Stand: 12.01.2016 13:50 Uhr

Bad Gandersheim und seine Roswitha

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Die Türme der Stiftskirche St. Anastasius und St. Innocentius überragen die Altstadt.

"Willkommen in der Roswithastadt" heißt es auf der Website von Bad Gandersheim, dem kleinen Städtchen am Westrand des Harzes. Wer durch den Ort bummelt, trifft immer wieder auf Spuren von Roswitha, die vor mehr als 1.000 Jahren dort lebte. Roswitha von Gandersheim gilt als erste deutsche Dichterin. Ihre christlich geprägten Gedichte, Dramen und Heiligenlegenden erzählen häufig von der Überlegenheit christlicher Frauentugenden über heidnische Laster. Der markanteste Ort, den Roswitha regelmäßig besucht haben dürfte, ist die Stiftskirche, eine romanische Basilika, die 881 erstmal geweiht wurde. Das heutige Gebäude, auch Dom genannt - obwohl Gandersheim nie Bischofssitz war - stammt allerdings überwiegend aus dem 12. Jahrhundert. Ein bunt verglastes Roswitha-Fenster erinnert an die Dichterin. Bereits seit 1959 finden auf dem Platz vor der Kirche im Zentrum der Stadt die Gandersheimer Domfestspiele statt, eines der bekanntesten Open-Air-Theaterfestivals im Norden.

Ein Portrait von Roswitha von Gandersheim.

Roswitha von Gandersheim

Nordtour -

Auf den Spuren von Deutschlands erster weiblicher Dichterin Roswitha von Gandersheim lässt sich die malerische Fachwerkstadt im Harzvorland gut erkunden.

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Ein Leben im Stift

Viele Informationen aus dem Leben Roswithas beruhen auf ihren Texten sowie auf Vermutungen. Auch ihr Geburtsdatum ist nicht exakt überliefert. Es soll um das Jahr 935 gelegen haben. Wahrscheinlich war sie die Tochter einer Adelsfamilie aus Sachsen, früh trat sie in den Stift Gandersheim ein. Dort lebte und lernte Roswitha als Kanonissin, also als Mitglied einer christlichen Gemeinschaft, das kein Ordensgelübte abgelegt hat. Ihre Schriften waren lange verschollen und wurden erst 1501 als Buch veröffentlicht. Das Stift, 852 gegründet, ist die Keimzelle für den Ort Gandersheim. Es entwickelte sich rasch zu einem wohlhabenden Zentrum religiöser und weltlicher Macht mit Münz- und Marktrecht. Erst 1810 wurde das Kloster, das aus dem Stift entstanden war, aufgelöst.

Auf den Spuren der Geschichte

Noch heute liegt am nördlichen Stadtrand Gandersheims der Klosterhügel mit der Klosterkirche und dem Sommerschloss Brunshausen. Der Verein "Portal zur Geschichte" bietet regelmäßig Führungen durch die historischen Gemäuer an, die heute als Kulturzentrum dienen. Das Portal will die Geschichte des Stifts bewahren und zeigt mit Ausstellungen im ehemaligen Kloster sowie der Stiftskirche zahlreiche seiner Kunstschätze.

Prächtige Gebäude in der Altstadt

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Stattliche Fachwerkhäuser belegen den einstigen Wohlstand Gandersheims.

Im Zentrum des Kurortes mit rund 10.000 Einwohnern stehen zahlreiche historische Häuser aus mehreren Jahrhunderten. Am Marktplatz neben dem Dom findet sich das älteste Bürgerhaus, ein "Bracken" genanntes, reich verziertes Fachwerkhaus von 1473. Das Rathaus wurde nach einem großen Brand 1580 im Stil der Weserrenaissance wieder aufgebaut und mit der benachbarten Moritzkirche vereint. In den einstigen Kirchturm zog das "Wächterstübchen" ein, unter dem Dach dokumentiert ein Museum die Stadtgeschichte. Auf dem Platz vor der Abtei des Stifts Gandersheim steht seit 1978 der Roswithabrunnen. Am südlichen Rand der Altstadt können Besucher Reste der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung mit Mauer, Wall und Stadttoren besichtigen. Die Touristinformation bietet regelmäßig Stadtrundgänge zu verschiedenen Themen an, auch zu Roswitha.

Zwei Quellen für die Gesundheit

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Seit 1878 steht Gandersheim im Zeichen der Gesundheit. Damals wurde das erste Solebad eröffnet. Seit 1932 darf der Ort die Bezeichnung Bad tragen und seit 1967 ist Bad Gandersheim staatlich anerkanntes Heilbad. Salzhaltiges Wasser aus zwei Quellen wird für Trink- und Badekuren verwendet. Im Kurviertel am Osterbergsee bieten mehrere Kliniken ihre Dienste an. Im Kurpark kann jeder ein Gläschen des Wassers probieren, das unter anderem bei Magenproblemen helfen soll. Im Sole-Waldschwimmbad, einem Hallen- und Freibad, und im Vitalpark kommen Besucher in den Genuss des rund 30 Grad warmen Wassers. Zu sportlichen Ausflüge laden mehrere Wanderwege durch das waldreiche Umland ein, darunter der Skulpturenweg. Er führt auf einer früheren Bahntrasse an 13 Skulpturen entlang in das rund zwölf Kilometer nördlich gelegene Lamspringe.

Literaturpreis im Namen Roswithas

Die Erinnerung an Roswitha hält Bad Gandersheim auch mit dem Roswitha-Preis wach. Der Literaturpreis wurde seit 1973 zunächst nur an lebende, deutschsprachige Autorinnen für ihr Lebenswerk vergeben. Inzwischen kann die Schriftstellerin auch aus anderen europäischen Ländern stammen. Der niedersächsische Landesfrauenrat nahm Bad Gandersheim 2013 in die Liste der frauenORTE auf und verschaffte Roswitha, die um das Jahr 980 starb, so zusätzliche Bekanntheit.

Karte: Bad Gandersheim
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 16.01.2016 / 18:00 Uhr