Stand: 21.04.2016 16:07 Uhr  | Archiv

Wolfsburg: Es muss nicht immer Auto sein

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Das Kunstmuseum zeigt Werke zeitgenössischer Künstler wie Damien Hirst, Cindy Sherman und Neo Rauch.

Wer Wolfsburg hört, denkt an VW: Es gibt wohl kaum eine andere Stadt in Deutschland, deren Name so eng mit einem Industrie-Konzern verbunden ist. Tatsächlich steht und fällt die Stadt mit Volkswagen: Geht es dem Autobauer gut, sprudeln Steuergelder in die Stadtkasse. Steckt VW in der Krise, gilt das auch für Wolfsburg.

Seit einigen Jahren versucht die Stadt, diese Abhängigkeit zu verringern und sich als Touristen-Ziel zu etablieren. So entstanden ehrgeizige Projekte wie die Wissenschaftsschau Phaeno, das Kunstmuseum und das Badeland. Dennoch: Wolfsburg war und ist Auto-Stadt.

Wolfsburg: Eine Stadt und "ihr" VW-Konzern

Autostadt: Ein Weltkonzern präsentiert sich

Kern und Mittelpunkt der Stadt ist das VW-Werk. Es dominiert das Zentrum zwischen Fußgängerzone und Schloss. Von der viel befahrenen Berliner Brücke über den Mittellandkanal und die Eisenbahn-Trasse fällt der Blick auf die Autostadt des Volkswagen-Konzerns mit den beiden markanten Glastürmen, in denen Neuwagen auf ihre Auslieferung warten. Das Unternehmen investierte im Jahr 2000 rund 850 Millionen Euro in das Projekt. Entstanden ist ein Forum, das seine zentralen Themen Auto und Mobilität vielfältig, unkonventionell und modern präsentiert. Dazu gehören wechselnde Ausstellungen zu technischen Themen ebenso wie kulturelle Angebote, etwa die "Movimentos"-Festwochen im Frühsommer mit zeitgenössischem Tanz, Konzerten, Lesungen und Matineen. 

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Die Autostadt zeigt nicht nur Autos, sondern präsentiert auch eine futuristische Architektur.

Direkt am Mittellandkanal bildet die 25 Hektar große Autostadt eine architektonisch anspruchsvolle urbane Szenerie mit Ausstellungsgebäuden, Pavillons, Wasserwegen, Hügeln, Grünflächen und Brücken. Volkswagen nutzt die Autostadt als Aushängeschild und Besucherzentrum sowie als Auslieferungszentrale für bis zu 1.000 Neuwagen täglich. Besucher können eine Tour durch die Markenwelten des Volkswagen-Konzerns unternehmen, die Historie des Unternehmens kennenlernen und seine Zukunftspläne. Dabei enthält die Ausstellung zahlreiche interaktive Elemente, die den Gang durch das weitläufige Gelände zum aktiven Erlebnis werden lassen sollen.

Phaeno: Experimentieren und Verstehen

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Phæno - Wissenschaft zum Anfassen

Das Phæno in Wolfsburg ist eine Ausstellung für Neugierige. An 350 Experimentier-Stationen können Besucher naturwissenschaftliche Phänomene mit allen Sinnen erfahren. mehr

Eine Fußgängerbrücke verbindet die Autostadt mit dem ICE-Bahnhof und der Wolfsburger Innenstadt auf der anderen Seite des Mittellandkanals. Zunächst fällt neben dem Bahnhofsvorplatz jedoch das Gebäude der Experimentierlandschaft Phaeno ins Auge. Der futuristisch gestaltete Betonbau der Architektin Zaha Hadid, der an ein Schiff erinnert, enthält 9.000 Quadratmeter Aktionsfläche. Aufgeteilt in sieben Themenbereiche wie Biologie und Mensch, Klima und Geologie oder Kunst und Naturschauspiel biete sie insgesamt rund 300 Experimentier-Stationen. Zusätzlich sollen wechselnde Ausstellungen und Vorträge technische und naturwissenschaftliche Phänomene anschaulich erklären.

Einkaufsmeile und moderne Kunst

Südlich des Phaeno-Gebäudes beginnt die Porschestraße, Wolfsburgs Fußgängerzone. Sie entstand 1977 im Rahmen einer Umgestaltung der Innenstadt und galt lange als wenig attraktives Zentrum.

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Einkaufsstraße und Bummelmeile: die Porschestraße.

Inzwischen wurde die gerade Straße mit Brunnen, Pavillons, Grünflächen und Cafés aufgelockert. Die angrenzende City-Galerie mit mehr als 100 Geschäften und Restaurants ist der beliebteste Treffpunkt für einen Einkaufsbummel in Wolfsburg. Am südlichen Ende der Porschestraße steht seit 1994 ein moderner Bau aus Stahl und Glas: das Kunstmuseum. Es versteht sich als Zentrum moderner Klassiker und zeitgenössischer Werke. Der Schwerpunkt liegt auf wechselnden Ausstellungen bildender Künstler. In der Sammlung finden sich unter anderem Werke von Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Nam June Paik und Cindy Sherman.

Allerpark: Freizeitgelände im Zentrum

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Modernes Freizeitgelände mit vielfältigen Sportmöglichkeiten: Allerpark und Allersee.

Mit dem Allerpark verfügt die Stadt über ein zentrales, modernes Freizeitgelände. Das Gebiet zwischen Aller, Mittellandkanal und Allersee wurde zur Landesgartenschau 2004 grundlegend umgestaltet. Es bietet jetzt zahlreiche Sportanlagen wie Skater-Bahn, Beachvolleyball-Platz, Hochseilgarten und Mountainbike-Parcours sowie verschiedene Restaurants, Spielplatz und Festplatz. Am See haben sich außerdem mehrere Wassersport-Vereine und ein Campingplatz angesiedelt.  

Am Nordufer des Allersees sorgt das Badeland ganzjährig für Wellness- und Badevergnügen. Mit mehr als 3.000 Quadratmeter Wasserfläche, 50-Meter-Schwimmbecken, Springerbecken mit Turm, zwei Wasserrutschen, einer großen Sauna-Landschaft, Wellenbad und Außenbecken lockt es Besucher aus der gesamten Region an. Das gilt auch für die Volkswagen-Arena, das Stadion von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg im Südwesten des Allerparks.

Historisches Erbe

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Schloss Wolfsburg repräsentiert die Geschichte in einer modernen Stadt.

Derm VW-Werk gegenüber steht in einem Park an der Aller Schloss Wolfsburg. Das Gebäude im Stil der Weserrenaissance beherbergt das Stadtmuseum, den Kunstverein und die städtische Galerie. Das Schloss gehört heute der Stadt Wolfsburg, die es zu kulturellen und repräsentativen Anlässen nutzt. Seine jetzige Fassade stammt aus dem 16. Jahrhundert, als das Adelsgeschlecht derer von Bartensleben dort residierte.

Für Freunde historischer Gebäude bietet Wolfsburg im Stadtteil Fallersleben ein weiteres Schloss. In dem mittelalterlichen Fachwerkbau befindet sich das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Es zeichnet die Lebengeschichte des bekannten deutschen Dichters nach und informiert über die deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert.

Vom Ackerland zur Industriestadt

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Einst der Traum von Tausenden Deutschen: der "KdF-Wagen" auf einer Briefmarke.

Auch die Ursprünge der Stadt gehen auf Volkswagen zurück. Als das VW-Werk 1938 gegründet wurde, gab es in der landwirtschaftlich geprägten Gegend kaum mehr als einige Dörfer. Mit dem Werk sollte eine "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben" für bis zu 100.000 Menschen wachsen. Der Wohnungsbau begann, doch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges produzierte das Volkswagenwerk mit Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Insassen von Konzentrationslagern Rüstungsgüter. Bei Kriegsende 1945 waren die Anlagen zu etwa zwei Dritteln zerstört, die Wohngebiete jedoch kaum. Das Projekt Volkswagen wurde fortgesetzt und am 25. Mai 1945 entschied sich die Stadtverordneten-Versammlung für den neuen Namen Wolfsburg. Er hat seinen Ursprung in dem Schloss, das 1302 als "Wolfsburg" erstmals urkundlich erwähnt wurde.  

Tourismus-Zentrum Wolfsburg

Willy-Brandt-Platz 3
38440 Wolfsburg
Tel. (05361) 89 99 30

Öffnungszeiten
Mo bis So 9 -18 Uhr
So und Feiertage: 10 -15 Uhr

Nach dem Krieg entstanden neue Pläne für eine Stadt mit 35.000 Einwohnern. Flüchtlinge aus dem Osten sorgten dafür, dass Wolfsburg rasch wuchs und 1952 bereits mehr als 30.000 Bewohner hatte. Neue Stadtteile, Schulen, ein Krankenhaus und die Stadthalle wurden gebaut. Das Volkswagenwerk produzierte wieder Autos: 1955 rollte das millionste Fahrzeug vom Band. Seit der Gebietsreform von 1972 gehören 20 weitere Gemeinden und Städte des Umlands zu Wolfsburg, das damit 131.000 Einwohner hatte. Jetzt liegt die Zahl bei etwa 125.000.

Viel Fläche - wenig Einwohner

Die Geschichte prägt auch Struktur und Stadtbild: Außer dem Schloss gibt es in der Kernstadt kaum historische Gebäude. Häuser aus den 1950er- und 1960-Jahren prägen das Bild. Das gilt auch für die katholische Pfarrkirche St. Christophorus von 1951. Ganz anders präsentieren sich die vielen Stadtteile: Ihr Kern besteht meist aus Fachwerkhäusern, um die Einfamilienhäuser aller Nachkriegsbaujahre entstanden sind. Mit 204 Quadratkilometern ist die Fläche der weitläufigen Stadt Wolfsburg genauso groß wie die von Hannover - bei nur einem Viertel der Einwohnerzahl.

Karte: Wolfsburg
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Kulturjournal | 18.04.2016 | 22.45 Uhr

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