuer erloschen sind, bieten zahlreiche Lokale das typische Biike-Gericht an: Grünkohl mit Fleisch, Wurst und Kartoffeln.

Vom heidnischen Ritual zum Volksfest

Nachgestelltes Biikebrennen auf Amrum, 1724 © NDR/ECO Media/Ingo Wandmacher Fotograf: Ingo Wandmacher

Das größte Fest der Friesen

NDR 1 Welle Nord Von Binnenland und Waterkant

Biikebrennen ist inzwischen das bekannteste friesische Fest. Eine Erklärung auf Friesisch.

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Die Bedeutung der jahrhundertealten Tradition hat sich mehrfach verändert. Das Biikebrennen gilt als ältester nordfriesischer Brauch und war ursprünglich ein heidnisches Ritual. Es sollte die Götter wie Wotan, den höchsten Germanen-Gott und Herrscher über Krieg und Sturm, gnädig stimmen. Christliche Missionare versuchten um das 10. Jahrhundert, den Brauch zu beenden. Das Biikebrennen wurde jedoch als fröhliche Fastnachtsfeier fortgesetzt. Daher musste es vor Beginn der Fastenzeit stattfinden. Zunächst brannten dabei keine großen Holzhaufen, sondern einzelne Feuer an langen Stangen. Häufig ging auch eine Strohpuppe in Flammen auf, ein Brauch, der sich mancherorts bis heute gehalten hat. Später brannten die Biiken, um den Winter zu vertreiben und dienten zeitweise auch als Warnsignal bei Piraten-Angriffen. Im Sylter Friesisch steht der Begriff Biike für Feuerzeichen.

Kinder spielen Erwachsenen Streiche

Seit dem 19. Jahrhundert stehen die Biikefeuer als Zeichen für das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Traditionsbewusstsein der Nordfriesen. Kinder nutzen die Feste, um rußverschmiert Streiche zu spielen. In manchen Orten haben sie am nächsten Tag, dem Petritag zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer, sogar schulfrei. Auch das Fest anlässlich des Biikebrennens dauert dort einen Tag länger. 2014 hat die UNESCO das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis der Immateriellen Kulturgüter aufgenommen.

Hier lodern die Feuer

Biikefeuer brennen in fast allen Orten an der Küste und auf den Inseln Nordfrieslands. Eine Auswahl:

Festland: Dagebüll, Hamburger Hallig, Hattstedt, Horstedt, Husum (Dockkoog und Schobüll), Klanxbüll, Neukirchen, Niebüll, Nordstrand, Simonsberg, Stollberg/Bordelum, St. Peter-Ording (Vorplatz Seebrücke, St. Peter-Bad), Tetenbüll, Tönning, Westerhever.
Die Veranstaltungen beginnen zwischen 18 und 19 Uhr.

Amrum: Wittdün, Norddorf, Süddorf, Nebel, Steenodde (18.30 Uhr)
Föhr: mehrere Orte, (u.a. Fehrstieg in Wyk, 18.30 Uhr, Fackelumzug ab Veranstaltungszentrum 17.45 Uhr)
Pellworm: Deich Süderkoog am Leuchtturm (18 Uhr)

Sylt: Hörnum: 18.15 Uhr, Campingplatz; Fackelzug ab Tourismus-Service 18 Uhr
Kampen: 19 Uhr, Norddörfer Halle; Fackelzug ab Feuerwehrgerätehaus 18.30 Uhr
Keitum: 18 Uhr, Ortseingang, Am Tipkenhoog
List: 18.45 Uhr, am Wohngebiet Königshafen; Fackelzug ab Kirche St. Jürgen 18 Uhr
Morsum: 19 Uhr, Morsum Kliff; Fackelzug ab Parkplatz Nösse, 18.30 Uhr
Rantum: 18.30 Uhr, Strandweg; Fackelzug ab Kurhaus 18 Uhr
Tinnum: 18 Uhr, Tinnumer Burg; Fackelzug ab Gemeidehaus 17.30 Uhr
Wenningstedt: 19 Uhr hinter der Norddörfer Halle; Fackelzug ab Restaurant Weißes Kliff 18.15 Uhr, Friesenkapelle 18.30 Uhr
Westerland: 18.30 Uhr Campingplatz in den südlichen Dünen; Fackelzug mit Musikzug ab St. Nicolai-Kirche 18 Uhr

Halligen: Hooge (18 Uhr bei der Ockenswarft), Langeneß, Oland (jeweils 19 Uhr)

Weitere Termine auf den Seiten des Nordsee-Tourismus-Service.

Weitere Informationen

Winterabschied? Warum Biiken wirklich lodern

Die Biiken locken jedes Jahr Tausende Schaulustige an die nordfriesische Küste. Dort lodern dann am 21. Februar zahlreiche Feuer. Doch was hat es mit dem jahrhundertealten Brauch auf sich? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Schleswig-Holstein-Magazin / 21.02.2016 / 19:30 Uhr