Die VW-Abgas-Affäre: Eine Chronologie

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Die Manipulation bei Abgaswerten von Dieselfahrzeugen kostet VW Milliarden. (Themenbild)

Der Abgas-Skandal hat dem Volkswagen-Konzern die wohl schwerste Krise der Unternehmensgeschichte beschert. Nach Bekanntwerden der Manipulation der Abgaswerte bei Dieselmotoren in den USA haben sich die Ereignisse teilweise überschlagen. Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn kündigte zunächst eine Aufklärung der Affäre unter seiner Ägide an, trat dann aber doch zurück. Neuer VW-Vorstandsvorsitzender ist der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller. Volkswagen drohen nach der Affäre langwierige Prozesse unter anderem in den Vereinigten Staaten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Nach bisherigen Schätzungen sind rund elf Millionen Fahrzeuge von VW, Audi und Skoda betroffen. Eine Chronologie der Ereignisse:

2005

Während der Amtszeit von VW-Chef Bernd Pischetsrieder und VW-Markenchef Wolfgang Bernhard soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die Entscheidung zum Einbau der Manipulations-Software in Diesel-Fahrzeugen zwischen 2005 und 2006 gefallen sein, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale in Wolfsburg.

2007

Der bisherige Audi-Vorstandschef Martin Winterkorn wird Nachfolger von VW-Chef Pischetsrieder.

Von "Mr. Qualität" zu "Mr. Abgas-Skandal"

Autozulieferer Bosch soll in einem Schreiben an den VW-Konzern vor einer illegalen Verwendung seiner Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt haben. Das ergaben Recherchen der "Bild am Sonntag".

2014

Ein Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation und der Universität West Virginia decken erhöhte Emissionswerte bei einigen Volkswagen-Modellen in den USA auf.

Mai 2014

Volkswagen sollen die Ergebnisse der Untersuchungen in den USA seit Mai 2014 bekannt sein. Offenbar versucht das Unternehmen zunächst, die Probleme auf dem Verhandlungsweg zu lösen.

Dezember 2014 - Januar 2015

Die Absatzprobleme in den USA dauern an. Mit der Kernmarke VW verliert Volkswagen 2014 rund sieben Prozent der Marktanteile. VW-Chef Martin Winterkorn schwört die Manager der Kernmarke auf einen Sparkurs ein. Zudem startet Volkswagen eine Rückrufaktion, die mehrere Hunderttausend Fahrzeug betrifft.

3. September 2015

Gegenüber der US-Umweltbehörde EPA räumt Volkswagen USA die Manipulation der Abgaswerte offenbar ein. Gegenüber der Öffentlichkeit schweigt sich der Konzern aber weiter aus, statt ad hoc die Verfälschung der Abgaswerte einzuräumen.

19. September 2015

Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe durch die US-Umweltbehörde EPA gibt Volkswagen die Manipulation der Abgaswerte bei Dieselmotoren zu. Die Manipulation weitet sich von nun an zum Skandal aus. Allein in den USA sollen mehr als 480.000 Fahrzeuge betroffen sein.

20. September 2015

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an.

VW-Konzernchef Martin Winterkorn spricht in einer Videobotschaft über den VW-Abgasskandal.

Winterkorn: "Es tut mir unendlich leid"

VW-Chef Winterkorn hat erklärt, dass der Konzern nun alles tue, um den Abgas-Skandal aufzuklären. Er entschuldigte sich bei "der gesamten Öffentlichkeit".

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21. September 2015

Neben der Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaates New York kündigt auch das US-Justizministerium in Washington D.C. Ermittlungen in der VW-Abgasaffäre an. In den Vereinigten Staaten räumt der Amerika-Chef des Wolfsburger Autobauers unterdessen ein: "Wir haben Mist gebaut." Der Aktienkurs des Unternehmens bricht nach Börsenhandelsschluss ein.

22. September 2015

Die Volkswagen-Aktie setzt ihre Talfahrt fast ungebremst fort, nachdem Volkswagen eine Gewinnwarnung herausgibt. Der Kurs des Papiers fällt unter 100 Euro pro Stück. Damit verliert die Volkswagen-Aktie innerhalb weniger Stunden fast 40 Prozent ihres Wertes. Das Präsidium des Aufsichtsrates kommt in Wolfsburg zu einer Krisensitzung zusammen. Noch hält VW-Chef Martin Winterkorn an seinem Posten fest. Er betont, dass er sich nichts habe zuschulden kommen lassen.

23. September 2015

Nach weiteren Krisenrunden in der Konzernzentrale tritt Winterkorn als VW-Vorstandschef zurück. Die Suche nach einem neuen Chef für Europas größten Autobauer läuft danach auf Hochtouren. Zum Favoritenkreis der Nachfolger gehört Porsche-Chef Matthias Müller.

Videos
14:08 min

VW: Die Pressekonferenz in voller Länge

Am Freitag hat Volkswagen Matthias Müller als neuen Vorstandschef vorgestellt. VW brauche einen Neuanfang, so die Botschaft. Hier die Pressekonferenz in voller Länge. Video (14:08 min)

24. September 2015

Nach dem Winterkorn-Abgang sollen weitere Top-Manager des Konzerns ihre Posten räumen. Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies (SPD) befürchtet, dass der Abgas-Skandal Jobs beim Autobauer in Gefahr bringen könne.

25. September 2015

Der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller wird vom Aufsichtsrat zum neuen VW-Vorstandschef gekürt. Die niedersächsischen Städte mit VW-Werken fürchten die finanziellen Folgen des Skandals, weil Volkswagen an den Standorten hohe Gewerbesteuern abführt.

27. September 2015

In der Schweiz und in Belgien wird der Verkauf der fraglichen Autos mit dem VW-Motor EA 189 gestoppt. Italien kündigt eigene Abgasmessungen an.

28. September 2015

Volkswagen nennt neue Details zum Abgas-Skandal. In mehr als zwei Millionen Fahrzeugen von Audi und Skoda sowie bei VW Nutzfahrzeuge ist die Manipulations-Software ebenfalls installiert. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt bekannt, dass sie Ermittlungen gegen den vormaligen VW-Chef Martin Winterkorn aufgenommen habe. In mehreren Anzeigen werde Winterkorn Betrug zur Last gelegt, heißt es von Seiten der Ermittlungsbehörde.

29. September 2015

Volkswagen räumt ein, dass die bisher zurückgestellten 6,5 Milliarden Euro voraussichtlich nicht genügen werden, um den finanziellen Schaden des Skandals zu beheben. In den USA rollt auf Volkswagen eine regelrechte Klagewelle zu. Der neue VW-Chef Matthias Müller nennt den Abgas-Krise "die größte Bewährungsprobe" für das Wolfsburger Unternehmen.

30. September 2015

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach übereinstimmenden Medienberichten doch nicht persönlich gegen Martin Winterkorn.

1. Oktober 2015

Die Norddeutsche Landesbank Nord/LB gibt bekannt, dass ihre Analysten wegen des Abgas-Skandals bei VW mit Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro rechnen. Darin enthalten seien Strafzahlungen, Rückrufaktionen, Entschädigungen für Wertverlust und mögliche Schmerzensgeldforderungen.

2. Oktober 2015

VW stellt eine Internetseite bereit, auf der Kunden prüfen lassen können, ob ihr Fahrzeug mit einem manipulierten Diesel-Motor fährt. Mehrere Staaten kündigen Untersuchungen an. Die französische Justiz leitet Vorermittlungen wegen des Verdachts des schweren Betrugs gegen VW ein. In Braunschweig wird die Klage eines deutschen Privatanlegers eingereicht. Der Anleger aus Baden-Württemberg hatte seiner Anwaltskanzlei zufolge im April und Juli VW-Vorzugsaktien gekauft und fordert, dass diese Transaktion jetzt rückabgewickelt wird. Der Kanzlei zufolge hat der Anleger insgesamt rund 20.000 Euro verloren, weil die Aktien von Volkswagen nach Bekanntwerden des Skandals massiv an Wert verloren hatten.

4. Oktober 2015

Laut Medienberichten haben mehrere VW-Ingenieure eingestanden, die Manipulationssoftware bei Diesel-Motoren im Jahr 2008 installiert zu haben. Es habe damals keine andere Lösung gegeben, die Abgaswerte und Kostenvorgaben des Dieselmotors EA 189 einzuhalten, heißt es laut "Bild am Sonntag" in einem internen VW-Revisionsbericht.

6. Oktober 2015

VW-Betriebsrat Bernd Osterloh versichert vor rund 22.000 Beschäftigten in Wolfsburg, dass vorerst keine Jobs gefährdet seien. Der neue VW-Chef Matthias Müller macht gleichwohl klar, dass dem Unternehmen harte Einschnitte drohen. Auch das Fußball-Engagement stellt er infrage. Die Rückrufaktion der vom Abgas-Skandal betroffenen Autos soll laut Müller im Januar beginnen.

7. Oktober 2015

Das Amtsgericht Braunschweig bestellt den bisherigen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsrat. Die gerichtliche Bestellung ist Voraussetzung dafür, dass Pötsch auf Berthold Huber als Aufsichtsratschef folgen kann. Pötsch rückt für Julia Kuhn-Piëch in den Aufsichtsrat, die ihr Mandat niedergelegt hatte.

Der VW-Aufsichtsrat wählt Hans Dieter Pötsch zum Vorsitzenden. "Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst. Ich will und ich werde meinen Beitrag leisten", sagt der neue Chefkontrolleur in einer Pressekonferenz in Wolfsburg.

8. Oktober 2015

Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt durchsuchen Büros bei Volkswagen in Wolfsburg und anderen Orten. Bei der Razzia sollen Dokumente und Datenträger sichergestellt werden. In den Unterlagen könnten Informationen darüber stehen, welche Mitarbeiter an der Manipulation beteiligt waren und wie sie dabei konkret vorgegangen sind.

Unterdessen teilt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Rahmen eines Treffens mit dem Konzernbetriebsrat in Wolfsburg mit, dass die Bundesregierung eine Ausweitung der Kurzarbeiterregelung auch auf Leiharbeiter prüfe. Die Arbeitnehmer dürften nicht den Preis für die Verfehlungen von Managern zahlen.

12. Oktober 2015

Volkswagen teilt mit, im Zuge des Abgas-Skandals auch 2.000 Diesel-Autos aus China zurückzurufen. Betroffen sind nach Konzernangaben nur importierte Fahrzeuge der Modelle Tiguan und Passat. Die chinesische Umweltbehörde kündigt daraufhin Untersuchungen zum Verstoß gegen Umweltauflagen bei VW-Fahrzeugen an.

13. Oktober 2015

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) unterrichtet zum Auftakt der Landtagswoche das Parlament in Hannover über den VW-Abgas-Skandal. Er kritisiert, dass Volkswagen die Manipulationen von Abgas-Werten zu spät eingeräumt habe. Außerdem kündigt er an, dass die Aufklärung des Skandals noch Monate in Anspruch nehmen wird.

Derweil berichten die Branchenportale "Variety" und "Deadline.com", dass Hollywoodstar Leonardo DiCaprio die Affäre verfilmen will.

15. Oktober 2015

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zwingt Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen. VW reagiert und weitet die Rückrufaktion freiwillig auf Europa aus, betroffen sind 8,5 Millionen Autos.

16. Oktober 2015

Volkswagen holt die Daimler-Vorstandsfrau und frühere Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt als erste Frau in den Vorstand. Die 65-Jährige soll ab dem 1. Januar das neue Ressort für Compliance (Integrität und Recht) führen. Derweil kämpft das Wolfsburger Unternehmen mit sinkenden Absatzzahlen. Weltweit beträgt das Minus 1,5 Prozent. Bei den Ermittlungen nach dem Abgas-Skandal dementiert die Staatsanwaltschaft Braunschweig Medienberichte, wonach gegen rund 30 Manager ermittelt werde. Laut Behörde sind deutlich weniger Führungskräfte im Visier der Justiz.

17. Oktober 2015

Durch den VW-Abgas-Skandal sind nun doch Arbeitsplätze in Gefahr. Laut Betriebsrat erwägt der Vorstand den Abbau von Leiharbeiter-Jobs. Derweil buhlt das Wolfsburger Unternehmen in der Mitarbeiterzeitschrift "autogramm" um das verloren gegangene Vertrauen der Kunden.

Am Nachmittag gibt die Stuttgarter Porsche-Holding PSE bekannt, dass der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn zum Monatsende auch den Posten des Vorstandvorsitzenden bei der Familien-Holding aufgibt. Sein Nachfolger wird ab 1. November der neue VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

20. Oktober 2015

Der VW-Betriebsrat und die IG Metall fordern in einer gemeinsamen Erklärung den Konzern auf, Konsequenzen aus dem Skandal zu ziehen. Sie setzen unter anderem auf flachere Hierarchien und Dezentralisierung im Unternehmen.

21. Oktober 2015

In der niedersächsischen Staatskanzlei ist eine VW-Akte verschwunden. Ob sie gestohlen wurde oder nur verlegt - das soll nun geklärt werden. Die Staatskanzlei hat Strafanzeige gestellt. "Wir haben ein Ermittlungsverfahren zunächst gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Diebstahl eingeleitet", erklärt die Staatsanwaltschaft Hannover.

26. Oktober 2015

Volkswagen ernennt den früheren Chef von Opel, Thomas Sedran, zum Chefstrategen. Er besetzt einen Posten, den es beim Wolfsburger Autobauer zuvor noch nicht gegeben hat. Ab dem 1. November organisiert Sedran die Vermarktung der einzelnen Marken innerhalb des Konzerns.

27. Oktober 2015

Für die rund elf Millionen vom Abgas-Skandal betroffenen Fahrzeuge muss Volkswagen offenbar rund Zehntausend Lösungen ausarbeiten. Das ergebe sich aus der Vielzahl der Fahrzeugmodelle, heißt es aus Konzernkreisen. Auf den Absatz wirkt sich die Krise unterdessen offenbar noch nicht aus.

28. Oktober 2015

Volkswagen fährt im dritten Quartal einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit)ein. Für 2015 korrigiert der Wolfsburger Autobauer seine Ziele nach unten. Durch den Verkauf der Suzuki-Anteile kann das Unternehmen den Verlust zumindest ein wenig lindern.

2. November 2015

Die Diesel-Affäre bei Volkswagen weitet sich aus: Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA sind nun auch 3-Liter-Motoren davon betroffen.

3. November 2015

Bisher ging es in dem Abgas-Skandal um Stickoxide (NOX). Nun räumt Volkswagen ein, dass bei internen Untersuchungen Unregelmäßigkeiten bei den CO2-Werten zahlreicher Modelle aufgefallen sind. Weltweit könnten bis zu 800.000 Fahrzeuge betroffen sein.

6. November 2015

Volkswagen räumt ein, Testabläufe oder Fahrzeuge für bessere CO2-Werte manipuliert zu haben. Zunächst hatte es geheißen, die falschen Angaben seien nur auf dem Papier gemacht worden.

9. November 2015

Volkswagen muss bei 540.000 vom Diesel-Abgas-Skandal betroffenen Fahrzeugen auch Änderungen am Motor vornehmen. Das geben das Kraftfahrt-Bundesamt und das Bundesverkehrsministerium bekannt.

10. November 2015

Der Wolfsburger Autobauer VW steht weiter unter Druck: Das Kraftfahrt-Bundesamt setzt dem Konzern erneut eine Frist um Lösungsvorschläge für die manipulierten Motoren einzureichen. Im Skandal um erhöhte Kohlendioxid-Werte verlangt nun nach Medienberichten die EU-Kommission Auskunft darüber, welche Fahrzeuge betroffen sind und wie hoch die tatsächlichen CO2-Werte sind.

11. November 2015

Volkswagen tauscht nach eigenen Angaben den Leiter der Konzernrevision aus. Der bisherige Chef Peter Dörfler räumt den Posten. Kommissarisch übernimmt der bisherige Porsche-Mann Markus Eberl den Posten des VW-Chef-Aufklärers.

13. November 2015

Die festen Mitarbeiter von Volkswagen müssten vorerst nicht um ihre Arbeitsplätze bangen, sagen VW-Marken-Chef Diess und Betriebsrats-Chef Osterloh. Es würden aber geringere Bonuszahlungen erwartet. Der Abgas-Skandal schlägt sich offenbar auf die Verkaufszahlen des Konzerns nieder. Die Hausmarke Volkswagen verkaufte im Oktober rund fünf Prozent weniger Fahrzeuge als im Oktober des Vorjahres.

21. November 2015

Volkswagen legt in den USA bei den Umweltbehörden CARB und EPA einen ersten Plan zur Bewältigung des Abgas-Skandals vor. In Wolfsburg kündigt VW-Chef Matthias Müller an, dass das Unternehmen 2016 das Investitionsvolumen um eine Milliarde auf zwölf Milliarden Euro begrenzen wird.

24. November 2015

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig weitet ihre Ermittlungen in der Abgas-Affäre aus: Nach NDR Informationen ermittelt sie nun auch wegen Steuerhinterziehung. Der Anfangsverdacht richtet sich gegen fünf VW-Mitarbeiter. Es geht um Steuerhinterziehung in mehrfacher Millionenhöhe.

25. November 2015

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Vorschläge von VW zur Umrüstung der Fahrzeuge, die mit Manipulationssoftware ausgestattet sind, genehmigt. Mithilfe neuer Luftgitter und Software-Updates soll es überraschend einfach sein, den Schadstoffausstoß zu verringern, sodass sie die zugelassenen Grenzwerte einhalten.

Ein Kunststoffgitter und ein bisschen Software

27. November 2015

VW verlängert die Werksferien in Wolfsburg, Emden und Osnabrück. Zum Teil sollen die Bänder fast einen Monat lang stillstehen. VW reagiere damit auf die aktuelle Situation, sagt Sprecher Christoph Adomat NDR 1 Niedersachsen.

Emden muss sich derweil auf extrem knappe Kassen einstellen: VW zahlt der Stadt in diesem Jahr keine Gewerbesteuer.

"Zehn Prozent von null ist null". Mit dieser einfachen Rechnung macht VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh den Mitarbeitern wenig Hoffnung auf ihre diesjährige Bonus-Zahlung. Er fordert auch das Management auf zurückzustecken.

2. Dezember 2015

Vor Zehntausenden VW-Mitarbeitern setzen die mächtigen Eigentümer-Familien in Wolfsburg ein Signal. Wolfgang Porsche, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, betont bei der Betriebsversammlung, dass die Familien Porsche und Piëch zu Volkswagen und zur Beschäftigungssicherung im Unternehmen stehen. Die Zukunft der Leiharbeiter ist jedoch weiter ungewiss.

9. Dezember 2015

In Wolfsburg kommt der VW-Aufsichtsrat auf dem Werksgelände zusammen, um über den Abgas-Skandal zu beraten. Kurz zuvor hat der Konzern mal eine gute Nachricht zu verkünden: Das Thema der CO2-Problematik bei Benzin-Motoren sei weitgehend abgeschlossen. Einen Monat nach Bekanntwerden von fragwürdigen CO2-Messwerten einiger Modelle sei nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen klar, dass die Messwerte von fast allen 800.000 unter Verdacht stehenden Autos doch den ursprünglich festgestellten Angaben entsprächen. Zudem werden einige Personalentscheidungen bekannt, so übernimmt zum Beispiel Ralf Brandstätter das Ressort Beschaffung bei der Kernmarke VW.

10. Dezember 2015

Erstmals seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals äußern sich VW-Vorstandschef Müller und Aufsichtsratschef Pösch live vor Journalisten und geben Fehler zu. Pötsch sprach von beispiellosen Monaten. "Niemand hätte sich vorstellen können, dass das Unternehmen in eine Situation geraten könnte, wie wir sie seit Ende September erleben", so Pötsch. Der Konzern sei in eine äußerst schwierige Lage gebracht worden. VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte: "Wir werden nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt, wir nutzen sie als Katalysator für den Wandel, den Volkswagen braucht." Für den Einsatz der Schummel-Software wird eine ganze Fehlerkette verantwortlich gemacht.

16. Dezember 2015

Volkswagen kündigt an, im Januar die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordnete Rückrufaktion zu starten. Insgesamt sollen bundesweit 2,4 Millionen Diesel-Autos über das gesamte Jahr verteilt in die Werkstatt. VW verspricht, dass das Update am Verbrauch und der Leistung der Fahrzeuge nichts ändert.

4. Januar 2016

Die USA verklagen VW. Das US-Justizministerium wirft dem Wolfsburger Autobauer den Einsatz von Betrugssoftware und Verstöße gegen das Klimaschutzgesetz vor. Die Verstöße könnten mit einer Milliardenstrafe geahndet werden. In den USA sollen mehr als 600.000 Fahrzeuge betroffen sein, schreibt das Ministerium in einer Mitteilung. Die Klage richtet sich nicht nur gegen die Kernmarke VW, sondern auch gegen die vom Skandal betroffenen Konzerntöchter Audi und Porsche. Bisher konnten sich der Konzern und die amerikanischen Umweltbehörden noch nicht auf einen Rückrufplan für betroffene Fahrzeuge einigen.

11. Januar 2016

Im Umfeld der US-Motor-Show in Detroit sorgt VW-Chef Matthias Müller für reichlich Irritationen. Den betrügerischen Abgasskandal rückt er in Interviews in die Nähe von technischen Versehen. Die VW-Verantwortlichen hätten die Gesetzeslage seinerzeit wohl falsch interpretiert. Im ARD-Morgenmagazin spricht Müller von einem Fehler, der den Technikern nicht bewusst gewesen sei. Kopfschütteln in Deutschland, Wut und Entrüstung in den USA sind die Folge dieser verharmlosenden Darstellung eines beispiellosen Vorgangs.

22. Januar 2016

Offenbar kommt Licht ins Dunkel der Abgas-Affäre: Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gibt es eine Art Kronzeugen, der selbst an der Manipulation der Software beteiligt war. Er hat demnach bereits vor einigen Monaten ausgesagt.

5. Februar 2016

Der Volkswagen-Konzern verschiebt die bislang für den 10. März geplante Vorlage des Jahresabschlusses und die auf den 21. April terminierte Hauptversammlung. Grund dafür ist, dass der Wolfsburger Autobauer noch immer nicht sagen kann, wie teuer der VW-Skandal letztendlich wird. Unterdessen bekommen laut NiedersachsenMetall auch die Zulieferer die Folgen der Krise zu spüren.

12. Februar 2016

Die VW-Absatzzahlen für den Monat Januar werden bekannt und sie sind für den Konzern unschön: Die von der Abgas-Affäre gebeutelte Marke Volkswagen muss im Januar in fast allen Regionen starke Rückgänge hinnehmen. In Deutschland sind die Auslieferungen im Januar im Vergleich zum Vormonat um 10,2 Prozent geschrumpft. In den USA, wo noch immer nicht klar ist, wie der Rückruf für Diesel-Autos laufen soll, sind die Zahlen sogar um gut 35 Prozent eingebrochen. Nur China rettet das Gesamtbild.

19. Februar 2016

Der Zeitplan für die zweite Rückrufwelle der vom Skandal betroffenen VW-Autos wird bekanntgegeben: Ende Mai startet in Deutschland die zweite Rückrufwelle - dann sind die 1,2-Liter-Motoren dran. Unterdessen leiden die Zulieferer schon jetzt unter VWs angekündigtem Sparkurs.

2. März 2016

In einer umfangreichen Mitteilung legt Volkswagen die zeitlichen Abläufe beim Abgasskandal dar. Ex-Vorstandschef Winterkorn konnte demnach schon 2014 von der Schummelei wissen.

Zudem beginnt in Bochum der erste deutsche Zivilprozess im Abgas-Skandal. Ein Universitätsprofessor hat ein VW-Autohaus in Bochum, bei dem er im vergangenen Jahr einen VW Tiguan gekauft hatte, verklagt. Er pocht auf Rückabwicklung seines Kaufvertrags. Das Landgericht Bochum machte gleich zu Beginn des Prozesses deutlich, dass es eine andere Rechtsauffassung vertritt.

6. März 2016

Der VW-Vorstand um Ex-Chef Winterkorn hat offenbar bereits Ende August 2015 von den Abgas-Manipulationen gewusst. Erst im September machte die US-Umweltbehörde den Skandal öffentlich. Volkswagen hatte die Informationen folglich bewusst verschwiegen. Zu diesem Ergebnis kommen Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

8. März 2016

Bei einer nicht-öffentlichen Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk spitzt sich der Konflikt zwischen VW-Markenchef Herbert Diess und Betriebsratschef Bernd Osterloh zu. Streitigkeiten gibt es über die Ausgestaltung des Sparkurses von VW.

9. März 2016

Das "Wall Street Journal" berichtet über eine Ausweitung der Ermittlungen der US-Justizbehörden gegen Volkswagen. Demnach stehen auf der Liste der Vorwürfe auch der Verdacht des Bankbetrugs sowie mögliche Verstöße gegen Steuergesetze.

10. März 2016

US-Chef Michael Horn muss überraschend seinen Posten räumen. Übergangsweise soll Volkswagens künftiger Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken Horns Posten übernehmen. Es gibt viele offene Baustellen: Für den Rückruf von rund 580.000 manipulierten Autos gibt es noch immer keine technische Lösung.

Volkswagen streicht jede zehnte Stelle in der Verwaltung von VW. Rund 3.000 Stellen könnten betroffen sein. Aus Konzernkreisen heißt es aber, dass der Jobabbau über Personalschwankungen, Altersteilzeit oder die Zuweisung neuer Aufgaben für die betroffenen Kollegen möglich ist.

11. März 2016

Entwickler des VW-Konzerns haben noch bis ins Jahr 2015 hinein die Software von Diesel-Fahrzeugen manipuliert - obwohl eine US-Behörde VW schon im Sommer 2014 wegen im Straßenbetrieb gemessener zu hoher Abgaswerte gewarnt hatte. Das berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung", das niedersächische Wirtschaftsministerium bestätigt die Angaben.

15. März 2016

Wie das Landgericht Braunschweig bestätigt, wird Volkswagen von 278 Aktionären auf insgesamt 3,255 Milliarden Euro verklagt. Die Anleger fordern Schadenersatz als Ausgleich für die Kursverluste nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals. Es ist das erste Milliarden-Verfahren in Deutschland gegen VW wegen der Abgas-Affäre.

Unterdessen wird bekannt, dass der vom Skandal ausgelöste Jobabbau im Werk von VW Nutzfahrzeuge in Hannover-Stöcken erst einmal nicht weitergeht: 700 Leiharbeiter-Verträge sollen nach Unternehmensangaben um ein halbes Jahr verlängert werden, weil die Auftragslage gut sei.

16. März 2016

Volkswagen gewinnt den ersten Prozess in Deutschland, der sich mit dem Abgas-Skandal befasst: Das Landgericht Bochum weist die Klage eines Autobesitzers ab. Dieser hatte gefordert, dass VW seinen mit der Manipulationssoftware ausgestatteten Tiguan zurücknimmt. Die Kosten für die Behebung des Mangels lägen unterhalb der Bagatellgrenze von einem Prozent des Kaufpreises, so der Richter.

21. März 2016

Nach Angaben des Landgerichts Braunschweig sind in Deutschland mittlerweile 76 Schadenersatzklagen wegen der Diesel-Affäre eingegangen. Die meisten Forderungen stammen demnach von privaten Anlegern. Hinzu kommt die Sammelklage von 278 Großinvestoren. Eine zweite Sammelklage wird bereits vorbereitet.

24. März 2016

Die nächste Rückrufwelle von Autos mit Manipulationssoftware verzögert sich weiter. Bereits vom 29. Februar an sollten eigentlich vor allem Passat-Fahrzeuge in die Werkstätten, um das notwendige Update zu erhalten. Noch immer fehlt jedoch die Freigabe des Kraftfahrtbundesamts.

Im Rechtsstreit mit der US-Umweltbehörde EPA erhält VW eine Fristverlängerung um 14 Tage. Eigentlich hätten bis zum 24. März unter anderem konkrete Pläne für die Umrüstung der in den USA mit Manipulationssoftware ausgestatteten Diesel-Fahrzeuge vorliegen sollen. Noch haben sich VW und EPA aber nicht auf einen Weg geeinigt.

26. März 2016

Aussagen mehrerer VW-Manager entlasten Konzernchef Matthias Müller. Das berichtet "Der Spiegel". Müller war vorgeworfen worden, er habe schon Wochen vor dem Eingeständnis des Konzerns vom Einsatz einer verbotenen Software gewusst, genauer: seit einer Vorstandssitzung im September 2015. Zu der Zeit war er Porsche-Chef und saß im VW-Vorstand. Nun erklärten die Manager dem Bericht zufolge gegenüber einer US-Kanzlei, die den Skandal untersucht, dass der damalige Konzernchef Martin Winterkorn bei der Sitzung lediglich gesagt habe, es gebe Probleme mit der Zulassung von Dieselmodellen in den USA. Es habe aber keinen Hinweis auf Gesetzesverstöße gegeben.

Wie "Der Spiegel" weiter berichtet, sind bereits Anfang Oktober 2015 Räume des Gifhorner Autoentwicklers IAV durchsucht worden. Das Unternehmen, an dem VW 50 Prozent der Anteile hält, ist unter anderem an der Entwicklung der Motorsteuerung von Volkswagen-Pkw beteiligt.

29. März 2016

Weil VW hohe Bußgelder drohen, müssen die Aktionäre offenbar mit einem Ausfall der Dividende rechnen. "Es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", zitiert die Nachrichtenagentur dpa ein Mitglied des Aufsichtsrats.

Unterdessen hat die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) Klage wegen irreführender Werbung gegen VW eingereicht, weil die Abgaswerte der in den USA als "Clean Diesel" angepriesenen Wagen sich im Nachhinein als geschönt herausgestellt hätten.

21. April 2016

VW hat sich mit der US Umweltbehörde auf das weitere Vorgehen im Abgas-Skandal geeinigt. Beide Seiten legten einem Gericht in San Francisco gemeinsam einen Plan vor, wie der zuständige Richter bestätigte. Demnach sollen die Halter von Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten entscheiden können, ob ihr Auto umgerüstet wird oder ob sie es vom Konzern zurückkaufen lassen. VW soll außerdem Schadenersatz zahlen.

22. April 2016

Die Konzernspitze nennt erstmals belastbare Unternehmenszahlen für das vergangene Jahr. Demnach hat der Konzern im Jahr 2015 einen Verlust von unterm Strich 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Grund: VW stellt wegen Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen 16,2 Milliarden Euro zurück. Die variablen Gehälter der Vorstandsmitglieder sollen zudem um 30 Prozent gekürzt werden - allerdings nur vorerst und unter gewissen Bedingungen. Die Dividende wird ebenfalls erheblich gekürzt.

11. Mai 2016

Das Emirat Katar entsendet eine Frau in den Aufsichtsrat von Volkswagen. Die Wirtschafts- und Computer-Expertin Hessa al Jaber soll auf der Hauptversammlung in das Kontrollgremium berufen werden. Seit 2013 ist sie Ministerin für Informations- und Kommunikationstechnologie in Katar. Das Emirat ist mit 17 Prozent der Stimmrechte drittgrößter VW-Aktionär. Seit Jahresbeginn gilt bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat eine Frauenquote von 30 Prozent. Bislang sitzen in dem Kontrollgremium erst drei Frauen.

27. Mai 2016

Der Konzern erwägt offenbar den Bau einer eigenen Batteriefabrik - möglicherweise in Salzgitter, wo bisher herkömmliche Motoren gebaut werden. Das meldet die Nachrichtenagentur dpa mit Bezug auf Konzernkreise. Zehn Milliarden Euro will VW demnach in das Projekt stecken. Das "Handelsblatt" hatte zuvor geschrieben, im VW-Management entwickle sich die Stimmung hin zu eigener Batterieproduktion, um nicht abhängig von asiatischen Herstellern zu sein.

3. Juni 2016

Der größte Rückruf in der VW-Geschichte kommt offenbar endlich in Gang. Der Konzern teilt mit, dass das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt die europaweite Umrüstung von 800.000 VW-Autos der Modelle Passat, CC und Eos gestattet hat. Über den Start sollen die Kunden per Post informiert werden.

10. Juni 2016

Für weitere 1,1 Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns hat das Kraftfahrtbundesamt ebenfalls die Freigabe zur Umrüstung erteilt.

20. Juni 2016

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen gegen den früheren VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und eine weitere Person wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet. Grund ist eine Strafanzeige durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Behörde geht davon aus, dass die Verdächtigen die Informationen über den Abgas-Skandal zurückgehalten haben, um den Wert der Aktien nicht zu gefährden.

24. Juni 2016

In Südkorea wird ein Manager einer VW-Niederlassung verhaftet. Er soll unter anderem Dokumente zu Emissionswerten gefälscht zu haben.

Der Staatsfonds Norwegens hat Volkswagen unterdessen auf Schadenersatz in Höhe von 680 Millionen Euro verklagt.

28. Juni 2016

Die Aufarbeitung des Abgas-Skandals in den USA wird für Volkswagen offenbar deutlich teurer als erwartet. Auf 14,7 Milliarden Dollar (13,3 Milliarden Euro) sollen sich die Entschädigungen und Strafen voraussichtlich belaufen. Das geht aus einem Vergleichsvorschlag hervor, den amerikanische Kläger am Dienstag (Ortszeit) beim zuständigen Richter Charles Breyer in San Francisco eingereicht haben.