Stand: 13.02.2014 14:06 Uhr  | Archiv

Unbekanntes Niedersachsen an der Oste

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Bei Hemmoor steht das bekannteste Bauwerk an der Oste: die historische Schwebefähre.

Es ist eine stille Region, wenig bekannt, ruhiges Bauernland zwischen Weser und Elbe. Durch diese flache Landschaft schlängelt sich die Oste, mit gut 150 Kilometern der längste Nebenfluss der Elbe in Niedersachsen. Zwischen der Quelle südlich von Tostedt am Rand der Lüneburger Heide und der Mündung südöstlich von Cuxhaven liegen nur 55 Meter Höhenunterschied. Entsprechend gemächlich beginnt das Flüsschen seine Reise, sammelt bis Sittensen das Wasser von vielen Nebenflüssen aus den umliegenden Moorgebieten. Zwischen Wiesen und Feldern entwickelt sich die Obere Oste so zu einem interessanten Revier für Kanuten und Paddler.

Ausflugsziel Bremervörde

Die erste Städtchen am Ufer der Oste ist Bremervörde, ein anerkannter Erholungsort mit gut 18.000 Einwohnern. Besucher sollten einen Abstecher in den rund 100 Hektar großen Natur- und Erlebnispark einplanen. Neben Grünflächen bietet er Themengärten mit Rosen, Rhododendren und Heilpflanzen. Kinder können in einer Wasserlandschaft mit einem Floß fahren, buddeln und baggern. Auf einer Skulpturenwiese haben Künstler ihre Werke aufgestellt. Der Park grenzt an den Vörder See, einem beliebten Gewässer für Surfer, Segler und Ruderer.

Im Mittelalter führte der sogenannte Ochsenweg, eine Handelsroute für Viehhändler durch Bremervörde. Auf ihr wurden große Ochsenherden von Jütland über Bremen bis in die Niederlande getrieben. Der Furt (Vörde) in der Oste verdankt die Stadt auch ihren Namen. Heute lädt der alte Handelsweg zu Radtouren oder Wanderungen ein.

Ebbe und Flut wirken bis weit ins Binnenland

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Auf der Bundeswasserstraße Oste fahren nur noch Ausflugsschiffe und private Jachten.

In Bremervörde ändert die Oste - etwa auf halbem Weg zur Mündung - ihr Gesicht. Aus dem beschaulichen Flüsschen wird ein schiffbares Gewässer, eine Bundeswasserstraße. Im Hafen der Stadt liegen allerdings nur noch Jachten, die Zeiten des Gütertransports sind vorbei. Dass die Nordsee nicht mehr allzu weit entfernt ist, zeigt sich am Wasserstand der Unteroste, wie der Fluss jetzt genannt wird. Er schwankt mit den Gezeiten. In den vergangenen Jahrhunderten haben Sturmfluten immer wieder weite Uferbereiche und Orte an der Oste überschwemmt. Schon früh versuchten Siedler daher, den Fluss mit Deichen zu kontrollieren, die ihn von Bremervörde bis zur Mündung begleiten.

Seit 1968 schützt ein Sperrwerk an der Mündung das Oste-Gebiet vor Überflutungen. Das mehr als 100 Meter breite Bauwerk besteht aus fünf Toren, die Wasserständen von fast acht Metern über Normalnull trotzen. Eine Straße, die über das Sperrwerk führt, verläuft über eine Klappbrücke. Wenn hohe Schiffe passieren wollen, wird sie geöffnet.

Nur noch wenige Fähren

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Die Schwebefähre in Osten gehört zu den wenigen erhaltenen Fähren dieser Art weltweit.

Der Schiffsverkehr auf der Unteroste verhinderte jahrhundertelang den Bau von Brücken, sodass zahlreiche Fährverbindungen über den Fluss entstanden. Inzwischen sind davon nur noch drei übrig: die denkmalgeschützte Prahmfähre in Gräpel und eine handbetriebene in Brobergen. Die bekannteste Fähre an der Oste schwebt über dem Wasser - die Schwebefähre in Osten bei Hemmoor. Sie wurde 1909 eingeweiht und gilt damit als älteste Fähre Deutschlands. Nach dem Bau einer Brücke 1974 stand sie jahrelang still und sollte abgerissen werden. Inzwischen wurde die Schwebefähre restauriert, ist als technisches Baudenkmal geschützt und fährt von April bis Ende Oktober regelmäßig über den Fluss. In Hemmoor können sich Besucher auf der "Info-Meile der Welt-Schwebefähren" über die acht Fähren dieses Typs informieren, die weltweit noch existieren.

Von der Zementfabrik zum Tauchrevier

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Aus der einstigen Kreidegrube hat sich ein beliebtes Tauchrevier entwickelt, der Kreidesee.

Hemmoor wurde vor allem wegen seiner Zementfabrik bekannt, die von 1866 bis 1983 Millionen Tonnen des Baustoffs produzierte und über die Oste in alle Welt exportierte. Ein Museum erinnert an das Werk, das einst Tausende Menschen aus der Region beschäftigte. Es zeigt auch eine Schute aus dem Jahr 1925, auf der Zement zum Hamburger Hafen transportiert wurde. Inzwischen wurde die Fabrik komplett abgerissen. Der Kreideabbau hinterließ jedoch einen großen Krater, der sich später mit Grundwasser füllte und zu einem beliebten Ziel für Taucher wurde. In dem bis zu 60 Meter tiefen, klaren Wasser des Kreidesees finden sie Trümmer der Zementfabrik, einen Lastwagen und sogar ein Flugzeug. Für Anfänger ist das Gewässer allerdings ungeeignet. In dem kalten Wasser sind in der Vergangenheit immer wieder Taucher verunglückt.

Attraktives Ziel für Radler und Angler

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Ein ruhiger Fluss in einer stillen Landschaft: die Oste.

Die flache Landschaft in den Geest- und Marschgebieten eignet sich auch gut für Radtouren. Ein 165 Kilometer langer Radweg begleitet den Fluss von der Quelle bis zur Mündung. Die Route verläuft zunächst meist auf Wirtschaftswegen, später direkt auf dem Oste-Deich oder auf Radwegen. Auch bei Anglern ist der Fluss mit seinen Schilf bewachsenen Ufern beliebt. Sie schätzen den Fischreichtum der recht sauberen Oste, in der sogar wieder Lachse heimisch sein sollen.

Auf den letzten Kilometern vor der Mündung in die Elbe hat sich aus dem kleinen Flüsschen ein stellenweise mehr als 100 Meter breiter Strom entwickelt, der seine Fließrichtung mit den Gezeiten ändert. Besonders deutlich wird dies im Hafen von Neuhaus, dem nördlichsten Ort an der Oste. Dort liegen die Schiffe zweimal am Tag im Schlick, bevor sie die nächste Flut wieder schwimmen lässt.

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Karte: Markante Punkte an der Oste

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / die nordstory / 15.07.2014 / 16:10 Uhr