Stand: 23.05.2017 16:58 Uhr

Hamburgs maritimes Erbe hautnah erleben

von Oliver Klebb, NDR.de

Fischerewer unter Segeln vor Blankenese und Finkenwerder, Stückgutfrachter mit qualmenden Rauchfahnen, ein Meer von Ladekränen, Schauerleute beim Entladen von Kaffee und Gewürzen, das Knattern der Niethämmer in den Trockendocks der Werften: Diese Bilder, Geräusche und Gerüche gehören im Hamburger Hafen schon lange der Vergangenheit an. Seit Mitte der 1950er-Jahre hat der Container die Frachtschifffahrt revolutioniert und damit auch den Hafen und seine Berufe nachhaltig verändert. Die Stiftung Hamburg Maritim hat sich zum Ziel gesetzt, dieses "maritime Erbe" der Hansestadt für zukünftige Generationen zu erhalten.

Hamburger Traditionsschiffe in Stiftungsbesitz

Mit privaten Spenden und der Hilfe aus Wirtschaft und Politik hat die Stiftung mittlerweile eine kleine Flotte von Traditionsschiffen erworben. Darunter die dampfbetriebene ehemalige Senatsbarkasse "Schaarhörn", den Hafenschlepper "Fairplay VIII", den Lotsenschoner "No 5 Elbe" oder den Hochseekutter "Landrath Küster". Außerdem betreibt die Stiftung den Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen, der 2008 in der Hafencity eröffnet wurde.

Betriebsvereine organisieren Ausfahrten

Unter dem Dach der Stiftung wird jedes der Traditionsschiffe durch einen eigenen Betriebsverein erhalten und finanziert. Mehr als 1.000 ehrenamtliche Helfer kümmern sich mittlerweile um die Instandhaltung der Oldtimer oder helfen als Crew-Mitglieder bei den Ausfahrten der Schiffe mit. Wer gerne einmal erleben möchte, wie sich die Seefahrt vergangener Tage anfühlt, kann auch mitfahren und mitsegeln. Je nach Törn und Schiff liegen die Preise zwischen 20 und 69 Euro pro Person. Derzeit sind Ausfahrten mit vier verschiedenen Schiffen buchbar: der "No 5 Elbe", der "Schaarhörn", dem Ewer "Johanna" sowie der "Fairplay VIII". Auf dem frisch restaurierten Stückgutfrachter "MS Bleichen" finden Veranstaltungen statt.

Aufwendige Restaurierung

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In liebevoller Kleinarbeit restaurieren Jugendliche und Langzeitarbeitslose den Rumpf der Hafenbarkasse "Meta".

Dass die Schiffe heute wieder auf Fahrt gehen können, ist nicht selbstverständlich. In Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Verein Jugend in Arbeit e.V. ließ die Stiftung sie zum Teil in jahrelanger Arbeit instandsetzen. Ein interessantes Schiff wird derzeit noch restauriert: der Elbfischkutter "Greta", ein Vollholzschiff, das 1904 in Finkenwerder gebaut und bis 1964 zum Fischen auf der Elbe genutzt wurde. Der Rumpf ist bereits erneuert, derzeit erfolgt der Innenausbau.

50er Schuppen - Kaianlage aus der Kaiserzeit

Nicht nur um historische Wasserfahrzeugen kümmert sich Hamburg Maritim, auch der Erhalt historischer Kaianlagen und Hafenschuppen liegt den Initiatoren am Herzen. Dazu hat die Stiftung auf dem Grasbrook einen der letzten erhaltenen Kaischuppen aus der Kaiserzeit, den sogenannten 50er Schuppen erworben und unter Denkmalschutz stellen lassen. Die Kaianlage, in der bis in die 80er-Jahre Stückgutfrachter gelöscht wurden, steht für die traditionelle, mehrschiffige Bauweise der alten Hafenschuppen. Das Gebäude beherbergt heute das Hafenmuseum, das Besuchern einen Überblick über die Geschichte der Schifffahrt, des Schiffbaus und des Seegüterumschlags in der Hansestadt gibt.

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