Stand: 05.04.2016 12:16 Uhr

Marienburg: Das Märchenschloss der Welfen

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Das Schloss thront auf dem höchsten Berg der Region.

"Es war einmal ein König, der schenkte seiner Vermählten ein Schloss mit 160 Zimmern, 30 Meter hohen Aussichtstürmen, einer Kapelle und Stallungen." Genau so beginnt die Geschichte von Schloss Marienburg. Heute ist das pittoreske Gebäude im Calenberger Land ein Museum mit prunkvollen Räumen und einer prachtvollen Bibliothek. Besucher können das Innere des Schlosses bei einer knapp einstündigen Führung oder verschiedenen Themenführungen besichtigen. Dabei bekommen sie historisches Mobiliar, Gemälde und kunsthistorische Raritäten aus dem Besitz der königlichen Welfenfamilie zu sehen. Eine Sonderausstellung "Der Weg zur Krone" dokumentiert noch bis Ende 2016 außerdem die Personalunion der Welfen und des britischen Königshauses.

Zwei kleine, golden gerahmte Gemälde zeigen das Porträt einer Frau und eines Mannes. © NDR Fotograf: Eric Klitzke

Zu Gast bei den Welfen

Nordtour -

Bei einer Führung durch das Schloss erfahren Besucher auch, warum sich Bauherr König Georg V. stets von der Seite abbilden ließ.

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Ein Schloss auf dem Berg

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Märchenschloss von oben

Das Schloss Marienburg sehen, wie es nur ein Vogel kann: Mit einer Drohne sind Aufnahmen entstanden, die das historische Gebäude in der Region Hannover aus ungewohnter Perspektive zeigen. Bildergalerie

Schloss Marienburg gilt als eines der bedeutendsten neugotischen Baudenkmäler in Deutschland. Es steht in 135 Metern Höhe auf dem Marienberg, 20 Kilometer südlich von Hannover bei Nordstemmen. Die Burg bildet ein Ensemble mit dem Bahnhof des kleinen Ortes Nordstemmen, der einst als königlicher Bahnhof für das Schloss ausgebaut wurde.

Königin an Planung beteiligt

Erbaut wurde Schloss Marienburg zwischen 1858 und 1867. Georg V. (1819-1878), König von Hannover, hatte seiner Frau Marie zu ihrem 39. Geburtstag ein Schloss als Sommersitz geschenkt - zunächst aber nur das Gelände. Königin Marie machte bei der Bauplanung die entscheidenden Vorgaben. Anfangs stand ihr der Gründer der Hannoverschen Architektenschule, Conrad Wilhelm Hase, zur Seite. Hase arbeitete sieben Jahre am Schlossbau mit, wurde 1864 aber nach Unstimmigkeiten mit der Bauleitung entlassen. Als Nachfolger stellte Marie Edwin Oppeler ein, einen Schüler Hases. Der bestehende Bau wurde dann um einen Rittersaal mit Fußbodenheizung und eine Schlossküche mit fließend warmem Wasser ergänzt.

Georg V. flüchtet ins Exil

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König Georg V. versuchte Zeit seines Lebens seine Blindheit in der Öffentlichkeit zu verbergen

König Georg V. hinterließ indes kaum Spuren auf der Marienburg. Er konnte die beeindruckende Anlage nie sehen, denn er war seit seiner Kindheit blind. Damit er die Burg ertasten konnte, wurde ihm ein Korkmodell gebastelt. Noch bevor das Schloss fertig gebaut war, annektierte Preußen 1866 das Königreich Hannover. Georg V. flüchtete mit Sohn Ernst August und Tochter Frederike ins Exil nach Österreich. Marie konnte sich nicht von ihrem Märchenschloss trennen und zog mit Tochter Mary und einem 40-köpfigen Hofstaat in die Marienburg ein. Doch der Aufenthalt der beiden dauerte nicht einmal ein Jahr. Im Juli 1867 folgten Marie und ihre Tochter dem König nach Österreich.

Marienburg erst 1945 wieder bewohnt

Danach war das Schloss fast 80 Jahre unbewohnt. Das änderte sich erst, als Erbprinz Ernst August III. mit seiner Frau Viktoria Luise und seinen Kindern 1945 in die Marienburg einzog. Die Familie war vor heranrückenden sowjetischen Truppen aus Schloss Blankenburg geflohen. Im Jahr 1965 verließ Viktoria Luise die Marienburg. Seither wird das "Neuschwanstein des Nordens" von der königlichen Familie nicht mehr als Wohnsitz genutzt. 2004 überschrieb Welfen-Chef Prinz Ernst August von Hannover seinem gleichnamigen Sohn das Anwesen.

Geschichte

Das deutsch-britische Herrscherhaus der Welfen

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