Stand: 27.01.2017 17:41 Uhr

Winterkorn-Ermittlungen: Staatsanwalt "hart am Ball"

Im Zusammenhang mit dem VW-Abgas-Skandal ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig jetzt auch wegen Betrugsverdachts gegen den früheren VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Bisher stand der im September 2015 zurückgetretene VW-Manager nur wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Visier der Staatsanwaltschaft. Die Behörde spricht von "zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkten" dafür, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet von der betrügerischen Abgas-Software und deren Wirkung gewusst haben könnte. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurden gestern auch Räumlichkeiten des ehemaligen VW-Chefs in München durchsucht. Dabei soll er darüber unterrichtet worden sein, dass gegen ihn ermittelt wird. Ob und wann Winterkorn vernommen werde, konnte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe nicht sagen. Für ihn geht von den erweiterten Ermittlungen aber ein eindeutiges Signal aus. "Wir tun was und wir sind hart am Ball", sagte Ziehe wörtlich.

Winterkorn bleibt bei Darstellung

In einer Stellungnahme seiner Anwälte beharrte Winterkorn darauf, genau wie die Öffentlichkeit bis zum September 2015 nichts von den illegalen Abgas-Manipulationen gewusst zu haben. Weiter hieß es in der Stellungnahme, es bleibe bei dem, was Winterkorn vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages vor einer Woche erklärt habe. Dort hatte Winterkorn jede Verantwortung für den Betrug abgestritten: "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin", so Winterkorn in Berlin wörtlich. Verschiedene Medien hatten bereits vor zwei Wochen berichtet, dass der Chef des Wolfsburger Autobauers deutlich früher von den Abgasmanipulationen wusste, als bisher bekannt.

Bundestags-Opposition reagiert empört

Der Vorsitzende des Abgas-Untersuchungsausschusses, der Linken-Politiker Herbert Behrens, kommentierte die Ermittlungen gegen Winterkorn: "Sollten sich die Hinweise der Staatsanwaltschaft gegen Herrn Winterkorn auch nur ansatzweise erhärten, hat er im Untersuchungsausschuss schlicht gelogen." Behrens forderte Winterkorn auf, "reinen Tisch" zu machen. Der Fraktionsvize der Grünen, Oliver Krischer, kritisierte: "Dass es sich bei den Abgasbetrügereien nur um das Fehlverhalten von ein paar Ingenieuren gehandelt haben soll, entpuppt sich immer mehr als Legende. Schummeln und Betrügen bei Abgasmessungen scheint mehr Konzernpolitik als das Fehlverhalten einzelner gewesen zu sein."

Auch Gottweis beschuldigt

Mit den neuen Ermittlungen stieg die Zahl der Beschuldigten zugleich von 21 auf 37. Zu ihnen gehören außer Winterkorn offenbar keine weiteren derzeitigen oder früheren Vorstandsmitglieder. Es sollen aber führende Konzernmanager darunter sein, unter ihnen nach Informationen von NDR, WDR und SZ auch Bernd Gottweis, ehemaliger Top-Manager bei VW und einer der engsten Vertrauten von Winterkorn. Vor zwei Wochen berichteten die drei Medien bereits darüber, dass Winterkorn möglicherweise deutlich früher über die Manipulationen Bescheid wusste. Bereits im Juli 2012 - also mehr als drei Jahre bevor der Betrug aufflog – sollen zwei der wichtigsten Vertrauten Winterkorns bei VW von den Manipulationen erfahren haben, unter ihnen Gottweis. Das hat VW in seinem Schuldeingeständnis gegenüber den US-Behörden angegeben.

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Zeugen und Beschuldigte wurden befragt

Als Anhaltspunkte für den Verdacht nennt die Staatsanwaltschaft insbesondere Erkenntnisse aus Vernehmungen von Zeugen und Beschuldigten im Abgas-Skandal sowie die Auswertung beschlagnahmter Dateien. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte jüngst ihre Ermittlungen im Rahmen der Abgas-Manipulationen ausgeweitet. Nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" durchsuchten die Ermittler am Dienstag dieser Woche die VW-Beteiligung IAV sowie 28 Privat- und Diensträume im Bereich Wolfsburg, Gifhorn und Braunschweig. Am Donnerstag seien dann Winterkorns Privat- und Büroräume in München sowie weitere Räume in Wolfsburg durchsucht worden. Ergebnisse konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht mitteilten. Die Auswertung des sichergestellten Materials werde voraussichtlich mehrere Wochen dauern, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.01.2017 | 13:00 Uhr

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