Stand: 19.02.2015 13:25 Uhr  | Archiv

Mitspielen erwünscht im Spielmuseum Soltau

In einem schönen Altbau im Zentrum des Heidestädtchens Soltau können Besucher in Spielwelten aus drei Jahrhunderten eintauchen. Das Haus, von dessen Fassade ein Hampelmann grüßt, ist bis zum Dach voll von Kindheitsträumen vergangener Zeiten.

Streifzug durch das Spielmuseum Soltau

"Dingley Hall": Ein britisches Anwesen im Kleinformat

Ein Glanzstück des Museums ist gleich im Erdgeschoss zu bewundern: die englische "Dingley Hall" aus dem 19. Jahrhundert. Mit drei Metern Breite und zwei Metern Höhe hat dieses Puppenhaus geradezu riesige Ausmaße.

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Porzellan im Miniformat und seidene Wandteppiche: Der japanische Salon der "Dingley Hall".

15 Räume, darunter ein japanischer Salon, eine Hauskapelle und eine Bibliothek haben darin Platz, 52 Puppen bevölkern das herrschaftliche Anwesen, das einst den beiden Söhnen einer englischen Bankiersfamilie gehörte. Die großbürgerliche viktorianische Welt im Kleinformat ist mit 190.000 Euro der bislang teuerste Ankauf des Museums.

Kulturhistorisch interessant sind auch die anderen Puppenstuben der Sammlung, hierbei vor allem die Spielküchen: Während man im ältesten Modell aus dem Jahr 1780 noch am offenen Feuer kochte, hat im jüngsten Modell von 1960 der Elektroherd Einzug gehalten. Die Sammlung von Puppen mit ihren jeweiligen Originalgarderoben vermittelt dem Besucher Eindrücke von Kindheit und Mode vergangener Zeiten. Plüschtiere, Dampfmaschinen und Papierparaden

Plüschtiere wohnen in einer eigenen Kuschel-Höhle

Teddys und Plüschtiere gehören für fast alle Kinder zu den wichtigsten Kindheitsbegleitern. In einer eigenen Abteilung bewohnen sie eine kuschelige Höhle. Dampfmaschinen, Eisenbahnen, Karussells, Blechkutschen und Modellautos repräsentieren die klassischen Spielwelten der Jungen. Besonders interessant: ein frühes Flugzeugmodell sowie ein 76 Zentimeter langer "Rheingold"-Dampfer. Eine weitere Abteilung zeigt Papierspielzeug. Neben Anziehpuppen und Papiertheatern können Besucher hier eine österreichisch-ungarische Militärparade von 1870 mit 1.200 Papiersoldaten bestaunen.

Spielzeuge erzählen ihre Geschichte

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Odyssee einer Puppe: Helene zog von Leipzig nach Leningrad, dann nach Moskau und Murmansk. Heute wohnt sie in Soltau.

Die Geschichte vieler Sammelstücke ist eng mit ihren früheren Besitzern verknüpft und gibt ganz private Einblicke in den kindlichen Alltag. So konstruierte ein Uhrmacher eine schwimmende Puppe speziell für seinen kleinen Sohn, um ihm die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Einen hölzernen Hühnerhof aus dem Erzgebirge erhielt ein kleiner Junge zum Weihnachtsfest 1865 von der englischen Königin Victoria - ein wahrhaft königliches Geschenk. An Hörstationen können Besucher einigen dieser sehr persönlichen Geschichten lauschen, die hinter einzelnen Ausstellungsstücken stehen. Besonders rührend ist die Geschichte der Puppe Helene. Die Puppe erlebte die Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Russland und kehrte schließlich aus Murmansk am russischen Eismeer zurück nach Deutschland, um in Soltau ein neues Zuhause zu finden.

Spielen, staunen, ausprobieren

Groß und Klein sind aufgefordert, das Spielzeug nicht nur zu bewundern, sondern auch selbst aktiv zu werden: Sie können Kreisel brummen und Holzhühner picken lassen, Eisenbahnen auf Knopfdruck in Gang setzen und Spiele ausprobieren.

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Mitspielen und ausprobieren ist in den meisten Museumsräumen ausdrücklich erwünscht.

Für Kinder gibt es zusätzlich jeden Sonnabendnachmittag eine besondere Mitmachaktion. Erwachsene können bei wechselnden Themenführungen und Workshops Neues kennenlernen und ausprobieren.

Spielmuseum Soltau‎

Poststraße 7
29614 Soltau
Tel. (05191) 82 182
Öffnungszeiten:
täglich 10 - 18 Uhr

aktuelle Eintrittspreise siehe Website des Museums

Ein Großteil der Ausstellungsstücke des Spielmuseums stammt aus dem deutschsprachigen Raum - im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die deutsche Spielwarenindustrie weltweit führend. In über 30 Jahren trugen Hannelore Ernst und ihr Sohn Mathias Spielzeug aus vier Jahrhunderten zusammen. 1984 gründeten sie das Spielmuseum in Soltau. 2005 übereigneten sie ihre Sammlung der gemeinnützigen "Stiftung Spiel", die das Haus seither betreibt. Seit Sommer 2014 entsteht ein moderner Erweiterungsbau am historischen Gebäude, der einen barrierefreien Zugang zum Museum erlaubt. Während der Bauarbeiten ist das Erdgeschoss des Gebäudes vorübergehend gesperrt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 28.11.2015 / 18:00 Uhr