Stand: 12.03.2015 11:10 Uhr

Hannovers Altstadt: Vom Elendsquartier zum In-Viertel

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Ende der 50er-Jahre wurden einzelne Fassaden von alten Häusern in diesen Bereich versetzt. So entstand eine Traditionsinsel, die heutige Altstadt.

Hannover gilt nicht unbedingt als Ort für einen romantischen Altstadt-Bummel. Tatsächlich bestimmt funktionale Architektur der Nachkriegs-Jahre weite Teile des Zentrums der Landeshauptstadt. Wer aber vom Bahnhof durch die modernen Geschäftsstraßen bis zur Marktkirche bummelt, findet sie: Hannovers Altstadt. Dort gibt es zahlreiche stumme Zeugen aus vergangenen Zeiten, Fachwerkhäuser und enge Gassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Altstadt 1943 fast völlig zerstört. Nur etwa 40 Gebäude des ehemals großen Altstadtkerns zwischen Steintor und Aegidientorplatz blieben zumindest teilweise von Bränden verschont. Fassaden der einzelnen Gebäude wurden Ende der 50er-Jahre versetzt und zu einer Altstadt-Insel um die Knochenhauer- und Burgstraße zusammengefügt.

Teil eines Kirchengiebels mit Blick auf ein Kreuz.

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Moderne Häuser hinter alten Fassaden  

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Das Leibnizhaus wurde dem Altstadthaus nachgebildet, in dem der gelehrte Hannoveraner wohnte.

Das schönste und älteste Fachwerkhaus der Stadt mit seiner Renaissance-Fassade stammt aus dem Jahr 1566. Es steht zwischen Neubauten in der hinteren Burgstraße in der Nähe der Kreuzkirche, der mit einer fast 700-jährigen Geschichte ältesten Kirche Hannovers. Auch ihre wertvolle Einrichtung verbrannte im Zweiten Weltkrieg. Ein Beispiel für einen kompletten Nachbau ist das berühmte Leibniz-Haus, das einst in der Schmiedestraße stand. Das ursprüngliche Gebäude stammte aus dem Jahr 1499. Leibniz bewohnte es nach einer umfassenden Renovierung seit 1676. Heute steht am Holzmarkt eine nach Fotos rekonstruierte Fassade des Gebäudes mit modernem Innenleben. 

Von Bällen und Bällen

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Cafés, Restaurants und kleinen Läden sorgen für Trubel in der Altstadt.

Zentrum der Altstadt ist der Ballhof-Platz. Er bildet einen reizvollen Kontrast zu den engen Kopfsteinpflaster-Straßen, die ihn umgeben. Das angrenzende Ballhof-Gebäude stammt aus den Jahren um 1650 und war zunächst eine Sporthalle. Der Leiter des Historischen Museums, Thomas Schwark, beschreibt das frühere Leben dort: "Ball ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Man hat sowohl mit Bällen gespielt, so eine Art Federball oder Squash, als auch Bälle gefeiert". Heute ist der Ballhof eine der Spielstätten des Niedersächsischen Staatstheaters. Doch der Platz hat auch dunkle Zeiten erlebt. Als der Adel sich zurückzog, verfiel die Altstadt. Sie wurde ein Wohnort für Arme, ein Elendsviertel. Kinderreiche Familien lebten dort unter schlechten Bedingungen. Bürger hielten sich fern und die Altstadt verkam zu einem Hort der Halbwelt und des Verbrechens. Jetzt zeigt sich die Altstadt wieder einladend und bunt. Kleine Geschäfte, edle Boutiquen und Kneipen laden zum Bummeln ein.  

Landtag im Schloss  

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Ein Modell im Neuen Rathaus zeigt die Zerstörungen nach dem Bombennächten: links das Leineschloss, rechts die Marktkirche.

Vom Ballhof sind es nur wenige Schritte zum Historischen Museum. Seine Architektur vereint Elemente aus dem späten Mittelalter wie den halbrunden Beginenturm und einen Rest der Stadtmauer mit einem modernen Museumsgebäude im 60er-Jahre-Stil. Innen präsentiert das Haus eine Reise durch die Geschichte der Stadt und des Landes Hannover, zeigt die Entwicklung vom mittelalterlichen Marktflecken zu einer modernen Großstadt. Am südlichen Ende der Altstadt, in Richtung Maschsee, steht das Leineschloss. Es ist heute der Sitz des Landtags und wurde in seiner langen Geschichte seit dem 12. Jahrhundert mehrfach umgebaut und erweitert. Auch das Schloss nahm in den Bombennächten schweren Schaden. Nur der imposante Vorbau aus dem 19. Jahrhundert mit seinen sechs mächtigen Säulen blieb weitgehend erhalten.

Stadtporträt
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordtour | 08.08.2015 | 18:00 Uhr

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