Synapsen: NDR Info startet neuen Wissenschaftspodcast

von Torben Steenbuck
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Im Wechsel mit Lucie Kluth befragt Maja Bahtijarević Wissenschaftsjournalist*innen zu einem großen Thema der Wissenschaft.

Bereits seit einem Jahr hatte die Wissenschaftsredaktion von NDR Info an ihrem neuen Podcast-Projekt gearbeitet, dann kam das Coronavirus und mit ihm das Coronavirus-Update mit Christian Drosten. Ein Glücksgriff, sowohl für den NDR mit fast 43 Millionen Abrufen bis Mitte Mai als auch für den Wissenschaftsjournalismus im Allgemeinen.

Das ursprüngliche Podcast-Projekt rückte dadurch jedoch in den Hintergrund. Jetzt ist Synapsen - der neue Wissenschaftspodcast von NDR Info gestartet.

Das Beste aus zwei Welten: Gesprächspodcast plus Radio-Feature

Jede Folge von Synapsen widmet sich einem anderen großen Thema der Wissenschaft. Angefangen bei den Gefahren von Mikroplastik über neue Erkenntnisse der Raumfahrt bis hin zur Leseforschung. Zu Beginn wird es drei unterschiedliche Folgen zum Coronavirus geben.

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Synapsen: Wissenschaft im neuen Podcast

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Wissenschaft ist mehr als eine Schlagzeile. Synapsen, der neue Podcast von NDR Info, begibt sich auf Spurensuche und liefert Fakten, Hintergründe und Geschichten zu Fragen der Forschung. mehr

Gehostet wird der Podcast im Wechsel von Maja Bahtijarević und Lucie Kluth. In jeder Folge treffen sie sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen: Fachjournalist*innen, die zu dem Thema der Episode ausführlich recherchiert haben und atmosphärische Audios und Interview-Töne von Expert*innen mitbringen. So erklären sie Wissenschaft im freien Gespräch mit akustischen Eindrücken von der Recherche vor Ort.

Redaktionell betreut den Podcast Korinna Hennig aus der NDR Info-Wissenschaftsredaktion. Sie sieht die Aufmerksamkeit durch den Erfolg des Coronavirus-Update als große Chance für Wissenschaftsjournalismus aus dem Hause NDR Info: "Es ist ein guter Zeitpunkt. Das Coronavirus beherrscht noch vieles, aber nicht mehr alles. Das Interesse an Wissenschaft ist offensichtlich sehr groß, das kann auch auf andere Themen abfärben. Der Klimawandel betrifft auch viele Menschen, es müssen nicht nur Nischenthemen sein. Die Aufmerksamkeit kann man nutzen, um den Leuten zu zeigen: Wir haben auch noch etwas anderes Tolles, vielleicht wollt ihr mal reinhören."

Das Ziel: Wissenschaft erlebbar machen

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Der NDR Info Synapsen-Podcast sei für alle Menschen, die neugierig sind, so Redakteurin Korinna Hennig.

Mit dem Podcast will die Synapsen-Redaktion so viele Menschen wie möglich erreichen - nicht nur junge Menschen, nicht nur NDR Info-Hörer*innen, sondern grundsätzlich alle, die neugierig sind. Podcast sei dabei das Medium der Stunde, meint Korinna Hennig. "Gerade die Leute, die jetzt vielleicht nicht totale Wissenschaftsnerds sind, aber das mal so mitnehmen wollen, für die ist es ein bisschen komfortabler, wenn sie sich nicht anderthalb Stunden Zeit nehmen müssen, um gut gemachte Texte zu lesen."

"Denn das sind dann ja meistens Texte in Schriftsprache, die sind nicht so dicht dran am eigenen Sprachgebrauch", so Henning. "Und der Podcast schafft - gerade so wie wir ihn machen, als Gesprächspodcast - eine Situation, die ein bisschen so ist, als würde ich am Küchentisch mit jemandem sitzen, Kaffee oder ein Glas Wein trinken, und der erklärt mir mal 'was."

Die Produktionsweise ist dabei für viele der Beteiligten Neuland: "Wir bereiten uns vor, indem wir uns inhaltliche Ankerpunkte setzen, quasi Haltestellen, die wir abfahren. Und wenn das klappt und wir es geschafft haben, ein super komplexes Thema so herunterzubrechen, dass es jeder verstehen kann, dann ist das schon ein ziemlich cooles Gefühl", sagt Maja Bahtijarevic.

Ein ganz neues Arbeitsfeld: Distribution

Besonders eng arbeitet die Redaktion mit Katharina Mahrenholtz von ThinkRadio zusammen. Sie begleitet den Launch und alles, was es rund um den Podcast kontinuierlich zu entwickeln und verbessern gibt, von der "Landing Page" bis hin zum Transkript. "Spätestens seit dem Coronavirus-Update sind wir ein eingespieltes Team", meint Korinna Hennig. "Da haben wir im Prinzip das gleiche gemacht, allerdings unter maximalem Zeitdruck."

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Die Hosts Lucie Kluth (im Bild) und Maja Bahtijarević vermitteln Erkenntnisse der Wissenschaft im freien Gespräch verbunden mit akustischen Eindrücken von der Recherche vor Ort.

Die Kolleg*nnen von ThinkRadio weisen dabei immer wieder darauf hin, wie wichtig die Distribution ist - nichts, das man in der Redaktion nebenbei mit erledigen kann. Tatsächlich hat sich beim Projekt Synapsen gezeigt, dass man zum Launch eines neuen Podcasts eine ganze Woche lang damit beschäftigt ist. Nun gilt es, jede neue Folge entsprechend zu betreuen - dazu entwickelt die Synapsen-Redaktion in Zusammenarbeit mit Katharina Mahrenholtz ein Konzept.

Der Weg wissenschaftlicher Erkenntnis und transsexuelle Schnecken

Ein großes Learning für die Redaktion aus dem Coronavirus-Update ist die Stärke der Transparenz, die auch bei den Synapsen mit im Vordergrund stellen soll. "Wir wollen auch die Grenzen der Wissenschaft thematisieren und vor allem sichtbar machen: Wie kommt Forschung zustande? Wo passieren auch mal Fehler?" Gleichzeitig soll gezeigt werden, wie Wissenschaftsjournalismus funktioniert und wo Fragen offen bleiben müssen. Und dass Zweifel und Zufälle oft wichtige Zutaten auf dem Weg zur Erkenntnis sind.

Das zeigt auch das Beispiel der transsexuellen Schnecken: In der Synapsen-Folge zu Umwelthormonen, die demnächst erscheint, wird die Geschichte eines Forschers erzählt, der bei routinemäßigen Untersuchungen an Meeresschnecken zufällig entdeckte, dass sie ihr Geschlecht gewechselt hatten. Es war die entscheidende Spur, die zur Entdeckung von Umwelthormonen und deren Gefahren geführt hat. Wer die ganze Geschichte wissen will, sollte ab jetzt freitags bei Synapsen reinhören.

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Synapsen. Ein Wissenschafts-Podcast von NDR Info

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Wissenschaft ist mehr als eine Schlagzeile. Der Podcast Synapsen begibt sich auf Spurensuche und liefert Fakten, Hintergründe und Geschichten zu aktuellen Fragen der Forschung. mehr