Stand: 18.07.2012 12:20 Uhr

Auf den Spuren der Beatles in Hamburg

von Beatrix Hasse, NDR.de
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Pilzfrisur und Anzug: So sahen die Liverpooler Jungs in den ersten Jahren ihrer Karriere aus.

"Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg bin ich erwachsen geworden", urteilte John Lennon über seine Zeit in der Hansestadt. In der Tat lernen die Pilzköpfe in Hamburg musikalisch das Laufen. Im August 1960 geben sie hier ihr erstes Konzert. Da kennt noch niemand die Band aus Liverpool. Später rocken die Musiker die Bühnen von Kaiserkeller, Top Ten und Star-Club - und spielen sich in die Herzen ihrer Fans. Was ist von den Beatles rund um die Reeperbahn geblieben? Eine kleine Spurensuche.

Indra: Große Freiheit 64

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Im Kiez-Club Indra gab die Band ihr erstes Konzert in Hamburg.

Hier hat alles angefangen. Am 17. August 1960 stehen die Beatles zum ersten Mal auf einer Hamburger Bühne, im Indra. Da sind sie noch zu fünft: Pete Best, George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Stuart Sutcliffe. Ein Erfolg ist der erste Auftritt nicht gerade: Nur wenige Gäste verirren sich in den Laden, die Stimmung ist mäßig und das musikalische Repertoire der Band begrenzt. Dass sich die Beatles den Abend mit einer Stripperin teilen mussten, weiß die Sängerin und Songwriterin Stefanie Hempel zu berichten, die Beatles-Touren durch Hamburg anbietet. Und: Damals habe es noch keine vernünftigen Rock-'n'-Roll-Bands in Hamburg gegeben.

Dabei hatte Indra-Chef Bruno Koschmider die Jungs aus Liverpool geholt, um möglichst viele Besucher anzulocken. "Macht Schau", heizt er die Engländer an. Die müssen sich erst an die harten Arbeitsbedingungen bei Koschmider gewöhnen. 30 Mark verdient jedes Bandmitglied pro Nacht. Sonnabends müssen die Beatles laut Vertrag sechs Stunden spielen, wochentags vier Stunden.

Bambi-Kino: Paul-Roosen-Straße 33

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Das Bambi-Kino: Heute erinnert nur noch ein Foto daran, dass die Beatles hier wohnten.

Es ist das Wohnzimmer der Beatles - obwohl es die Fünf dort bei Weitem nicht sehr wohnlich haben. Das Bambi-Kino gehört Bruno Koschmider, der die Band engagiert hat. Pete, George, John, Paul und Stuart wohnen in zwei kleinen, spartanisch eingerichteten Zimmern - direkt neben der Herrentoilette, die ihnen auch als Waschraum dient. Luxus sieht anders aus. Nebenan flimmern meist lautstark Filme über die Leinwand. Viel Schlaf bekommen die Musiker deshalb nicht. Die harten Nächte auf dem Kiez überstehen die Beatles mit Preludin, einem Schlankheitsmittel mit Aufputscheffekt. Heute gibt es das Bambi-Kino nicht mehr, aber ein Foto an der Hauswand erinnert noch an die Zeit, in der die Beatles dort hausten.

Kaiserkeller: Große Freiheit 36

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Im Kaiserkeller lernte die Band den Schlagzeuger Ringo Starr kennen.

Der Kaiserkeller gehört ebenfalls Bruno Koschmider. Dort spielen die Beatles ab Oktober 1960. Stündlich wechseln sie sich mit Rory Storm & The Hurricanes, einer anderen Band aus Liverpool, ab. Deren Schlagzeuger ist Ringo Starr, der 1962 zu den Beatles wechselt und in der Band Pete Best ersetzt. Die vielen Übungsstunden zahlen sich aus: Immer mehr Kiezgänger kommen, um sich die beiden Bands anzuhören.

Im Kaiserkeller lernen die Beatles Astrid Kirchherr kennen, viele legendäre Fotos der Band stammen von ihr. Auch den unverwechselbaren Haarschnitt der Beatles - den sogenannten Pilzkopf - soll sie erfunden haben. Beatles-Bassist Stuart Sutcliffe und die Fotografin Kirchherr werden ein Paar. Zum 31. November 1960 will Bruno Koschmider "auf behördliche Anordnung" den Vertrag mit den Beatles beenden. George Harrisson sei noch minderjährig, so die Begründung. Tatsächlich wird Harrison von den Behörden schon früher ausgewiesen und reist schon am 21. November aus Hamburg ab.

David-Wache: Reeperbahn / Ecke Davidstraße

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Paul McCartney und Pete Best mussten eine Nacht auf der Davidwache verbringen.

Die Beatles machen zu viert weiter, verpassen Koschmider aber einen Denkzettel: Paul McCartney brennt in der Unterkunft - dem Bambi-Kino in der Paul-Roosen-Straße - ein Kondom an. Koschmider zeigt ihn wegen Brandstiftung an. Obwohl beim Brand kein großer Schaden entsteht, müssen müssen McCartney und sein Band-Kollege Pete Best eine Nacht in einer Zelle auf der berühmtesten Polizeiwache der Stadt verbringen, bevor sie am 5. Dezember 1960 des Landes verwiesen werden - wegen fehlender Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen.

Top Ten Club: Reeperbahn 136

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Im ehemaligen Hippodrom auf der Reeperbahn war der Top Ten Club untergebracht.

Im Frühjahr 1961 sind die "Fab Four" zurück in der Hansestadt. Neuer Club, neues Glück: Auf der Reeperbahn hat inzwischen das Top Ten eröffnet. Die Band spielt dort zu viert, ohne den Bassisten Stuart Sutcliffe, der schon ausgestiegen ist. Die Jungs treten als Begleitband für den Sänger Tony Sheridan unter dem Namen "Beat Brothers" auf. Im Top Ten Club entdeckt sie der Komponist Bert Kaempfert und nimmt mit ihnen einige Songs für Polydor auf, darunter "My Bonnie" - einer der ersten Beatles-Hits. Nichts erinnert heute mehr an den Top Ten Club: In dem Gebäude des ehemaligen Hippodroms auf der Reeperbahn gab es danach diverse Clubs, heute das Moondoo.

Star-Club: Große Freiheit 39

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Wo der Starclub war, steht heute nur noch ein Gedenkstein.

Nur ein Gedenkstein im Hinterhof erinnert heute noch an die Existenz des Star-Clubs. Bis er Silvester 1969 geschlossen wurde, machte er sich in der Szene durch spektakuläre Konzerte großer Künstler wie Little Richard, Jimi Hendrix oder The Everly Brothers einen Namen. 1983 brannte das Gebäude ab, die Reste wurden abgerissen. Die Beatles gastieren drei Mal für ein paar Wochen im Star-Club, zuerst im April und Mai 1962. Die Musiker sind professioneller geworden, jeder verdient inzwischen 500 Mark pro Woche.

Im November 1962 kommen die Beatles für zwei weitere Wochen in den Starclub. Da sitzt schon Ringo Starr am Schlagzeug, der im August des Jahres zur Band gekommen ist und nun Pete Best ersetzt. Zum letzten Mal gastieren die Beatles vom 18. bis zum 31. Dezember 1962 im Star-Club. Als sie vier Jahre später nach Hamburg kommen, spielen sie nicht mehr in den kleinen Kiez-Clubs, sondern in der Ernst-Merck-Halle, die mehrere Tausend Besucher fasst. Sie sind längst berühmt, bringen ihre Fans im überfüllten Konzertsaal zum Kreischen.

Beatles-Platz: Ecke Reeperbahn / Große Freiheit

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Fünf Stahl-Skulpturen erinnern auf dem Beatles-Platz an alle Bandmitglieder.

Erst seit 2008 gibt es den Beatles-Platz, der an die bedeutende Zeit der "Fab Four" in Hamburg erinnert. Er hat die Form einer Schallplatte und einen Durchmesser von 29 Metern. Darauf stehen fünf Skulpturen aus Edelstahl. Sie zeigen alle Musiker, die bei den Beatles gespielt haben: John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliff, Ringo Starr und seinen Vorgänger Pete Best. Damit an beide Schlagzeuger erinnert wird, haben die Gestalter des Denkmals die Silhouette der Figur des Schlagzeugers aus beiden Drummern gemischt. Besucher können sich in die Silhouetten ihrer Stars stellen - und zur Erinnerung Fotos schießen.

Karte: Hier geht es zu den Stätten der Beatles
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 03.06.2014 | 19:00 Uhr

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